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Hier kommt Michelle Ein Campusroman von Pehnt, Annette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.10.2016
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
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Hier kommt Michelle

Semesteranfang an der Eliteuni Sommerstadt: In das beschauliche, malerisch gelegene Örtchen strömen die Studenten. Aber Bologna, Module, Elite, Kompetenzen - was hat das alles mit Studieren zu tun? Michelle, die hübsche, sehr bemühte, aber nicht übermäßig akademisch veranlagte Studienanfängerin, wird es bald herausfinden. Annette Pehnt, geboren 1967 in Köln, studierte und arbeitete in Irland, Schottland, Australien und den USA. Heute lebt sie als Dozentin und freie Autorin mit ihrer Familie in Freiburg im Breisgau. 2001 veröffentlichte sie ihren ersten Roman "Ich muß los", für den sie unter anderem mit dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet wurde. 2002 erhielt sie in Klagenfurt den Preis der Jury für einen Auszug aus dem Roman "Insel 34", 2008 den Thaddäus-Troll-Preis sowie die Poetikdozentur der Fachhochschule Wiesbaden und 2009 den Italo Svevo-Preis. 2011 erschien ihr Roman "Chronik der Nähe", im selben Jahr erhielt sie den Solothurner Literaturpreis sowie den Hermann Hesse Preis. 2013 erschien der Prosaband "Lexikon der Angst", 2014 war sie Mitherausgeberin der Anthologie "Die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher". Darüber hinaus schrieb sie mehrere Kinderbücher, unter anderen "Der Bärbeiß". Zuletzt veröffentlichte sie den Roman "Briefe an Charley".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 04.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492983082
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 1208 kBytes
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Hier kommt Michelle

Die Semesterferien, Michelles erste, sind verstrichen, das Praktikum bei Sebastian ist zu Ende, keine weiteren Mails von Manuel sind eingetroffen, gerade hat sich Michelle ein Buch ausgeliehen und schon beim Anblick des Titels (Das Erzählen in der Krise: Bauformen der Moderne) leichte Rücken- und einen Anflug von Kopfschmerzen verspürt, und nun steht sie am Parkplatz vor der Bibliothek, die wegen Asbestverseuchung bald geschlossen werden wird, so dass sie dann hoffentlich dort nicht mehr auflaufen muss, und wartet auf die anderen Teilnehmer des Kompaktseminars Kreatives Schreiben. Sie haben Fahrgemeinschaften gegründet, um zusammen in eine Berghütte in den schönen Hügeln hinter Sommerstadt zu reisen, wo sie fernab von Punkten, Scheinen und anderen Zwängen ihre Kreativität erforschen können, angeleitet von einer echten Schriftstellerin, die sich für berühmt hält, aber bescheiden genug ist, nur zwei ihrer fünf Werke auf der Literaturliste anzugeben. Michelle hat keins davon gelesen, aber sie hat sich von den verlockenden Formulierungen der Seminarankündigung verführen lassen zu einem "Gruppenexperiment", bei dem sie ihre "kreative Identität" entdecken sollen und ihre "authentische Stimme" noch dazu, und außerdem ist damit ein ganzes Semester mit einem Schlag abgearbeitet, und die frische Luft wird ihr auch gut tun, und Kreativität kann man immer gebrauchen. Die anderen Mädchen, die allmählich eintreffen, haben sogar Wanderschuhe dabei, Michelle hält das für übertrieben, aber dafür hat sie ein paar Gesellschaftsspiele eingesteckt, damit sie abends etwas zu tun haben auf der Hütte, sie können ja nicht die ganze Zeit schreiben.

Die Schriftstellerin biegt schwungvoll mit ihrem Fahrrad auf den Parkplatz ein, Michelle weiß gleich, dass sie es sein muss, weil sie bunte Hippiekleider trägt und ihr Haar verwuschelt ist, so läuft doch sonst niemand herum. Sie sammelt die Mädchen um sich, zählt alle durch und amüsiert sich darüber, dass sich keine Jungen angemeldet haben, die Männer hätten, sagt sie, Angst vor Selbsterfahrungen jeglicher Art, nicht dass sie eine Therapiegruppe seien, Schreiben könne das nicht leisten, und außerdem seien sie hier an der Uni, und es vertrage sich nicht mit dem akademischen Selbstverständnis, eigene Erfahrungen mit irgendetwas zu machen. Michelle versteht nicht ganz, worauf die Schriftstellerin heraus will, es klingt so, als sei sie nicht zufrieden mit der Uni, für die sie doch arbeitet, das will Michelle nicht einleuchten, und Therapie ist das Letzte, was sie brauchen kann, sie will eigentlich nur ihren Seminarschein in Kreativität machen, so wie die anderen, die sich auch gerade mit hochgezogenen Augenbrauen zweifelnde Blicke zuwerfen, aber da klatscht die Schriftstellerin schon in die Hände und ruft zum Aufbruch auf. Mit mehreren Autos fahren sie durch das liebliche Umland von Sommerstadt, das auch in den Broschüren der Universität gepriesen und als Entscheidungsgrund ins Feld geführt wird, einem von vielen natürlich, man kann sich ja nicht nach der Wanderkarte für seinen Studienort entscheiden, aber jeder Pluspunkt schlägt eben zu Buche, und das Umland ist wirklich lieblich, kleine verschlafene Weiler, Bäche und Kühe, und schon sind sie in den Hügeln und sammeln die ersten Eindrücke für ihre Schreibübungen, denn die Schriftstellerin hat gesagt, sie sollen gleich die Augen aufmachen, das Schauen sei genauso wichtig wie das Schreiben.

Als sie im Seminarraum der Hütte ihre Laptops öffnen, bricht das erste Unwetter los, die Schriftstellerin besteht darauf, dass sie nur mit der Hand schreiben, taktile Erfahrungen, haptische Erfahrungen, der Stift zwischen den Fingern, die Bleistiftmine auf dem Papier, der Druck des Stiftes, das Gewicht, der bittere Geschmack der Tinte, aber da muss Michelle sich melden und wirklich mal nachfragen, ob sie die Tinte denn trinken sollen oder was. Die Frage klingt unverschämter, als sie gemeint war, und Michelle presst

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