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High Dive Roman von Lee, Jonathan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.06.2018
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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High Dive

Brighton, Südengland 1984: Moose, ein ehemaliger Spitzensportler, der seine besten Zeiten längst hinter sich hat und nun als Hotelmanager im hiesigen Grand Hotel arbeitet, kann sein Glück kaum fassen: Das Grand wurde ausgewählt, Regierungschefin Margaret Thatcher sowie ihr gesamtes Kabinett für ein paar Tage zu beherbergen. Alles soll reibungslos klappen bei Ankunft der eisernen Lady in 24 Tagen. Mooses Tochter Freya, die gerade die Pubertät hinter sich hat und an der Rezeption sitzt, wird bis dahin ihre Manieren entdeckt, der Portier seinen Bourbonkonsum im Griff, und der Koch ein paar französische Gerichte auf der Pfanne haben, die gerade so en vogue sind, hofft Moose. Was er nicht ahnt: Soeben hat ein Mann unter dem Namen Roy Walsh in Zimmer 629 eingecheckt und dort eine Bombe platziert, die genau in 24 Tagen detonieren soll ... Jonathan Lee verwebt Fakten und Fiktion, Komödie und Tragödie zu einem eindringlichen Roman um Gewalt, Gewissen und Loyalität - von großer Aktualität.

Jonathan Lee, geboren 1981 in Surrey, studierte englische Literatur, lebte eine Zeitlang in Südamerika und arbeitete in einer Anwaltskanzlei in London City. 2007 wurde er nach Tokio versetzt. Zurück in England ließ er sich beurlauben und schrieb "Wer ist Mr Satoshi?", der Leser und Presse gleichermaßen begeisterte. Inzwischen lebt Jonathan Lee in New York City, arbeitet nebenbei für das das Literaturmagazin A Public Space. Seine Texte und Geschichten erscheinen unter anderem in Granta, Tin House & Narrative, im Guernica Magazine und The Paris Review Daily; eine seiner Kurzgeschichten war auf der Longlist für den Sunday Times Short Story Award. Sein zweiter Roman "Joy" wird derzeit von der BBC verfilmt. Der Guardian nennt Jonathan Lee "eine bedeutende neue Stimme der englischen Literatur".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 11.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641163525
    Verlag: btb
    Originaltitel: High Dive
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High Dive

A ls Dan achtzehn war, holte ihn ein Mann, den er nicht kannte, zu einem Ausflug über die Grenze ab. Es war 1978, in der letzten Juniwoche, sechs Tage, nachdem die britische Armee an der Ballysillan Road drei Katholiken erschossen hatte. Im Auto roch es nach Essig von Fish and Chips, und der Mann mit der narbigen Glatze hatte zwei Witze auf Lager, einen über Brits und einen über Priester. Er schien Dan irgendwo in die Nähe von Clones zu bringen. Seine mächtigen, eckigen Finger trommelten aufs Lenkrad, und in seinen Augen blitzte manchmal Überraschung auf, wenn die Straße sich ihren Weg suchte. Er hatte ein enorm hässliches Blumenkohlohr, das er beim Fahren öfter berührte. Die dicht stehenden grauen Häuser des protestantischen Ulster machten Platz für Licht und Farbe. Hier konnte man den Wind spüren und das Gras riechen. Aus Fenstern von Bussen voller Derry-Fans flatterten rot-weiße Schals. Grün-weiß-goldene Fahnen hingen in Bäumen.

Der glatzköpfige Mann ließ einen prachtvollen Rülpser los, als er auf einen Feldweg abbog. Der Feldweg führte zu einer von Ulmen umgebenen Wiese. Dan sah Gänseblümchen, Heuballen. Das Glitzern einer Colaflasche im Unkraut. Jenseits der Flasche, in einem Schattenstreifen, parkte ein Land Rover.

"Mach dir keine Sorgen", sagte der Glatzkopf. "So ein Auto hält keiner an. Zu Weihnachten gönnt er sich vielleicht sogar einen Saracen."

Dan schaffte es zu lächeln. "Dann ist das ..."

"Was denn?"

"Das ist Mr McCartland, oder?"

"Oh", sagte der Glatzkopf, "würd ich doch mal annehmen." Den Gurt noch immer umgelegt, kramte er jetzt in seiner Jeanstasche, wobei sich sein bulliger Körper wand, als wäre er auf einem Folterstuhl gefangen. Doch alles, was seine Hand zutage förderte, war ein platt gedrücktes Päckchen Kaugummi. Er sah Dan an und lachte. "Hätte dir eine Dose Bier spendieren sollen, was? Hilft immer gegen Hose-voll-Scheißeritis."

An diesem Vormittag herrschte reinstes Bilderbuchwetter. Große gelbe Sonne. Gleichmäßig blauer Himmel. Eine einzige weiße Wolke, wie von einem Kind gemalt. Es sah nach einem Tag aus, an dem nichts Ernsthaftes passieren konnte. Ein Tag, um acht Pints zu trinken und sich einen Sonnenbrand zu holen. Ein irisches Jahr hatte nicht viele solcher Tage, deshalb wollte jeder in Erinnerung bleiben. Der Glatzkopf und er traten mit ihren Stiefeln scharfkantiges Gras nieder, als sie auf den Land Rover zugingen. In dieser Gegend standen verstreute Cottages, einzelne Häuser mit schiefen Zaunpfählen, offenen, niedrigen Toren, in müden Angeln hängenden Fensterläden. Häuser, die die Idee geschützter Privatsphäre vermittelten, aber der Schutz war nur symbolisch, und auch er fühlte sich ungeschützt, offen. Furchtbar schlecht vorbereitet. Niemand hatte ihm angekündigt, dass er abgeholt werden würde. In seinem Kreuz sammelte sich bereits Schweiß. Seine Lederjacke war kühl, aber schwer. Er hatte so viele Geschichten über diese Initiationen gehört: Was man durchstehen musste, bevor sie einen richtig aufnahmen. Aber er wusste auch, dass Lügengeschichten zum Belfaster Leben gehörten, dass das Wahre oft mit Erfundenem angereichert wurde.

Ein dünner Typ stieg aus dem Land Rover. Er trug eine Brille und ein adrettes Hemd, sandfarbene Hosen. War das wirklich Dawson McCartland? Er sah aus wie ein Buchhalter. Er zog zwei große Hunde an einer langen Doppelleine aus dem Rover. Der eine war golden, der andere braun. "Guten Morgen", sagte er in näselndem, gleichförmigem Ton und nickte, wie um zu zeigen, dass er es ernst meinte.

In Erwartung eines Händedrucks ging Dan auf ihn zu. Stattdessen bekam er die Hundeleine. "Ich bin Dan."

"Ah", sagte Dawson und nahm die Brille ab, "da bin ich ja froh." Seine formlosen Augenbrauen waren zusammengewachsen, ein Sims, unter dem er hervorblickte. In den Augen ein flimmerndes Funkeln. Die Mundwinkel nach oben gezogen. Mit einem Taschentuch putzte er seine Brille. Die Hunde bellten und

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