text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Himmel und Erde Betrachtungen von Márai, Sándor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2014
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Himmel und Erde

Marai, der große Erzähler, war auch ein Meister der kleinen Form: In seinen brillanten literarischen Betrachtungen denkt er nach über Liebe und Alter, über Freundschaft und Vergänglichkeit, über das Schreiben nd das Leben mit Büchern.

Sándor Márai, 1900 bis 1989, gehörte zu den gefeierten Autoren Europas, bis er 1948 mit seiner Emigration nach Italien und in die USA in Vergessenheit geriet. Mit der Wiederentdeckung des Romans "Die Glut" wurde er 1998 weltweit gelesen und als einer der bedeutendsten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts erkannt. Der Niedergang des europäischen Bürgertums zählt zu seinen wichtigsten Motiven.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 13.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492960144
    Verlag: Piper
    Größe: 1362 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Himmel und Erde

Ich habe keine andere Waffe und Macht wider die Zeit und die Welt, nur das Schreiben. Länder werden zerstückelt und zusammengeflickt, Generationen zwingt man zur Fronarbeit, um dem Zeitgeist Pyramiden zu bauen, schändet Verträge und sprengt Brücken, die doch von Mensch zu Menschen führten ...

Warum ertrag' ich es dennoch? Was hält mich am Leben? Woran glaube ich? Allein der Glaube daran, daß der kühle, reine, der wahre, unbarmherzige und kompromißlose Geist Bestand hat - man kann ihn nicht verletzen, ungestraft leugnen oder erfolgreich verfälschen, er bleibt über allem bestehen - ist stärker als alles und jedes. Nur das glaube ich, nur das hält mich am Leben, nur deshalb mache ich nicht Schluß. So wahr mir Gott helfe.
D EDIKATION

Bei Wind bin ich geboren, abends um acht,

Habe Kaschau geliebt und Gedichte,

Frauen, Wein und die Ehre,

Wohl auch die Vernunft, wenn sie zum Herzen spricht -

Sonst liebt' ich nichts. Den Rest kennt keiner.

Kein Bitten, kein Flehn, erbarmt euch nicht meiner.
D IE P RÜF UNG

Der Schriftsteller kann sich nicht damit abfinden, daß der Leser diese andere, unsichtbare höhere Schule nicht absolviert hat, deren ungeschriebenes Reifezeugnis ihn zum gefühlsmäßigen Verstehen einer Lektüre befähigt. Der Schriftsteller hat seine Leser zu achten; das verlangt seine Würde. Man muß schreiben, als würde man an Goethe schreiben. Es geht auch bescheidener; aber es lohnt sich nicht.
A UFLAGENZAHL

Der Redakteur einer kleinen, engagierten Zeitschrift mit hohem Anspruch hat mich gebeten, einen meiner Artikel, der schon in der Feiertagsnummer einer Tageszeitung erschienen ist, abdrucken zu dürfen. Die Feiertagsnummer wurde in hundertzwanzigtausend Exemplaren gedruckt; die Zeitschrift erscheint alles in allem mit dreihundert Stück. Der Redakteur will - klug und zu Recht - meinen Artikel an die Öffentlichkeit bringen, deshalb bat er um die Abdruckerlaubnis.

Der Anspruch ist nicht übertrieben. Die wahre Öffentlichkeit sind immer diese dreihundert Leser. Andere zählen nicht. Die meisten meiner Arbeiten erscheinen seit Jahrzehnten in Millionenauflage - unter Ausschluß der Öffentlichkeit.
T AGEBUCH

Tagebücher mochte ich noch nie so recht, sie sind nicht mein Ausdrucksmittel. Wenn es der Sinn des Tagebuchs ist, "täglich" zu schreiben, und neben dieser Aufgabe, etwa hinkritzelnd auch den Sinn des Nebenprodukts zu notieren, Späne des Augenblicks aufzubewahren, so sind diese Notizen für mich das Tagebuch; doch ich kann nicht anders schreiben, nur für eine anonyme Öffentlichkeit, so wie ich diese Notizen hier zu Papier bringe, also mit Überschrift, einer Absicht und mit gestaltetem Inhalt ... Ist das Eitelkeit? Oder eine Art Zwang des Metiers? Und werden Tagebücher, diese "großen Beichten", mit weniger Eitelkeit und Absicht, weniger für die Öffentlichkeit geschrieben? Ich habe meine Zweifel. Der Schriftsteller schielt immer mit einem Auge auf das Publikum, auch wenn er in seinem vertraulichen Heft notiert: "Heute nichts Nennenswertes passiert." Oder: "Am Nachmittag geraucht." Auch das betrachtet er als eine öffentliche Angelegenheit, weil er ja Schriftsteller ist. Das Tagebuch, selbst das vertraulichste, ist immer für die Öffentlichkeit geschrieben, und so ist es vielleicht ehrlicher, wenn wir zugeben, daß wir Schriftsteller ganz ehrlich doch nicht sein können, nicht in unseren Werken, nicht in unseren Briefen und auch nicht in den Tagebuchaufzeichnungen. Übrigens, Tagebuchschreiber, ich halte nicht viel von dieser einsamen Aufrichtigkeit. Behalt deine Geheimnisse für dich - schreib geheimnisvoll und ehrlich, mit Überschrift, Struktur und einer Absicht, so wie es einzig möglich ist und sich auch ziemt./

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen