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Himmel und Erde Roman von Linke, Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Himmel und Erde

In ihrem Roman 'Himmel und Erde' verbindet Maria Linke eine authentische Kindheitsgeschichte aus den 1950/60er-Jahren und eine aktuelle Story um die Folgen des Braunkohle-Tagebaus zu einer bewegenden Lektüre. Ihr auf eigenen Kindheitserlebnissen beruhender Roman um den Zauber der Kindheit und den Verlust der Heimat beschwört eine beinahe idyllisch anmutende dörfliche Welt und ein Kinderparadies herauf, deren Bedrohung damals nur zu erahnen war und die heute für immer verloren sind. Durch den Brief einer Freundin erfährt Birte Hederich, dass das niederrheinische Dorf ihrer Kindheit dem Braunkohlentagebau weichen muss. Die Nachricht trifft sie tief. Verschwindet mit dem Dorf nicht auch unwiderruflich ein Teil ihres Lebens? Noch einmal reist sie in die alte Heimat, um die bekannten Wege zu gehen - und wird von der Flut der Erinnerungen überwältigt: an eine unbeschwerte Kindheit, an Abenteuer direkt vor der Haustür, an die erste Liebe und an beste Freundinnen. Sie, die geglaubt hatte, das Dorf und die Menschen dort schon lange hinter sich gelassen zu haben, wird unversehens tief in das Geschehen hineingezogen. Aus einer Reise in die Vergangenheit wird ein Neuanfang. Maria Linke arbeitete nach ihrer Promotion viele Jahre lang für große deutsche Publikumsverlage. Seit 2003 lebt sie als Übersetzerin und freie Autorin in der Nähe von Köln. Mehr über Maria Linke unter theda-krohm-linke.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 04.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492994583
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 3575 kBytes
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Himmel und Erde

Tonis Brief

Koblenz, den 10.Oktober 2017

Liebe Birte,

wir haben lange nichts mehr voneinander gehört - ich glaube wahrhaftig, das letzte Mal 2013, als meine Mutter gestorben ist. Wie schnell doch die Jahre vergehen, immer noch schneller, je älter wir werden. Ich werde dich in den nächsten Tagen anrufen, einfach, weil ich auch endlich mal wieder hören will, wie es dir und den Kindern geht. Die Zwillinge kommen ja nächstes Jahr schon in die Schule! 2013 waren sie erst knapp ein Jahr alt. Und wie stolz musst du als zweifache Oma sein! Oder sind es mehr Enkel geworden? Ist Dominik vielleicht auch schon Vater? Und was macht Jana? Wir sind ja gar nicht mehr auf dem Laufenden übereinander! Das muss anders werden! Wir müssen einfach häufiger telefonieren, wenn es schon mit den gegenseitigen Besuchen nicht klappt.

Heute allerdings mochte ich nicht anrufen, heute muss ich dir schreiben, und auch keine Mail oder Whatsapp, sondern einen Brief, weil ich mir die traurige Gewissheit erst einmal selbst vor Augen führen und meine Gedanken ordnen muss.

Du wunderst dich vielleicht, wenn nicht über den Brief, dann doch bestimmt über meine Adresse auf dem Briefumschlag, und ich falle auch gleich mit der Tür ins Haus. Es ist jetzt alles letztlich ganz schnell gegangen, und in einem Jahr wird es Lommerich nicht mehr geben. Nichts wird übrig bleiben. Die Häuser, die Gärten, die Straßen und Gassen, die Geschäfte, die Ranch und das Schulhaus - das gesamte, bis vor Kurzem noch blühende Dorf wird dem Erdboden gleichgemacht. Noch nicht einmal die Kirche bleibt erhalten. Sie steht zwar nicht unter Denkmalschutz, aber sie ist doch ein historisch interessantes Bauwerk.

Es war schon lange bekannt, dass Lommerich dem Tagebau weichen muss, das weißt du ja, aber es gab natürlich auch heftigen Widerstand. Kundgebungen und Podiumsdiskussionen fanden statt, eine Delegation aus verschiedenen Dörfern hier in der Gegend fuhr nach Düsseldorf zum Landtag und reichte eine Petition ein. Vor anderthalb Jahren war dann noch einmal eine Bürgerversammlung, und wir hatten irgendwie alle die Hoffnung, dass wir das Ruder herumreißen können und der Spuk doch an uns vorübergeht. Natürlich siehst du, wie um dich herum andere Dörfer in der Grube versinken, aber du hoffst trotzdem immer, dass ein Wunder geschieht. Schließlich wissen doch alle, dass es so nicht weitergehen kann und wir in viel stärkerem Maße auf alternative Methoden umsteigen müssen. Braunkohle zur Energieerzeugung ist schon lange nicht mehr zeitgemäß, und nicht nur das, der billige Strom wird ja auch noch zum größten Teil ins Ausland verkauft, weil er hier gar nicht so sehr gebraucht wird. Auch das ewig angeführte Argument mit dem Wegfall der Arbeitsplätze zieht meines Erachtens nicht mehr. Es ist alles technologisch so ausgefeilt, dass immer weniger Arbeitskräfte im Tagebau benötigt werden, und für die müsste der Konzern doch auch andere Verwendung haben. Außerdem dachten wir natürlich, naiv wie wir waren, dass die Naturschützer, die vor Gericht gegangen sind, um unseren uralten Wald vor der Vernichtung zu bewahren, recht bekommen würden. Stammt er nicht noch aus der letzten Eiszeit? Und wenn auch die Überreste der fränkischen Bauernsiedlung im Wald nur noch zu erahnen sind, so ist sie doch sicher ebenfalls schützenswert.

Du siehst, alles gute Gründe, um innezuhalten und neue Wege zu gehen - so dachten wir. Nun, wir wurden eines Besseren belehrt. An der Tatsache, dass das Dorf mitsamt der Umgebung in der Grube verschwinden wird, ist nicht mehr zu rütteln. Der Vertrag, den der Konzern mit der Regierung hat, ist offensichtlich hieb- und stichfest, und darauf pocht das Unternehmen. Wo Neu-Lommerich entstehen sollte, stand schon lange fest, und mittlerweile ist die Umsiedlung so gut wie abgeschlossen. Einzig der Wald ist noch umkämp

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