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Hol über, Cherub von Leip, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Hol über, Cherub

Es sind eindringliche Liebesgeschichten, die diesen Erzählband ausmachen. Manche spielen an fernen Orten der Welt, aber die meisten sind an Nordsee und Elbe angesiedelt, viele sind gezeichnet von der Dramatik der Bombennächte ab 1943. In 'Herr Pambel' entwickelt sich ein Abend ganz anders, als ihn sich Herr Pambel mit der von ihm verehrten Bili ausgedacht hat. Zunächst muss er erkennen, dass sie jemand anderen liebt, um nach erfolgtem Bombenangriff dann zu begreifen, dass es im Leben um ganz andere Dinge als flüchtige Abenteuer geht. Und in 'Die Rosen...' endet ein Helgoland-Urlaub für die Inselurlauberin Minna tragisch. AUTORENPORTRÄT Hans Leip (1893-1983) war der Sohn eines ehemaligen Seemanns und Hafenarbeiters im Hamburger Hafen. Leip wuchs in Hamburg auf. Ab Ostern 1914 war er Lehrer in Hamburg-Rothenburgsort. Im Jahre 1915 wurde er zum Militär einberufen; nach einer Verwundung im Jahre 1917 wurde er für dienstuntauglich erklärt. Leip kehrte in seinen Lehrerberuf zurück, gleichzeitig begann er, in Hamburger Zeitungen Kurzgeschichten zu veröffentlichen. 1919 fand die erste Ausstellung von Leips grafischen Arbeiten statt, der zu dieser Zeit das Leben eines Bohemiens führte. In den zwanziger Jahren unternahm Leip ausgedehnte Reisen, die ihn u. a. nach Paris, London, Algier und New York führten. Seinen literarischen Durchbruch erzielte er 1925 mit dem Seeräuberroman 'Godekes Knecht'. Während des Zweiten Weltkriegs lebte er ab 1940 dann vorwiegend am Bodensee und in Tirol. 1945 kehrte er für kurze Zeit nach Hamburg zurück, ließ sich jedoch dann im Schweizer Thurgau nieder. Hans Leips literarisches Werk besteht aus Romanen, Erzählungen, Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen und Filmdrehbüchern; vorherrschende Themen sind das Meer und die Seefahrt. Sein Nachruhm beruht allerdings hauptsächlich auf dem Gedicht 'Lili Marleen', das Leip 1915 verfasst und 1937 in den Gedichtband 'Die kleine Hafenorgel' aufgenommen hatte; in der Vertonung von Norbert Schultze, interpretiert von der Sängerin Lale Andersen und verbreitet durch den Soldatensender Belgrad erlangte das Lied während des Zweiten Weltkriegs eine ungemeine Popularität nicht nur bei den Angehörigen der deutschen Wehrmacht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 248
    Erscheinungsdatum: 13.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711467459
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1500 kBytes
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Hol über, Cherub

Die Braut und die Schiffsglocke

Mintje Terborn, blond, rundlich, wohlbehütet, war aufgewachsen in einer der Villen an der Seebadseite zu Vlissingen, die alle aussehen, als wären sie miteinander verschwägert. Und so verlobte sich Mintje mit Paul Vanderstraat von nebenan, der flott und dunkel und ehrgeizig aussah und Bankfach gelernt hatte und als einziger Erbe seines Onkels - bei dem er wohnte - in Betracht kam. Einige Romane von Laurids Bruun hatten ihn nebenbei mit windigen Vorstellungen von der Welt jenseits der Ozeane erfüllt. Er beschloß deshalb, das Jahr bis zur Hochzeit in einem seinem Onkel befreundeten Bankhause in Rio zu verbringen. Schon seiner Lektüre zuliebe wählte er statt des Flugzeuges einen Dampfer für die Überfahrt.

Auf der Schiffsroute gen Südamerika gilt die Insel Madeira als geeignete und hübsche Zwischenstation. Man pflegt sich dort erfolgreich dem Klimawechsel zwischen Europa und drüben oder umgekehrt anzugleichen. Mintjes Vater hatte Geld genug, um seiner Tochter und sich zu gestatten, Paul bis dorthin auf seiner Überseereise zu begleiten. Er war lange Witwer und herzleidend und Mintje seine Einzige; und da es ihr so gut in Funchal gefiel, zumal in Reids teurem Hotel, hatte er nichts dagegen, als sie beschloß, allda das Wiedersehen mit Paul zu feiern. Nach Jahresfrist sollte dann auch die Trauung auf Madeira stattfinden, abseits aller Welt, hinter den gelb und blauen Fenstern der kleinen Bergkirche Saõ Martinho. Und die Jakarandabäume würden wiederum so vergißmeinnichtblau blühen.

Doch Paul sah sich drüben angesichts des Zuckerhutes in den schwülen Tropennächten gesellschaftlicher Feste bald anders gefesselt. Und da es die Tochter seines Bankchefs war, ließ sein Ehrgeiz sich verleiten, die Vergangenheit und deren Verpflichtungen gering zu achten. Aber erst gegen Ende des Auslandsjahres wagte er mitzuteilen, daß er nicht mehr heimzukehren gedenke. Er schrieb dieses nicht etwa an Mintje, sondern an deren Vater. Dieser warf den Brief in den Ofen. (Man bevorzugte damals noch richtige Stubenöfen zu Vlissingen.) Sah dann aber doch ein, es sei geraten, das Töchterchen zu verständigen. Ehe er aber in der Erregung ein aufklärendes Wort hätte hervorbringen können, verschied er, vom Schlag getroffen.

Mintje, ahnungslos, von den immer kühler gewordenen Bräutigamsbriefen weniger erkältet als angeheizt, ließ ihre Reisevorbereitungen nicht lange durch die Förmlichkeiten der Trauer unterbrechen. Mit dem Brautkleid im Koffer fuhr sie allein nach Madeira.

Viele Dampfer kamen von Südamerika. Aber Paul war nicht an Bord. Der Termin des Wiedersehens war längst überschritten. Paul ließ nichts von sich hören. Er war wie verschollen. Kein Telegramm schien ihn zu erreichen. (Es muß gesagt werden, sie spielten drüben alle unter einer Decke, und selbst Pauls Onkel, der Bescheid wußte, wagte nicht, so grausam zu sein, Mintje die Augen zu öffnen.) Und so wartete sie weiter.

Sie hätte sicher unschwer über Behörden und Ämter Auskunft erlangen können. Aber sie unterließ jede Nachsuche. Sie sträubte sich, enttäuscht zu sein. Sie lehnte ab, an Betrug zu denken oder gar an Pauls Tod. Sie war von der beharrlichen Sorte, die fertigbringt, die fließende Wirklichkeit zum "Stillstand zu bewegen". Gerade die rundlichen, so irdisch robust aussehenden Typen sind es gelegentlich, die ihr Gleichgewicht auf dem spitzesten Finger balanciert finden. Sie ertragen nicht, ihr Glück zerrinnen zu sehen. So lassen sie es gerinnen.

Als in einer stürmischen Nacht ein Fischer vor Funchal eine geheimnisvolle weiße Jacht unweit der gefährlichen Desertasklippen gesichtet haben wollte, da legte sich Mintje Terborn mit verzweifelter Entschiedenheit die Vorstellung zurecht, Paul sei mit dieser Jacht unterwegs zu ihr.

Es gibt Zustände, darin Zeit unwesentlich wird. So erging es Mintje. Ihr machte es nichts aus, daß dieses weiße Schiff nicht in den Hafen einlief, sondern so verschollen

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