text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Horror Factory - Ammonit von Marrak, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.12.2013
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
1,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Horror Factory - Ammonit

HORROR FACTORY: Neue Horror-Geschichten. Deutsche Autoren. Digitale Originalausgaben. Das ganze Spektrum des Phantastischen. Von Gothic bis Dark Fantasy. Vampire, Zombies, Serienmörder und das Grauen, das in der menschlichen Seele wohnt. Erscheint monatlich. Jeder Band in sich abgeschlossen.

Eine grausame Prozession. Etwa hundert Personen, die bei Einbruch der Dunkelheit hügelan marschieren, ihnen voran die Kreuzträger. Fettschwalme, Krähen, Tauben und sogar Möwen sind mit ausgebreiteten Flügeln an die aus Ästen und Holzlatten gefertigten Kreuze genagelt. Ist ihr Ziel der geheimnisvolle Stein auf dem sagenumwobenen Solomon's Hill?

Nächste Folge: 'Nähte im Fleisch' von Malte S. Sembten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 80
    Erscheinungsdatum: 19.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838749990
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2362 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Horror Factory - Ammonit

Das Erste, was man von der Prozession sah, waren die gekreuzigten Fettschwalme. Mit kraftlos pendelnden Köpfen hingen ihre Kadaver an den Querbalken primitiver Antoniuskreuze, jedes von ihnen fast drei Meter hoch und von einem armlangen T-Balken gekrönt. Doch es waren nicht nur Waldvögel, welche die Menschen wie makabre Feldzeichen vor sich hertrugen. Auch Krähen, Tauben und sogar Möwen hatten sie mit ausgebreiteten Flügeln an die aus Ästen und Holzlatten gefertigten Kreuze genagelt. Viele der Vögel waren übel zugerichtet, sodass an einigen Querbalken nur noch federstarrende Fetzen hingen, mit Schnüren und Riemen am Holz fixiert, da kein Nagel mehr die blutigen Reste zu halten vermochte. Man sah den Kadavern die Wut und den Hass an, mit denen ihre Fänger sie traktiert hatten.

Etwa einhundert Personen waren es, die auf der Andover Street hügelan marschierten, ihnen voran die Kreuzträger. Alle waren dick vermummt; teils wegen der herbstlichen Kälte, doch hauptsächlich, um sich vor den scharfen Schnäbeln und Krallen jener Vögel zu schützen, die noch lebten. Zur festen Kleidung, die viele zu unförmigen laufenden Klumpen machte, trugen die Menschen Handschuhe und robuste Lederkappen oder Kapuzen, die oft das gesamte Gesicht verbargen. Wer kein Kreuz schleppte, führte eine Laterne oder eine Fackel mit sich. Das Licht spendete den Verzagtesten von ihnen Wärme, Trost und eine Illusion von Sicherheit.

Es herrschte leichter Nebel, sodass die Prozession nicht wie gewöhnlich schon beim Überqueren der alten Stadtbrücke zu sehen war, sondern erst auf halbem Weg herauf nach Bridgewater.

Vom Balkon meines Hotelzimmers aus beobachtete ich, wie der Tross die Straße heraufkam, wobei ich darauf achtete, nicht zu viel Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Als die ersten Kreuzträger den Ehrenhof des Hotels erreichten und am Südflügel vorbei Richtung Waldrand weiterzogen, trat ich zurück ins Zimmer und verfolgte das Geschehen aus einem der mannshohen Fenster. Trotz ihrer Vermummung war mir bewusst, dass einige von ihnen zu mir heraufsahen, während sie am Haus vorbeimarschierten. Sie schienen meine Anwesenheit hinter den Vorhängen zu spüren. Und ich bildete mir ein, die Verachtung in ihren Augen blitzen zu sehen.

So geisterhaft die Prozession aufgetaucht war, so gemächlich verlor sie sich bald wieder im Nebel. Lediglich der Schein der Fackeln und Laternen pendelte noch im Dunst, ab und an verdeckt durch den Schatten eines Körpers.

Bis zum Waldrand waren es vom Hotel aus noch gut vierhundert Meter, doch niemand würde sich auch nur in die Nähe der Bäume wagen. Das Ziel der Vermummten war nur als diffuses Leuchten zu erkennen; ein weitläufiger, geisterhafter Schimmer, der Arkham umgab wie ein Gürtel aus niedergesunkenem Polarlicht. Den natürlichen Wäldern stand seit Monaten ein beständig wachsender Bannwald aus Antoniuskreuzen gegenüber. Zwischen ihnen flackerten Laternen, welche die Kreuzansammlungen immerfort in fahles Licht badeten. Herrschte zudem Nebel, glühten nachts die Anhöhen und die Felder rings um die Stadt bis hin zum Waldrand. Tausende von gekreuzigten Vögeln, die meisten von ihnen längst skelettiert, hatte man jenseits der Stadtgrenzen zur Schau gestellt; ein Golgatha der Fettschwalme zur Abschreckung eines Schwarms, der keine Augen besaß, um den Bannwald der Gekreuzigten zu sehen. Heute Abend würden es wieder ein paar Hundert Vögel mehr werden – und ein paar Dutzend Menschen weniger.

Ich zog die Wolldecken, in die ich mich gehüllt hatte, enger um meinen Körper. Die Herbstkälte hatte sich längst auch in den Hotelmauern eingenistet. Wärme spendete nur das Kaminfeuer, doch das Holz war feucht und

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen