text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ich, Agamemnon, König der Achäer Homers Helden erzählen von Guidorizzi, Giulio (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.09.2018
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
18,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ich, Agamemnon, König der Achäer

Von den Ursprüngen der fluchbeladenen Atriden bis zum Untergang Trojas. Von Achills erbittertem Streit mit Agamemnon bis zu dessen schicksalhafter Heimkehr nach Mykene. Und von Helenas Liebe zu einem Fremden bis zu Klytämnestras Rache an ihrem heimgekehrten Mann. Giulio Guidorizzi lässt Homers Helden und Heldinnen unmittelbar zu Wort kommen: Sie sind es, die das Drama des Krieges um Troja schildern, ihre Erfahrungen, Empfindungen, Ängste und Leidenschaften in Worte kleiden und ihr oft grausames Schicksal reflektieren.Der Autor, profunder Kenner der griechischen Mythologie und der Ilias im Besonderen, entfaltet in dieser Homer-Adaption eine Erzählkunst, die ihre Nähe zur modernen Literatur und zum Film nicht verleugnet: Eine faszinierende Reise in die Welt des griechischen Mythos, zu einer untergegangenen Gesellschaft am Beginn unserer Zivilisation. Giulio Guidorizzi lehrt griechische Literatur und Kulturanthropologie der antiken Welt an der Universität Turin. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit griechischer Mythologie und deren Rolle in der griechischen Literatur.Achim Wurm ist promovierter Philosoph und arbeitet seit über zehn Jahren als literarischer Übersetzer aus dem Italienischen und Englischen. Einer seiner Schwerpunkte ist die Alte Welt mit ihren Sprachen, Bildern und Geschichten, die bis heute weiterwirken.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 222
    Erscheinungsdatum: 28.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159614021
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 3500 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ich, Agamemnon, König der Achäer

Die Sänger erinnern an das, was geschehen ist. Schönes und Schreckliches. Die Sänger erinnern an König Agamemnon und an das Heer seines Volkes, der Achäer. Bei den Ägyptern heißen sie Aquaiwasa , bei den Hethitern Ahiawa ; sie erwähnen sie in ihren Chroniken, weil sie der Schärfe ihrer bronzenen Klingen begegnet sind und der Schönheit ihrer Künste. Die Achäer erobern Städte, landen mit ihren Schiffen an allen Küsten. Manchmal werden sie gerufen, um für andere zu kämpfen, und als Sold erhalten sie große Mengen Gold. Ihre Sprache ist beweglicher als alle anderen, wenn es darum geht, Gedanken und Dingen einen Namen zu geben.

Und doch wussten die Vorfahren der Achäer noch nichts vom "weinfarbenen Meer". Möglicherweise lebten sie auf weiten Steppen, wo Pferde trabten und Viehherden weideten; in den Lagern aus Zelten und Pferchen eines Nomadenvolkes; wo es hieß, nachts wach zu bleiben, sich abzuwechseln, um die Herden vor wilden Tieren und die Frauen und Kinder vor Räubern zu beschützen; wo man im Morgengrauen das erwachende Licht begrüßte. Die Vorfahren der Achäer waren auf jede Gefahr vorbereitet. Als sie ans Mittelmeer kamen, unterwarfen sie Städte, die lange Zeit von anderen Menschen bewohnt worden waren: schlank und dunkelhäutig, Menschen, die wussten, wie man Schiffe baute und hohe Paläste. Dorthin brachten sie ihre Götter mit und eine Stammesreligion, aufgebaut wie eine patriarchalische Familie: Zeus ist Vater, vor allem aber ein großer Erzeuger. Zeichen seiner Macht sind Donner und Blitz, in ihnen begleitet er sein Volk seit der Zeit, als es in der unendlichen Weite der Steppe lebte. Der Himmel und seine Erscheinungen entfalten sich dort mit ungehemmter Gewalt. Während der Mensch oft nicht mehr zu sein scheint als ein Zweig in der Gewalt der Winde. Auf ihrem Weg zum Mittelmeer begegneten den Vorfahren der Achäer andere Gottheiten. Vor allem eine Göttin, die bei den Menschen des Südens unter vielerlei Namen bekannt war: Hera, die göttliche Braut. Oder Gaia oder Rhea oder Demeter, die fruchtbare Erde - verschiedene Gesichter derselben weiblichen Kraft -, dunkel, allgegenwärtig und fähig, immer von Neuem Leben hervorzubringen, Bäume, Tiere, Menschen, Ernten. Sie begegneten ihr auch auf den von Sonne und Wind ausgedörrten Halbinseln, auf die sie sodann gelangten; dort wurde sie in Gestalt einer nackten Frau mit schwellendem fruchtbarem Leib und breiten Hüften dargestellt; man nannte sie pótnia , "Herrin". Alte und neue Götter mischten ihre Namen, aber ihr Wesen blieb, was es war. Die Vorfahren der Achäer erlegten den Besiegten manch einen ihrer alten Bräuche auf, doch auch diese lehrten die Eroberer vieles, was jene nicht kannten. Allem voran geschriebene Worte. Wie jenes Wort, mit dem eine Naturkraft bezeichnet wurde, ein Element, das die Achäer noch nie gesehen hatten: schaumbedecktes wogendes Wasser, durchpflügt vom Bug der Schiffe - thálassa , das offene Meer.

Von da an stapelten sich Schriftstücke in den königlichen Archiven der Achäer, eingeritzt auf Tontafeln, fein säuberlich geordnet. Die Schreiber verzeichneten darauf alles Erdenkliche, in einem Zeichensystem, das sie in jenen sonnenbeschienenen Gegenden, in die sie kamen, vorgefunden und auf ihre Sprache übertragen hatten. Wanaka: Herr; Atana: Athena; iereja: Priesterin; Diwonusos: Dionysos - Zeichen, die zu Lauten werden. Laute, die sich zu Wörtern formen. Zu allen Wörtern, die es eben braucht.

Eine prächtige Erfindung, um all das überblicken zu können, was ein König besaß: Wie viele Amphoren Wein und Öl, wie viele Maß Getreide füllten die Lagerhäuser? Wie viele Streitwagen musste jeder Bezirk stellen, wie viele Pferde und Rüstungen? Eine Erfindung, mit deren Hilfe Priester Listen von Opfergaben für ihren Tempel und für die einzelnen Gottheiten aufstellen konnten: Honig, Gerste und Wein für die Her

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen