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Ich & Emma von Flock, Elizabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.12.2012
  • Verlag: MIRA Taschenbuch
eBook (ePUB)
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Ich & Emma

Die achtjährige Carrie möchte nichts weiter als glücklich sein. Doch dieser Wunsch bleibt ihr verwehrt. Sie wird von ihrem Stiefvater misshandelt. Die Mutter, zu schwach, um sich zu wehren, schaut tatenlos zu. Immer mehr flüchtet sich Carrie in eine Welt, die sie nur noch mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Emma zu teilen scheint. Emma ist alles, was Carrie gern wäre: lebenslustig, ausgelassen, mutig, stark ... Sie verteidigt Carrie, wann immer es nötig ist. Bis sie selbst ein Opfer der väterlichen Gewalt wird und Carrie nur noch einen Weg sieht, um sich und ihre Schwester zu retten ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 07.12.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955761660
    Verlag: MIRA Taschenbuch
    Größe: 385 kBytes
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Ich & Emma

1. KAPITEL

A ls Richard mich zum ersten Mal schlug, habe ich wie bei einem Zeichentrickfilm Sternchen vor den Augen gesehen. Es war allerdings nur eine Ohrfeige - nicht wie bei Tommy Bucksmith, dessen Vater ihn so verprügelte, dass sein Kopf regelrecht vom Steinpflaster abprallte. Ich schätze, Richard wusste nichts von den Saltos, die ich früher mit meinem Daddy machte. Wir hielten uns an den Händen, ich kletterte seine Beine hoch bis kurz übers Knie, drückte mich ab und machte eine Rolle durch das Dreieck, das unsere Arme bildeten. Das war total lustig. Ich versuchte Richard zu zeigen, wie das funktionierte. In diesem Moment lernte ich allerdings, dass es besser war, Richard in Ruhe zu lassen. Seither versuche ich, so selten wie möglich zu Hause zu sein.

In einer Kleinstadt namens Toast kann man nicht verloren gehen. Ich weiß nicht, wie es woanders ist, aber bei uns sind alle Straßen danach benannt, was man dort vorfindet. Es gibt die Post Office Road und die Front Street, die direkt an den Vorderfronten der Ladengeschäfte vorbeiführt, die Back Street, eine Parallelstraße dahinter. Es gibt die New Church Road, obwohl die Kirche an deren Ende inzwischen nicht mehr neu ist. Dann die Brown's Farm Road, wo Hollis Brown mit seiner Familie lebt, und davor lebten andere Browns dort, die Mama kannte und nicht sonderlich mochte. Es gibt die Hilltop Road und sogar die Riverbend Road. Also egal wohin man will, die Straßenschilder zeigen einem den Weg. Ich wohne in der Murray Mill Road. Nun würde man vermuten, dass mein Nachname Murray ist, aber der ist Parker - Mr. Murray starb lange bevor wir hier einzogen. Wir haben in dem Haus nichts verändert: Der Weg von der Route 74 besteht einfach nur aus Gras, das in zwei geraden Streifen wächst, sodass die Autoreifen von ganz allein wissen, wo sie entlang müssen. Das Erste, was man sieht, wenn man bis sechzig gezählt hat, ist die Mühle am Teich, die von alten Pfählen abgestützt wird. An einen Baum ist ein Brett festgenagelt, darauf steht in abgeblätterten Buchstaben: Fischen am Sonntag verboten. An einer Wand der Mühle hängt noch ein altes Schild von Mr. Murray, auf dem man einen gemalten Hahn sieht, der folgende Worte kräht: Fütter Nutrena ... sicher, zuverlässig und günstig. Es ist nicht leicht, die Wörter zu entziffern, weil sich feiner roter Staub darüber gelegt hat. Aber den Hahn kann man noch ganz deutlich erkennen. Und an die Tür der Mühle ist ein Zettel geheftet: "Warnung: Es ist rechtswidrig, verdorbenes oder falsch gekennzeichnetes Getreide zu verkaufen, zu liefern oder zu lagern. Bei Zuwiderhandlung drohen 100 Dollar Bußgeld oder Gefängnis oder beides." Den Satz habe ich in mein Schulheft abgeschrieben.

"He!" Das Schulheft fliegt aus meiner Hand in den Schmutz.

"Wette, das haste nicht kommen seh'n!" Richard lacht mich aus, als ich auf dem Boden herumkrieche, um das Heft wieder aufzuheben, bevor er es ergattern kann. "Muss ja was ziemlich Wichtiges sein, so wie du's festhältst. Zeig mal." Und bevor ich auch nur einen Pieps sagen kann, reißt er es mir aus der Hand.

"Gib's mir zurück."

"Collie McGrath spricht wegen dem Froschvorfall nicht mehr mit mir ... was für ein Vorfall?" Er blickt von meinem Tagebuch hoch.

"Gib es zurück!" Aber als ich versuche, es zu ergreifen, schiebt er mich zur Seite, blättert die Seiten durch und fährt mit seinen schmutzigen Fingern die Zeilen entlang. "Wo steh' ich? Kann's gar nicht erwarten zu lesen, was du alles über mich schreibst. Hmm." Er blättert weiter. "Mama hier und Mama da. Jesus Christus, nix über deinen guten alten Dad?"

Er wirft es wieder auf den Boden, und ich muss verrückt sein, dass ich nicht warte, bis er gegangen ist, denn als ich mich danach bücke, stößt er mich mit seinem Stiefel in den Dreck.

"Da! Jetzt haste was, worüber du schreiben kannst!"

Ich lebe hier mit meinem Stiefvater Richard, meiner Mama und meiner Schwester E

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