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Ich bin zu alt für diesen Scheiß Roman von MacDonnell, Julia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.12.2014
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Ich bin zu alt für diesen Scheiß

Mimi Malloy, patent und frisch im Ruhestand, lebt gerne in den Tag hinein. Weder von ihren sechs Töchtern noch von ihren Schwestern lässt sie sich ins Leben reden. Schon gar nicht, wenn es darum geht, Frank Sinatra zu hören und Martinis zu genießen. Wären da nur nicht diese Aussetzer, kleine Erinnerungslöcher. Für Mimi ist das normal, schließlich wird sie alt, und wer sich zuviel erinnert, verschläft das Heute. Ihre Familie aber findet, es ist höchste Zeit, ein paar der dunklen Flecken in der Familiengeschichte aufzufüllen. Und noch während Mimi und ihre Töchter nachforschen, was denn damals wirklich mit Mimis frühverstorbener Schwester geschah, entdeckt sie, nur wer sich an die Liebe erinnert, kann sein Herz ein zweites Mal verlieren ...

Julia MacDonnells Erzählungen erschienen bereits in vielen Literaturmagazinen und ihre Geschichte "Soy Paco" war für den Pushcart Prize nominiert. Ihre journalistischen Texte wurden unter anderem im "The Boston Globe", "New York Daily News" und dem "Philadelphia Enquirer" veröffentlicht. Sie ist Professorin an der Rowan University und arbeitet als Redakteurin für "Philadelphia Stories". "Ich bin zu alt für diesen Scheiß" ist ihr erster Roman seit 20 Jahren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 05.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843709859
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2115kBytes
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Ich bin zu alt für diesen Scheiß

1. Too close for Comfort

Ich sitze am Tisch vor dem Fenster und sehe, ohne es zu wollen, zu, wie andere Hausbewohner, dick vermummt an diesem eisigen Morgen, zur Arbeit eilen - rennen, um den Bus noch zu erreichen, oder ihre Autos starten und dann auf dem Parkplatz warm laufen lassen, bevor sie in Büros, Geschäfte, Banken, Schulen, Krankenhäuser und wohin sonst noch aufbrechen, wie ich das selbst auch vor noch nicht allzu langer Zeit getan habe. Jetzt besteht meine einzige Arbeit darin, meine erste Tasse Maxwell House Master Blend zu trinken und eine True Blue zu rauchen, die ich mit dem letzten Streichholz aus dem Briefchen angezündet habe, das ich aus dem Supermarkt mitgenommen habe. Im Unterschied zur Szenerie vor meinen Augen genieße ich den ersten Zug, doch dann klingelt wie ein Alarm das Telefon. Ich sehe auf die Uhr. Kurz nach acht. Ich lasse es ein paarmal läuten. Es kann nur Cassandra sein, meine Erstgeborene. Um diese Zeit des Tages erstellt sie ihre Aufgabenliste, auf der ganz oben mein Name, mein Leben und darunter ihre Pläne stehen, wie sich dieses verbessern ließe.

"Mimi, morgen ist Haus der offenen Tür in Squantum River Living, diesem neuen Seniorenkomplex." Sie atmet schwer, als hätte sie gerade im Powerball-Lotto gewonnen, aber ich könnte Feuer spucken.

"Squantum River Living", wiederhole ich. Habe ich gerade im Patriot Ledger drüber gelesen, in einem extra Teil für Wohnen für Senioren. Außerdem hat sie mir die Broschüre schon geschickt.

"Das ist eine tolle neue Senioreneinrichtung, sogar subventioniert."

Ich schwöre, in solchen Momenten wirkt Cassandras Stimme wie ein Zahnbohrer auf mich.

"Lass uns hingehen. Das wird bestimmt lustig."

"Ich weiß bereits alles, was ich über diesen Ort wissen möchte."

Squantum River Living ist ein umweltfreundlich gebauter niedriger Gebäudekomplex mit drei Flügeln und Solarpanelen auf dem Dach. Drei Flügel. Welches Geschöpf hat schon drei Flügel? Ein Flügel ist für die sogenannten Aktiven, selbständig Wohnenden, der zweite für Wohnen im Übergang, will heißen für die, die schon einen Fuß im Grab haben, und der letzte ist für betreutes Wohnen, will heißen, man hilft dir nur zu gern, auch den anderen Fuß hineinzubringen. Und danach stelle ich mir vor, können sie dich gleich in dem Fluss entsorgen, der durch das Anwesen fließt. Squantum River. Ohne Wenn und Aber. Wenn du Glück hast, treibst du einfach davon.

"Squantum River Sterben, so hätten sie es nennen sollen."

"Du bist so negativ."

"Bin ich nicht!"

Mimis Zwangsräumung aus ihrer Wohnung: Das hat für Cassandra oberste Priorität, seit ich meinen Job als Angestellte im öffentlichen Dienst des VA -Krankenhauses drüben in Jamaica Plain verloren habe. Seit ich mit einem fixen Einkommen auskommen muss, fixiert kurz über der Armutsgrenze -genug, um über die Runden zu kommen, aber nicht genug, um dabei viel Spaß zu haben -, versucht Cassandra, mich hier rauszuholen.

"In ein paar Jahren wirst du bankrott sein."

"Meine Finanzlage geht dich gar nichts an."

"Wird es aber, wenn alles aufgebraucht ist."

"Kümmere du dich doch um deine eigenen Probleme", sage ich lauter als beabsichtigt, aber vielleicht kriegt sie es ja gar nicht mit.

Doch sie fängt zu schniefen an. Ich habe sie zum Weinen gebracht. Ich bin so grausam zu ihr, das ist eine meiner vielen Sünden, meiner Unzulänglichkeiten. Nicht, dass meine Wohnung so großartig wäre. Es sind nur drei Zimmer - nicht genug Platz für viele Besucher und schon gar nicht für ein Familienfest. Aber sie liegt in einer reizenden Gartenwohnanlage namens Centennial Square, direkt an der Innenstadt von Quincy. Meine Wohnung liegt etwas tiefer - Souterrain nennt man das wohl -, weshalb die Sicht nicht allzu gut ist, die Miete aber dafür billiger. Und ich habe auch viele Fenster. Die meines Wohnzimmers befinden sich in Brusthöhe. Hauptsächlich

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