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Idiopathie Ein Roman über Liebe, Narzissmus und kranke Kühe von Byers, Sam (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.05.2013
  • Verlag: Tropen
eBook (ePUB)
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Idiopathie

Nach der Rückkehr in ihren Heimatort hat die dauerzynische Katherine die Hoffnung, glücklich zu werden, längst aufgegeben. Die Dreißigjährige ist seit einem Jahr vom chronisch sensiblen Daniel getrennt, ständig auf der Suche nach neuen Affären und schwanger vom größten Hornochsen der Stadt. Der mimosenhafte Daniel hingegen versucht sein Glück in einer neuen Beziehung, in der sich alles um Esoterik, gesunde Ernährung und öde Liebesschwüre dreht. Das findet er so langweilig, dass er schon bald wieder anfängt, sich nach der nervigen Katherine zu sehnen. Dann taucht plötzlich ihr gemeinsamer Freund Nathan wieder auf, der ein Jahr lang auf Entziehungskur abgetaucht war. Mit seinen abstrusen Ideen rüttelt Nathan das Leben der drei ziemlich durcheinander. Sie raffen sich noch einmal auf, die Fehler ihrer Jugend auszubügeln. Und das hat auch mit ein paar kranken Kühen zu tun. Sam Byers geboren 1979, studierte Creative Writing an der East-Anglia-Universität in Ostengland. Er schreibt für mehrere renommierte Literatur- und Kunstzeitschriften. "Idiopathie" ist sein erster Roman, der sich in insgesamt zehn Länder verkauft hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 24.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608103571
    Verlag: Tropen
    Originaltitel: Idiopathy
    Größe: 3748 kBytes
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Idiopathie

V or relativ kurzer Zeit, bei einer Familienfeier mit Fraktionszwang , wie Katherines Mutter es nannte – Katherines Schwester hatte sich trotzdem gedrückt –, hatte Katherines Mutter einem Tisch voller Verwandter die Fotos aus ihrem Portemonnaie gezeigt. Die Verwandten waren größtenteils nicht mehr die Jüngsten, und dass sie sich immer wieder mit Begeisterung Familienfotos ansahen, war ein Phänomen, das Katherine nie verstanden hatte. Für sie sahen neunzig Prozent der Bilder (und der Verwandten) gleich aus. Ein grinsendes Kind glich dem anderen, eine Hochzeit war nicht von der vorhergehenden zu unterscheiden, und da ihre Familie meist an deprimierend naheliegenden Orten Urlaub machte, waren auch die dort entstandenen Schnappschüsse recht einheitlich. Während also die anderen Verwandten – Tante Joan und Onkel Dick mit ihrer seltsam ätherischen Tochter Isabel, dazu einige austauschbare Scheintote, an die Katherine sich dunkel erinnerte, ohne dass sie die Bekanntschaft mit ihnen hätte erneuern mögen – über den Fotos schnalzten und gurrten, wie man es vielleicht beim Anblick eines besonders appetitlich angerichteten Desserts tun würde, schwieg Katherine und ließ den Blick, wie so oft bei solchen Anlässen, stetig zwischen dem Gesicht ihrer Mutter und dem Zifferblatt ihrer Uhr hin und her wandern, wobei jedoch weder das eine noch das andere sie dahingehend beruhigen konnte, dass die Veranstaltung bald beendet sein würde.

Das Portemonnaie von Katherines Mutter war im Gegensatz zu ihren Händen glatt und neu, vor kurzem, wie Katherine zufällig wusste, bei Liberty erstanden, wo ihre Mutter regelmäßig ihre Mittel überzog.

"Was für eine schönes Portemonnaie", sagte eine entfernte Cousine, die offensichtlich wusste, dass jedes von Katherines Mutter präsentierte Accessoire mit mindestens einem Kompliment bedacht werden musste, weil es sonst unweigerlich in einem der Säcke landete, die sie mit beunruhigender Regelmäßigkeit in den Charity-Shop brachte. Hätten die Verwandten, dachte Katherine, in Bezug auf die Männer im Leben ihrer Mutter ein ähnliches Pflichtbewusstsein an den Tag gelegt, würde sie jetzt möglicherweise in ganz anderen Verhältnissen leben.

" Hinreißend , nicht wahr?", sagte sie erwartungsgemäß. "Von Liberty. Ein absolutes Schnäppchen. Da konnte ich einfach nicht widerstehen."

Die Fotos waren in erstaunlich gutem Zustand, wenn man bedachte, dass Katherines Mutter die meisten Gegenstände behandelte, als wären sie unverwüstlich, um später jedoch beim Anblick ihrer kläglichen Überreste untröstlich die grundsätzliche Minderwertigkeit heutiger Produkte zu beklagen.

"Seht euch die beiden an", sagte sie im selben Tonfall, in dem sie auch ihr Portemonnaie gerühmt hatte. "Sind sie nicht süß?"

Sie ließ das erste Foto herumgehen, eine passbildgroße Schwarzweißaufnahme von Katherines Schwester Hazel mit einem schlaffen kleinen Teddy im Arm. Mit seinen Kulleraugen und dem nicht vorhandenen Muskeltonus sah er aus, als stünde er unter Drogen, und ließ Hazel – so fand zumindest Katherine – wie eine vorpubertäre Kidnapperin erscheinen.

"Der Teddy hieß Bloot", sagte Katherines Mutter, während das Foto von Hand zu Hand ging. "Weiß der Himmel, warum. Einmal hat sie über ihn erbrochen, da mussten wir ihn in die Waschmaschine stecken, und seitdem war er so schlabberig. Von allen ihren Sachen gab's kein Stück, über das sie nicht irgendwann mal erbrochen hätte. Eine Konstitution wie ein Vögelchen, echt."

"Ein Jammer, da

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