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Im Dunkel der Vergangenheit von Lewis, Beverly (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2011
  • Verlag: Verlag der Francke-Buchhandlung
eBook (ePUB)
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Im Dunkel der Vergangenheit

Die Welt von Grace, der ältesten Tochter der amischen Familie Byler, ist zusammengebrochen. Vor Wochen schon hat ihre Mutter Lettie die Farm bei Nacht und Nebel verlassen und ist seitdem verschwunden. Wohin ist sie gegangen und warum? Grace ist erschüttert, aber fest entschlossen, ihre Mutter zu finden und das Geheimnis zu lüften. Die Situation wird nicht gerade einfacher, als Grace verwundert entdeckt, dass Yonnie Bontrager um sie wirbt, in den doch eigentlich ihre beste Freundin Becky verliebt ist. Erst als Heather, eine junge Englische, nach Bird-in-Hand kommt, beginnen sich die Mosaiksteinchen zu einem Bild zusammenzufügen, das einen deutlicheren Blick auf die 'Familiengeheimnisse' gewährt ... Beverly Marie Jones wurde 1949 im Herzen des Amisch-Landes, in Lancaster, Pennsylvania, geboren. Sie ist Lehrerein und Schriftstellerin und hat in Amerika über 50 Bücher veröffentlicht, darunter viele Kinderbücher. Mit ihrem Mann Dave, der ihr Herausgeber und Literaturagent ist, hat sie 3 erwachsene Kinder. Gemeinsam leben die beiden in den Ausläufern der Rocky Mountains in Colorado/USA.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.07.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783868279221
    Verlag: Verlag der Francke-Buchhandlung
    Originaltitel: The Missing
    Größe: 509 kBytes
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Im Dunkel der Vergangenheit

Kapitel 1

Adah Esh schlüpfte aus ihrem warmen Bett, nachdem sie länger als gewöhnlich geschlafen hatte. In der Stille des frühen Morgens schlich sie auf Zehenspitzen zum Ende des Gangs in das Zimmer, das sie als Nähzimmer benutzte. Das gemütliche Zimmer im ersten Stockwerk hatte zwei Fenster, die nach Nordosten hinausgingen. Adah zog die dunkelgrüne Jalousie nach oben und schaute auf die Weite der Felder und Wiesen und des Himmels hinaus. Feine, gelbe Strahlen spannten sich bereits wie ein großer Fächer über den Rand des Horizonts.

Seit Lettie vor fast einem Monat weggegangen war, fühlte sich Adah getrieben, hierherzukommen und den neuen Tag und alles, was er bringen würde, Gott hinzulegen. Diese Gewohnheit, den Tag in Gottes Hände zu legen, hatte sie bei Lettie beobachtet, die als Jugendliche den Tag immer an ihrem Schlafzimmerfenster begonnen hatte. Manchmal waren ihre Schultern unter dem Geheimnis, das sie schwer belastete, gebeugt gewesen. An anderen Tagen hatte Adah gesehen, wie sie sich nahe an die Glasscheibe gedrückt hatte, als suche sie in der Herrlichkeit der Morgendämmerung Trost.

An den Tagen, an denen ihre Tochter bereit gewesen war, mit ihr zu sprechen, hatte Lettie manchmal zur Windmühle der Nachbarn auf der anderen Seite des Feldes gedeutet, auf der sich die Sonnenstrahlen widergespiegelt hatten. "Es ist wie ein Geschenk", hatte sie dann gesagt, als klammerte sie sich an alles, was das Leben ein wenig schöner machte. Als wäre sie für jede Kleinigkeit dankbar, die ihren Blick für einen Moment von ihrer Trauer ablenkte. Und von ihrer Schande.

Adahs Herz litt erneut unter dem alten Schmerz, den es ihr bereitet hatte, als sie herausfand, dass ihre junge Lettie schwanger war, - und dann ausgerechnet von dem jungen Mann, den sie und Jakob überhaupt nicht mochten. Die arme Lettie war so deprimiert gewesen, dass weder Adah noch sonst jemand sie aufmuntern konnten. Wie ein gefangener, kleiner Vogel in einem Käfig. So hatte Lattie an ihrer Fensterscheibe gestanden und geweint.

Aber bis vor Kurzem hatte es so ausgesehen, als gehörten jene dunklen, traurigen Tage der Vergangenheit an. Adah verachtete Samuel Graber nicht mehr, weil er ihre Tochter so verletzt hatte. Und sie machte Lettie auch keinen Vorwurf mehr daraus, dass sie sich in ihn verliebt und sich von ihm zu einer Sünde hatte hinreißen lassen. Sie hatte auch nie den Säugling vergessen, den Lettie auf ihren Druck hin weggegeben hatte. Adahs eigenes Enkelkind. Ebenso wenig konnte sie die Adoption vergessen, die gleich nach der Geburt in die Wege geleitet worden war.

Jetzt legte Adah die Hand auf das Fensterbrett des großen zweistöckigen Hauses ihres Schwiegersohnes Judah. Sie vertraute den neuen Tag dem allmächtigen Gott an, der ihn geschaffen hatte. Dem Gott, der Lettie kannte und der sie sah, wo auch immer sie sich gerade aufhielt.

Der Blick aus diesem Fenster gefiel Adah besonders gut, auch wenn er ganz anders war als der Blick aus dem Haus, in dem Jakob und sie früher gewohnt hatten. Vor einigen Jahren hatten sie ihr Haus ihrem jüngsten verheirateten Sohn Ethan und seiner Frau Hannah übergeben. Adah war damit zufrieden, den Herbst ihres Lebens unter dem Dach von Letties Mann zu verbringen. Wenn nur Lettie auch hier wäre! Oh Herr, lass es doch bald wieder so sein!

Sie trat näher ans Fenster und schaute zu, wie die Erde zum Leben erwachte. Der neue Tag wurde von der Sonne beschienen. In Bird-in-Hand herrschte bereits reges Leben. Die Bauern und ihre Maultiergespanne arbeiteten schon auf den Feldern. Ihr Jakob würde bald aufwachen, und sie würde sich von ihren schwermütigen Gedanken losreißen, zu ihm gehen und sein altes, wettergegerbtes Gesicht küssen. Dann würden sie sich anziehen und, wenn ihre Enkelinnen sie an den Tisch riefen, auf dem Lettie immer ein großzügiges Essen bereithielt, nach unten zum Frühstück gehen. Diese Aufgabe hatte jetzt die pflichtbewusste Grace übern

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