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Im Garten der Wale Roman von Reber, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.02.2015
  • Verlag: Elster Verlag
eBook (ePUB)
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Im Garten der Wale

Als es die irische Meeresbiologin und Umweltschützerin Orla auf eine einsame Insel im Atlantik verschlägt, beginnt für sie eine Robinsonade mit unabsehbaren Folgen. Familie und Bekannte verlieren jede Hoffnung, weil sie vermuten, Orla sei ertrunken. Einzig ihr Freund, der Gärtner Manfred, glaubt, dass Orla ihr Leben nicht verloren hat. Sabine Reber zeigt in atmosphärisch dichten Schilderungen, wie das Meer mit seinen abrupten klimatischen und metereologischen Veränderungen den Menschen zum Objekt der Natur werden lässt. Während Manfred auf Orla wartet, gestaltet er mit großer Kunst einen neuen Garten, in fester Hoffnung, sie werde wieder lebendig auftauchen. Wird sie wiederkehren?

Sabine Reber ( 1970 in Bern) studierte in Fribourg Journalistik und Kommunikationswissenschaft. Von 1996 bis 2004 lebte sie in Irland. Sie ist vor allem durch ihre Gartenkolumnen und ihre Gartenbücher in Deutschland und in der Schweiz bekannt geworden. Gegenwärtig lebt sie in Biel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 27.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783906065885
    Verlag: Elster Verlag
    Größe: 449 kBytes
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Im Garten der Wale

1
Das Meer ist grau

Windböen der Stärke acht fegten über den Atlantik. Die F ASTAKAST kämpfte sich durch meterhohe Wellenberge. Nebelschwaden zogen vorbei. Regen und Gischt peitschten auf das Arbeitsdeck und wuschen das Blut weg, das aus den Köpfen der Orcas sickerte. Sie lagen auf einem Haufen am Bug. Es waren drei Muttertiere und fünf Junge gewesen. Sechzehn Augen starrten ins Leere. Orla hätte sie gerne zugedrückt, aber Wale haben keine Lider. Sie hören nicht einmal im Tod auf, einen anzuschauen.

Eydur Poulsen hatte die Körper der Schwertwale über Bord werfen lassen, nachdem er die Steaks mit einem Fleischmesser aus den Flanken der Jungtiere herausgeschnitten hatte. Das Fleisch war in den Kühlraum gebracht worden. Orla war an die Reling gebunden.

"Mörder, Mörder!", schrie sie und zerrte an ihren Fesseln. Sie wehrte sich nach Leibeskräften, aber es war vergeblich. Eydur, der sie im allgemeinen Blutrausch vergessen hatte, stürzte sich auf sie. Er schlug auf Orla ein, bis sie wieder verstummte. Dann band er sie los, schleppte sie die Treppe hoch und warf sie in die Notfallkajüte, die zwischen seiner und der Kajüte des ersten Maats lag. Er schloss die Tür von außen ab und setzte sich zu seiner Mannschaft, um die gelungene Jagd zu begießen.

Duncan Gray war froh, die Nachtschicht im Steuerhaus übernehmen zu können. Wodka konnte er nicht ausstehen. Und er würde auch kein Walfleisch essen. Aber er wollte sich dafür nicht rechtfertigen müssen. Er brauchte Zeit zum Nachdenken. Einerseits war die Aktion ein Volltreffer. Sie hatten die Walfänger auf frischer Tat ertappt. Andererseits hatten sie keine Beweise. Seine Kamera lag im Seesack in der Kajüte, und er hätte das Steuerhaus unmöglich verlassen können, ohne Verdacht zu erregen.

Duncan hatte keinen Zweifel daran, dass sich sowohl Orla wie auch er selbst in großer Gefahr befanden. Ein Bericht über die Grindwaljagd auf den Färöern, den er im Fernsehen gesehen hatte, ging ihm durch den Kopf. Die Tiere waren von kleinen Booten in eine Hafenbucht getrieben worden. Tierschützer hatten die Zufahrtsstraßen blockiert, aber die erbosten Walfänger waren mit Gaffhaken auf die jungen Leute losgegangen; es hatte Verletzte gegeben. Und Duncan wusste von Aktivisten, denen dieselben Walfänger noch monatelang mit Mord gedroht hatten.

Eines war ihm klar: Sowohl Orla wie auch er selbst selbst mussten baldmöglichst von Bord gehen. Duncan überlegte, ob er die Polizei alarmieren sollte. Aber es konnte eine Weile dauern, bis deren Boot eintraf. Und wie sollte er sich wehren, wenn er vorher in Verdacht geriet? Er fragte sich, ob sie eine der aufblasbaren Rettungsinseln über Bord werfen und beide darin fliehen sollten. Aber dann hatten sie noch immer keine Beweise. Schließlich sah er nur eine Möglichkeit: Zuerst musste Orla in Sicherheit gebracht werden. Danach konnte er fotografieren, was von dem Gemetzel übrig war: die Köpfe der Orcas, die noch immer an Deck lagen, das Fleisch im Kühlraum und die blutverschmierten Waffen. Wenn er damit fertig war, würde er Alarm schlagen. Traf die Polizei ein, solange die Mannschaft noch schlief, bliebe er an Bord und sähe zu, wie Kapitän Eydur festgenommen wurde. Falls vorher jemand aufwachte und die Situation brenzlig wurde, konnte er immer noch versuchen, in einer Rettungsinsel zu entkommen. Aber zuerst musste er Orla befreien. Und er musste vorsichtig sein; niemand durfte auf die Idee kommen, dass er und Orla sich schon kannten, bevor sie an Bord gingen. Mit ruhiger Hand steuerte er die F ASTAKAST durch die aufgewühlte See und überlegte, ob der Plan funktionieren könnte.

Stunden später kam Sigurd zu Duncan auf die Brücke. Er ließ sich in den zweiten Steuerstuhl fallen und erzählte mit lallender Stimme von der Party unter Deck und vom saftigsten Steak des Jahrzehnts. Duncan tat, als höre er ihm interessiert zu und überlegte sich, was er am besten antwortete. Aber Sig

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