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Im Hotel Roman von Smith, Ali (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.02.2016
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
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Im Hotel

In einem alten Hotel in einer schottischen Stadt treffen fünf sehr unterschiedliche Frauen aufeinander: die Journalistin Penny, die im Hotel übernachtet, die warmherzige Rezeptionistin Lise, die Obdachlose Else, die vor dem Hotel bettelt, und die junge Clare, die herausfinden will, was mit ihrer Schwester Sara wirklich passiert ist. Denn das fünfte weibliche Wesen, um das es hier geht, ist der Geist des Zimmermädchens Sara, das vor kurzem im Hotel verunglückt ist, und dieser Geist versucht starrsinnig, am Leben festzuhalten, was diese eine Nacht für alle fünf Frauen zu einer ganz besonderen macht ... Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und zahlreiche Preise erhalten. Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature und wurde 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Ihr Roman "Beides sein" wurde 2014 ausgezeichnet mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award, dem Goldsmiths Prize und 2015 mit dem Baileys Women's Prize for Fiction. Mit "Herbst" kam die Autorin 2017 zum vierten Mal auf die Shortlist des Man Booker Prize sowie auf Platz 6 der SWR-Bestenliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 29.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641197155
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Originaltitel: Hotel World
    Größe: 1316 kBytes
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Im Hotel

Vergangenheit

Aaaa -

ahhh was für ein Fall was für ein Flug was für ein Schwung was für eine Schwere was für ein Sturz ins Dunkel ins Licht was für ein Hinab was für ein Gleiten Poltern Krachen was für ein Segeln was für ein Schreck was für ein irres Gekreisch was für ein Knall-auf-Fall was für ein Hall was für ein Herz in meinem Mund was für ein Ende.

Was für ein Leben.

Was für eine Zeit.

Was ich fühlte. Da. Hin.

Dies ist die Geschichte, sie fängt am Ende an. Es war Hochsommer, als ich fiel; die Blätter waren an den Bäumen. Jetzt ist tiefer Winter (die Blätter sind schon lange ab), und das ist sie, meine letzte Nacht, und heute nacht wünsche ich mir nichts sehnlicher, als einen Stein im Schuh zu haben. Über das Pflaster hier vor dem Hotel zu gehen und beim Gehen einen Stein in meinem Schuh kullern zu spüren, einen kleinen spitzen Stein. Der drückt sich an verschiedenen Stellen in die Fußsohle, und es tut gerade so weh, daß es noch eine Lust ist, wie das Kratzen einer juckenden Stelle. Stellen Sie sich vor: Irgendwo juckt es. Stellen Sie sich vor: ein Fuß, darunter Straßenpflaster und ein Stein, und den drücke ich mit meinem ganzen Gewicht fest in die Haut meiner Fußsohle oder gegen die Knochen der größeren Zehen oder der kleineren Zehen oder die innere Wölbung des Fußes oder die Ferse oder den kleinen, ballrunden Muskel, der den Körper aufrecht und im Gleichgewicht und in Bewegung hält über der atemberaubend reglos-festen Oberfläche der Welt.

Denn jetzt, wo es mir den Atem genommen hat, könnte man sagen, fehlt mir so ein Jucken stets und ständig. Sehne ich mich nach nichts anderem. Ich mache mir endlos Gedanken über Kleinigkeiten, um die ich mich nie geschert hätte, nicht für einen Moment, als ich noch am Leben war. Zum Beispiel, damit die Seele Ruh hat, über meinen Sturz. Wie lange hat der gedauert, wie lange ganz genau? Das wüßte ich zu gern, und ich würde das sofort wieder machen, vorausgesetzt, ich hätte Gelegenheit dazu, bekäme sie, die Gelegenheit, das Geschenk von einer Minute Leben, sechzig vollen Sekunden, so vielen. Ich würde es wieder tun, bekäme ich nur einen Teil davon geschenkt, und wieder mit meinem vollen Gewicht dahinter, wenn ich könnte (und diesmal würde ich mich absichtlich runterstürzen aaaa -

ahhh, und diesmal würde ich beim Fliegen zählen, einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwa-ahhh), wenn ich ihn noch einmal spüren könnte, den Aufschlag, unten, von vier Stock weiter oben. Vom Kopf bis zu den Zehen: tot. Totes Bein. Toter Arm. Tote Hand. Totes Auge. Tot ich, vier Etagen zwischen mir und der Welt, mehr war nicht nötig, um mich fortzunehmen, das ist das Maß, die Strecke bis zum Tod, das kurze Wiederse -.

Ziemlich hohe Räume, großzügig, ziemlich vornehm. Niemand könnte behaupten, ich hätte keinen feinen Abgang gehabt; die Zimmer waren neu und geschmackvoll ausgestattet mit guten harten, teuren Betten, mit Stuck an den Wänden im ersten und im zweiten und mit einem breiten imposanten Treppenhaus, an dessen Rückseite ich hinabfiel. Einundzwanzig Treppenstufen zwischen den Stockwerken und sechzehn bis ins Kellergeschoß: ich fiel sie alle. Ein ganz schönes Stück von einem dicken Teppich eine Etage weiter oben zum anderen dicken Teppich eine Etage weiter unten, obwohl der Boden im Keller ja Stein ist (die blanke Härte, wie ich weiß) und der Fall kurz war, weniger als eine ganze glorreiche Sekunde pro Etage, meiner Schätzung nach, jetzt, so lange nach dem Schluß-Aus. Das war was! Der Fall. Das Gefühl. Das Auf-und-Los; der Flug bis zum bitteren Ende, ganz bis runter in den Staub.

Staub schmecken, das wär was. Man fände ja jederzeit welchen, nicht wahr, zu jeder beliebigen Zeit, wenn man das wollte, in Zimmerecken, unter den Betten, oben auf den Türkanten: zusammengerollte Haare und getrocknete Fitzel, Flöckchen von was, das mal Haut

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