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Im Land der goldenen Hoffnung Roman von Nicholls, Johanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.12.2017
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Im Land der goldenen Hoffnung

Australien 1901: Die mutige junge Kunstreiterin Clytie reist mit einem kleinen Wanderzirkus durch das Land. Obwohl sie die Manege liebt, sehnt sie sich auch nach einem Ort, an dem sie Wurzeln schlagen kann. Eines Tages rückt eine unerwartete Begegnung ihren Traum in greifbare Nähe. Der faszinierende Abenteurer Rom Delaney holt den Zirkus in die Goldgräberstadt "Hope", und Clytie verliebt sich in den jungen Mann wie in den geheimnisvollen Ort im Herzen des australischen Buschs. Doch dann zieht es Rom in den Krieg nach Südafrika. Und als ein dunkles Geheimnis, das auf der Stadt lastet, ans Licht tritt, ist Clyties Zukunft erneut in Gefahr ... Johanna Nicholls studierte in Sydney und hat als Journalistin in London sowie als Produzentin und Redakteurin für das australische Fernsehen gearbeitet. Sie bewundert die Werke von Shakespeare, Goethe und Tolstoi genauso wie Margaret Mitchells "Vom Winde verweht" oder Jane Austens "Stolz und Vorurteil". Mit ihrem ersten Roman "Die Blüte des Eukalyptus", für den sie intensive historische Recherchen betrieb, erfüllte sie sich einen Lebenstraum: den Wunsch, Autorin zu werden und eine große Australiensaga zu schreiben. Seither hat sie weitere erfolgreiche historische Australienromane veröffentlicht. Johanna Nicholls lebt in einem Haus aus dem 19. Jahrhundert in einem Vorort von Sydney, wo sie an ihrem nächsten Roman arbeitet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 768
    Erscheinungsdatum: 18.12.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641208448
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Golden Hope
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Im Land der goldenen Hoffnung

1

Victoria, Australien, Februar 1901

S ie folgten der Straße nach Ballarat wie dem Weg auf einer Schatzkarte zu einem unbekannten Ziel. Sie wand sich durch ein Wäldchen aus uralten Eukalyptusbäumen, in das kürzlich ein Buschbrand eine verheerende Schneise gerissen hatte. Links und rechts der Straße breitete sich offenes verkohltes Buschland aus, auf dem wie durch ein Wunder bereits wieder frisches Grün zwischen den verkohlten Resten der Stämme hervorlugte wie die Auferstehung des sprichwörtlichen Phönix aus der Asche.

Clytie hielt dies für ein gutes Zeichen. Vielleicht würde die kleine Zirkustruppe doch überleben.

Sie waren die Einzigen, die auf dieser einsamen Straße unterwegs waren, hinein ins Herz des Gold Triangle , des Goldenen Dreiecks. Die knallbunten Wagen des Zirkus Wildebrand boten in dieser Einöde einen kuriosen Anblick. Als wollten sie sagen: Seht her, die Straße gehört uns! Wir kommen zu euch, nach Ballarat, Bendigo - und wo auch immer wir auftreten, wir werden euch verzaubern!

D ie Sonne brannte heiß vom Himmel, und Clytie schwit zte in ihrem dünnen Knabenhemd und der einfachen Latzhose, die sie immer trug, wenn sie mit dem Zirkuszug unterwegs waren. Sie saß neben ihrer Mutter auf dem Kutschbock.

Der heiße Wind zerrte an ihrer Schottenmütze, unter der sie ihr fülliges Haar verbarg. Er fuhr auch in die Ziehharmonikafalten der Landkarte, die sie auf dem Schoß hielt und deren eines Ende sie unter einen Fuß geklemmt hatte, während sie mit der anderen Hand kutschierte.

Ihre Mutter Dolores hatte sich in Seidentücher eingemummt, wie in eine Art Sari, denn sie hatte eine sehr helle, empfindliche Haut und bekam leicht Sommersprossen. Rote Staubwolken wallten unter den Rädern der Waggons auf und reizten zusätzlich.

"Mama, ein paar Sommersprossen bringen dich schon nicht um", neckte Clytie ihre Mutter.

"Du hast leicht reden."

Clytie war froh, dass sie mit einem etwas dunkleren, olivbraunen Teint geboren worden war und nicht mit der milch weißen Haut ihrer Mutter. Sommersprossen bekam sie nie.

"War mein Vater auch eher ein dunkler Typ?", wollte Clytie wissen. Sie kannte ihren Vater nicht, und ihre Mutter hatte sich bis jetzt geweigert, seine Identität preiszugeben.

Die Ältere schüttelte den Kopf. "Du gibst wohl nie auf, was, Mädel? Und pass auf, wo du hinfährst. Leg doch die Karte weg! Wozu brauchst du 'ne Karte? Wir befinden uns in einem Konvoi."

Dolores' Stimme war sanft und begütigend. Sie verlor fast nie die Beherrschung, aber wenn es geschah, wusste selbst Clytie, dass man besser in Deckung ging. Immerhin berief sich ihre Mutter auf "heißblütige spanische Vorfahren".

"Ich weiß eben gern, wo ich hinfahre, Mama. Ich folge nicht blindlings einem Führer."

"Pass bloß auf, dass Vlad das nicht hört."

In der Zirkustruppe galt Vlad als Clyties Stiefvater, aber es ging ihr gehörig gegen den Strich, als Tochter des Messerwerfers bezeichnet zu werden. Immer wenn Dolores bei Vlad im Wagen übernachtete und nicht in ihrem und Clyties, musste sich Clytie die Ohren zuhalten, weil sie das Weinen und die Schreie ihrer Mutter nicht ertrug. Sie vermutete seit Langem, dass ihre Mutter blaue Flecken und Blutergüsse vor ihr verbarg.

"Ich hab keine Angst vor Vlad, Mama. Aber ich kann verstehen, dass es nicht leicht ist, sich mit einem Mann anzulegen, der erst zuschlägt und dann fragt."

"Das reicht, Clytie! Ich werde schon allein mit ihm fertig, klar? Und vergiss eins nicht: Wir sind von ihm abhängig."

Clytie widmete sich wieder ihrer Landkarte. Geelong lag nun weit hinter ihnen, das hübsche grüne Städtchen, in dem sie zuletzt aufgetreten waren. Die Abschlussvorstellung war leider vom zunehmenden Konflikt der Artisten mit ihrem neuen Direktor überschattet worden, der sich nicht gern in die Karten schaue

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