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Im Land der Weihnachtssterne Roman von Thannbach, Lea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.09.2020
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Im Land der Weihnachtssterne

Nach einer wahren Geschichte: die Entdeckung des Weihnachtssterns


1910: Felizitas' Familie beschließt, nach Kalifornien auszuwandern, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Im Land der Sonne angekommen, erwartet Felizitas die raue und zugleich wunderschöne Natur des amerikanischen Westens. Nicht alle sind von den Neuankömmlingen begeistert: Der Farmerssohn Philipp hält Felizitas für eine 'Gewächshauspflanze', die nicht für das spröde Land gemacht ist. Doch Felizitas blüht in der neuen Umgebung regelrecht auf, und das bleibt auch Philipp nicht verborgen. Auf einem gemeinsamen Ausritt entdecken die beiden wunderschöne wilde Blumen. Sie entscheiden, die unbekannte Pflanze anzubauen - nichtsahnend, dass sie kurz davor sind, die prachtvollste Weihnachtspflanze der Welt zu züchten.
Eine junge Frau begibt sich auf das Abenteuer ihres Lebens - und findet das Glück

Lea Thannbach, geboren 1991, wuchs in der Nähe von München auf. Sie studierte Journalistik an der Universität Eichstätt, war Mitglied der Drehbuchwerkstatt 'Toptalente' und wurde für das 'First Movie Plus'-Programm des Filmzentrums Bayern ausgewählt. Neben dem Schreiben gilt ihre Leidenschaft dem Reisen in ferne Länder, wo sie oft Inspirationen für neue Geschichten findet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 28.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843723961
    Verlag: Ullstein
    Größe: 3681 kBytes
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Im Land der Weihnachtssterne

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3. Dezember 2005
9 Tage bis zum Poinsettia-Day

Stella war Tausende von Metern über dem Boden. Zwölftausendachthundertfünfzig Meter, um genau zu sein, wie der Kapitän des Flugzeugs eben durchgesagt hatte. Mit Zahlen hatte Stella noch nie etwas anfangen können, und zwölftausend Meter konnte sie sich nicht ansatzweise vorstellen. Sie wusste nur, dass das verdammt hoch oben war. Was jedoch keinen der anderen Fluggäste zu beeindrucken schien. Ohne auch nur ein einziges Mal aufzusehen, tippte der Mann im Anzug neben ihr seit Stunden auf den Tasten seines Reiselaptops herum. Und die zwei hübschen Frauen in der Reihe vor ihr mit den glänzend lackierten Fingernägeln steckten immer wieder ihre Köpfe zusammen und kicherten vergnügt.

Stella hatte versucht zu schlafen. Hatte versucht, sich abzulenken. Erst mit dem Rolling-Stones-Album, das sie sich für den langen Flug von ihrem mehr oder weniger letzten Geld geleistet hatte, dann mit einer Graphic Novel über Frida Kahlo. Und zu guter Letzt sogar mit dem Bordmagazin der Airline. Aber nichts half. Denn eigentlich ging es gar nicht um die zwölftausendachthundertfünfzig Höhenmeter. Es ging um die Erinnerungen, die sie jedes Mal hinterhältig überfielen, wenn Stella es am wenigsten erwartete. Zum Beispiel die Erinnerung an die Legende der Weihnachtsblume, die ihre Mutter ihr jedes Jahr an Heiligabend erzählt hatte, als Stella noch ein kleines Kind gewesen war.

Eine eiskalte Faust schloss sich um ihr Herz. Noch immer waren Tränen übrig, was eigentlich kaum möglich war, denn seit zwei Wochen hatte Stella nur geweint und kaum Flüssigkeit zu sich genommen. Vor Mister Anzug (so nannte sie ihn insgeheim) wollte sie sich nicht so jämmerlich zeigen, denn der hatte eben schon miesepetrig geguckt, als sie nur Musik gehört hatte. Also wischte sie sich unauffällig die Tränen von den Wangen und fragte ihn, ob er kurz aufstehen könne, sie müsse sich frischmachen.

Das Gesicht, das ihr der Spiegel in der engen Flugzeugtoilette zeigte ... das war doch nicht ihres. Sie sah ein blasses Mädchen mit rot geschwollenen Augen und dunklen Ringen darunter. Wo war ihr Dauerlächeln? Der Stella-Zauber, so hatte Andreas ihr Lächeln genannt. Wenn du lächelst, kann ich nicht mehr ohne dich sein.

Konnte er doch. Immerhin hatte er eine Frau und zwei Kinder, wie Stella herausgefunden hatte.

Aber nicht einmal das war jetzt noch wichtig.

Wo hast du denn deine Sommersprossen gelassen?, hörte sie die warme, starke Stimme ihrer Mutter sagen.

Stella wischte sich die dunklen Ränder ihrer verlaufenen Wimperntusche unter den müden, grünbraunen Augen fort und kühlte ihre Wangen mit den feuchten Händen. Die Klinke der Flugzeugtoilette wurde nach unten gedrückt. »Einen Moment noch!«, rief sie.

Aus der Innenseite ihrer Baseballjacke zog sie das inzwischen leicht geknitterte Kuvert. Lizzy Licht stand mit goldener Tinte darauf geschrieben. California, Laguna Beach. In dem Kuvert steckte eine Einladungskarte für den alljährlichen Poinsettia-Ball.

Ihre Mutter Inge war Gärtnerin gewesen, deshalb kannte Stella sich gut mit Pflanzen aus und wusste, dass »Poinsettia« ein anderer Name für Weihnachtsstern war. Weihnachtssterne waren die Lieblingspflanzen ihrer Mutter gewesen.

»Wer bist du nur, Lizzy Licht?«, murmelte Stella leise. »Warum feierst du diesen Ball und schickst meiner Mutter eine Einladung?«

Es war doch erst zwei Wochen her, dass sie gemeinsam in der Gärtnerei die Weihnachtssterne für dieses Jahr hergerichtet hatten! Es konnte nicht wahr sein, dass ihre Mutter so plötzlich nicht mehr da sein sollte ...

Erneut stürzten die Erinnerungen auf sie ein.

Das Foto.

Der Brief.

Der Schneesturm. Weiße Luft. Flocken, die aus allen Richtungen zu kommen scheinen, sogar von unten.

Dann ein blaues Licht in all dem We

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