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Im Namen meiner Kinder Roman von Anam, Tahmima (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2011
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Im Namen meiner Kinder

In ihrem vielfach ausgezeichneten, bereits in mehr als 20 Sprachen übersetzten Roman erzählt Tahmima Anam die Geschichte einer Familie: eine Geschichte von Liebe und Revolution, von Glaube, Hoffnung und unerwartetem Heldentum. Im Chaos des Krieges in Bangladesch muß jeder wählen, zu welcher Seite er gehören will. Rehana Haque hat zunächst nur ein Ziel: ihre Kinder zu retten. Und schließlich muß auch sie eine schwere Entscheidung treffen. Dhaka, Ostpakistan, am Vorabend des Unabhängigkeitskrieges. Rehana Haque ist glücklich: Wie jedes Jahr feiert sie die Rückkehr ihrer Kinder Maja und Sohail, die sie nach dem Tod ihres Mannes zu verlieren fürchtete. Im Garten ihres Hauses blühen die Rosen, ihr Spezialgericht Biryani ist gelungen, die Kinder, bald erwachsen, sind noch immer der Mittelpunkt ihres Lebens und erwidern die Liebe der Mutter respektvoll und zärtlich. Doch in der Stadt brodelt es. Der bengalische Oppositionsführer Mujib hat die Wahl gewonnen, aber die pakistanische Regierung weigert sich, ihn anzuerkennen. Aufruhr liegt in der Luft. Maja und Sohail, die in der Studentenbewegung für die Unabhängigkeit engagiert sind, zieht es zu ihren Freunden. Doch keiner von Rehanas Gästen ahnt, was folgen wird. Der Freiheitskampf in Bangladesch wird von Pakistan unfaßbar grausam unterdrückt. Und das Leben von Rehana und ihrer Familie wird von Grund auf erschüttert werden.

Tahmima Anam, 1975 in Dhaka in Bangladesch geboren, wuchs in Paris, New York und Bangkok auf, studierte an der Harvard University und lebt in London. Ihr von der Presse vielbeachteter Erstling Zeit der Verheißungen (A Golden Age) war ein großer internationaler Erfolg: "(...) nicht nur ein spannender historischer Roman, sondern auch ein üppig angerichtetes Bollywood-Drama."

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 326
    Erscheinungsdatum: 21.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458765509
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: A Golden Age
    Größe: 1623kBytes
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Im Namen meiner Kinder

März 1959

Prolog

Mein lieber Mann,

heute habe ich unsere Kinder verloren.

Gegenüber vom Gerichtsgebäude, im Khan Brothers Variety Store and Confectioners, kaufte Rehana zwei Drachen, einen roten und einen blauen. Der Mann hinter dem Ladentisch verpackte sie mit braunem Papier und Bindfaden. Rehana klemmte die beiden Pakete unter den Arm und winkte sich eine Fahrradrikscha heran. Beim Einsteigen sah sie, wie der Rechtsanwalt auf sie zugerannt kam.

"Mrs. Haque, es tut mir so leid." Es klang aufrichtig.

Rehana brachte es nicht über sich zu sagen, es sei nicht so schlimm.

"Sie müssen Geld auftreiben. Anders wird es nicht gehen. Treiben Sie Geld auf, und dann versuchen wir es noch einmal. Diese Klötze bewegen sich nur mit ein bißchen Schmiere."

Geld. Rehana setzte sich in die Rikscha und klappte das Verdeck über ihren Kopf. "Dhanmondi", sagte sie mit zittriger Stimme. "Road Nummer fünf."

Als sie nach Hause kam, saßen die Kinder nebeneinander auf dem Sofa. Mayas Füße hingen in der Luft. Sohail starrte auf seine Handflächen und zählte die feinen Fältchen. Als er Rehana sah, lächelte er, sprang aber nicht auf und schrie auch nicht laut heraus wie Maya: "Ammu! Wo warst du denn bloß so lange?"

Rehana hielt es für unklug, vor den Kindern zu weinen, weswegen sie sich in der Rikscha ausgeweint hatte, mit Schluchzern, die sie so schüttelten, daß sie sich an dem schmalen Rahmen des Sitzes festhalten mußte und den Mund zu einem laut klagenden O aufriß. Der Rikschafahrer hatte sich nach ihr umgedreht und gefragt, ob sie anhalten und ein Glas Wasser trinken wolle. Es klang, als sei er ernstlich besorgt. Rehana hatte noch nie Wasser vom Straßenrand getrunken. Sie hatte stumm den Kopf geschüttelt und sich gefragt, ob er wohl Kinder hatte, ein Gedanke, bei dem sie den Kopf an das Rikschaverdeck lehnte, das ihr bei jeder Unebenheit der Straße einen Schlag versetzte. Als sie die beiden jetzt vor sich sah, kämpfte sie gegen das Zittern in ihrem Kiefer und den sauren Geschmack im Mund an. Sie kämpfte gegen das überwältigende Brennen in den Augen und die Verengung ihrer Kehle. Gegen all das kämpfte sie, während sie ihnen die eingewickelten, dreieckigen Päckchen überreichte.

"Danke, Ammu Jaan", sagte Maya und riß ihres auf. Sohail öffnete seines nicht. Er legte es auf den Schoß und strich über das Packpapier.

"Ihr zieht zu Faiz Chacha", sagte Rehana mit ruhiger Stimme. "Ihr werdet in Lahore wohnen."

"Lahore!" sagte Maya.

"Es tut mir so leid", sagte Rehana zu ihrem Sohn.

"Wann kommen wir wieder nach Hause?"

"Bald, das verspreche ich euch." So Gott will, wollte sie sagen. "Am Donnerstag holen sie euch ab."

"Ich will aber nicht."

Rehana biß sich auf die Zunge. "Du mußt aber gehen", antwortete sie. "Geh und sei schön tapfer. Dann kannst du deinen Drachen in Lahore steigen lassen, Beta, und ich werde ihn sehen. Das ist nämlich ein ganz besonderer Drachen. Du mußt sehr brav sein. Ganz brav und ganz tapfer. Nur die bravsten Kinder bekommen guten Wind. Und eines Tages wird es dann so windig sein, daß ihr zu mir zurückgeflogen kommt. Was, das glaubt ihr mir nicht? Wartet's nur ab."

Mein lieber Mann,/spa

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