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Im sanften Licht des Nordens von Heggland, Johannes (eBook)

  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Im sanften Licht des Nordens

Sonja möchte mit Olaf ein neues Leben beginnen. Etwas abseits vom Dorf haben sie ihre Heimat gefunden und gewinnen Land durch Rodung. Aber auch dort holen sie die kleinen und großen Konflikte in der Verwandtschaft und im Dorf immer wieder ein. Als eines Nachts ein neu eröffneter Laden in der Nähe bis auf die Grundmauern niederbrennt, gerät Sonjas Ziehsohn Björn in den Verdacht der Brandstiftung: Eigentlich hätte er diese unliebsame Konkurrenz schon immer gern losgehabt... Johannes Andreas Martin Heggland veröffentlichte über 70 Romane, Novellen und Dramen. Er erhielt eine Reihe von literarischen Auszeichnungen für seine Werke. Im Jahr 2005 wurde er für seinen Beitrag zur norwegischen Kultur zum Ritter erster Klasse des St.-Olav-Ordens ernannt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 253
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475548154
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 1814 kBytes
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Im sanften Licht des Nordens

I

Z u glauben, man könne einen anderen Menschen besitzen, ihn für alle Zeiten sein Eigen nennen, wäre reiner Selbstbetrug. Das wurde Sonja klar, als sie an diesem Frühlingstag aus Hustveit heimkam und erfuhr, dass Björn um die Häuser gezogen war.

Sonja traf Ingvild vor der Tür; sie sprach leise, wie sie es immer tat, wenn Leute am Haus vorübergingen. Nach der Geburt ihres Kindes war sie selbstsicherer geworden, fand Sonja. Sie ließ sich nicht mehr mit einem freundlichen Wort abspeisen wie früher, auch nicht von ihrem Ehemann.

"Was ist los?", fragte Sonja, denn sie spürte, dass es in Ingvild rumorte. Sie war zornig - und das aus gutem Grund.

"Als er nach Hause kam, war er derart betrunken, dass man ihn fast vom Boot an Land tragen musste! Dann schwankte er herum, beschimpfte die Leute, äffte sie nach, führte sich auf, als wäre er nicht ganz richtig im Kopf!"

"Wo ist er jetzt?", wollte Sonja wissen, ohne weiter darauf einzugehen.

"Jetzt hat er wohl ausgeschlafen", winkte Ingvild ab und machte sich schon auf den Weg zum Laden. "Wahrscheinlich sitzt er in seinem tollen neuen Büro!"

Solche Worte hatte Sonja noch nie aus Ingvilds Mund gehört. Das gefiel ihr, denn in der ersten Zeit nach der Heirat war Ingvild viel zu nachsichtig mit Björn gewesen.

Sie ging durch die große Wohnung und dachte daran, wie schön diese Zimmer einst gewesen waren, als sie mit Harald hier gewohnt hatte. Björn aber hatte alles umgekrempelt. Was sollte etwa dieser separate Eingang zum neuen Büro? Jeder, der hierher kam, sah doch mit einem Blick, dass damit das ganze Gebäude verschandelt wurde.

Björn saß da und tat so, als würde er die Post sortieren. Er blätterte in Papieren, Briefen und naschte Süßigkeiten. Er sah nicht auf, als Sonja kam, sondern ging weiter seiner Beschäftigung nach. Sie setzte sich auf eine Bank vor der Tür und ließ ihn nicht aus den Augen. Auf dem Schreibtisch stand ein leeres Glas; gleich daneben dieses silberne Schreibzeug, das er sich kürzlich angeschafft hatte, als ob er nur mit vornehmen Schreibuntensilien schreiben könnte.

Plötzlich wandte er sich im Drehstuhl um, und sie blickte in ein müdes Gesicht mit Schleiern über den Augen. In diesem Moment erinnerte er sie sehr an seinen Vater, den dunkelhaarigen Helgoländer.

"Was zum Teufel sitzt du hier rum?", ereiferte er sich.

Sonja antwortete nicht, sondern schüttelte nur den Kopf.

"Du hast Recht", lenkte er kleinlaut ein. "Eigentlich müsste ich am Kai sein." Er glotzte sie an.

"Mir bist du keine Rechenschaft schuldig", murrte Sonja und ergriff mit den Händen die Lehne. "Aber eines sage ich dir: Ich will keinen zweiten Harald hier auf Lyhamar haben!"

Sie bereute ihre Worte im nächsten Moment: Man sollte über Tote nicht schlecht reden.

Björn fingerte im Durcheinander der Briefe herum, nahm einen heraus, betrachtete das Firmenzeichen und legte ihn wieder beiseite.

"So etwas hätte ich nicht von dir erwartet, Björn! Dass du in die Stadt fährst und zusammen mit diesen Vertretern oder was die auch immer waren auf Zechtour gehst!"

Ingvild kam an der Tür vorbei, hörte sie zwar, kam aber nicht zu ihnen herein.

"Sie spricht nicht mit mir", lachte Björn.

Sonja schnaubte verächtlich. "Wundert dich das? Es ist der Trost des kleinen Mannes, sich um den Verstand zu trinken. Und so benimmst du dich: wie ein armer Schlucker. Du als Kaufmann, der mit ganz Lyhamar Handel treibt! Du solltest dich was schämen!"

"Anscheinend schlage ich meinem Vater nach. Der war für dich doch auch nur ein armer Schlucker!"

Sonja erhob sich und stellte sich vor ihm auf. "So etwas habe ich nie gesagt. Außerdem: ums Geld geht es mir nicht. Das ist für mich noch das Unwichtigste, auch wenn ich mich noch so sehr dafür abrackern muss."

Björn verstand sie nicht oder wollte sie nicht verstehen. Er sagte keinen Ton.

Sonja hielt inne; sie ahn

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