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Im Schatten des Mangrovenbaums Historischer Roman von Winterberg, Liv (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2018
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Im Schatten des Mangrovenbaums

Gestrandet an Sumatras K ste Anfang des 19. Jahrhunderts brechen Lillian, ihr Mann Joseph, Handelsagent der East India Company, und der Botaniker Elliot Wilberforce von London nach Singapur auf. Die Reise endet in einer Katastrophe, denn auf hoher See geht das Schiff in Flammen auf. Mit nichts als ihren Kleidern am Leib finden sich Lillian, Joseph, Elliot und die Schiffsmannschaft an der kaum besiedelten Westku?ste Sumatras wieder – und vor der schwierigen Aufgabe, sich durch den Dschungel zuru?ck in die Zivilisation zu kämpfen. Unter den extremen Bedingungen kommt es zu einem unerwarteten Rollentausch. Liv Winterberg wurde 1971 geboren und studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Sie arbeitet als freie Autorin und Rechercheurin f r Film und Fernsehen und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Ihr erster Roman ?Vom anderen Ende der Welt? wurde gleich ein Bestseller. Mit ihren insgesamt vier Romanen hat sich Liv Winterberg als starke Stimme im historischen Genre etabliert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 30.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423434355
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
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Im Schatten des Mangrovenbaums

Das frühe Stadium: Verliebtsein

Das erste Mal begegnete ich Lillian im August 1818 , und ich war überrascht, einer jungen Frau gegenüberzustehen, die von der Männerwelt bisher gänzlich unbemerkt geblieben war. Auch wenn sie auf den ersten Blick unscheinbar wirkte, war sie auf den zweiten Blick durchaus gefällig anzuschauen. Das dunkle, fast schwarze Haar schien, streng gesteckt, einen Rahmen um ihr blasses Gesicht zu bilden. Ihre Züge waren ebenmäßig, die Augenfarbe changierte zwischen Grau und Blau. Sie war mittelgroß, schlank und in allem durchschnittlich, auch ihre Kleidung war so unauffällig wie nur möglich. Das Kleid war unter der Brust geschnürt, jedoch hochgeschlossen, ohne den üblichen Ausschnitt. Obwohl es Sommer war, fehlte dem Stoff das Luftige und den Ärmeln das Gepuffte, Verspielte der Schulterpartie. Die Riemchenschuhe waren flach und bequem, so, wie es die Frauen jener Zeit schätzten.

Zweckmäßig wäre das Wort, das ich rückblickend wählen würde, um Lillian zu beschreiben. Alles an ihr wirkte zweckmäßig.

Die Familie war drei Wochen zuvor nach Bath aufgebrochen, um, wie es sich seinerzeit gehörte, die Sommermonate standesgemäß zu verbringen. Sie residierte, wie auch die Jahre zuvor, am Queens Square. Die Mutter und zwei ihrer Freundinnen waren zur Brunnenhalle aufgebrochen, um das Wasser zu trinken, dem eine heilende Wirkung bei Gicht nachgesagt wurde.

Da Lillian unpässlich war, blieb sie zu Hause. Später am Tag, als sie sich besser fühlte, nahm sie am Tisch Platz und betrachtete den Briefbogen, der dort lag. Schon mehrfach hatte sie den Federkiel in die Tinte halten wollen, um dann doch zu zögern. Einen Brief an ihre Freundin Ruth Lloyd wollte sie schreiben.

Die beiden Frauen trafen einander alljährlich in Bath, doch in diesem Sommer hatte sich ein Ereignis zugetragen, das Lillian geradezu verstörte. Ruth hatte einen älteren Bruder namens Joseph. Bisher war er stets in den Kolonien unterwegs gewesen, die rund um das Indische Meer gelegen waren, als Handelsagent im Auftrag der East India Company. In Gegenden, die Lillian auf einer Landkarte nie hätte finden können, weil sie sich die seltsam fremd klingenden Namen nicht hatte merken können. Verheiratet war er zudem, und so hatte sie nie sonderlich genau zugehört, wenn Ruth ihn erwähnt hatte.

Beim Dinner vor drei Tagen war er jedoch zugegen gewesen, und noch einmal tauchte Lillian in die Stunden dieses Abends ab.

Schräg gegenüber von ihr saß er am Tisch. Das Bild eines erfolgreichen Mannes, aus dem eine der grausamen Krankheiten - zumindest ließ er das alle glauben - in weit entfernten Ländern inzwischen nicht nur einen Witwer gemacht hatte. Aber ich will nicht vorgreifen. Vom Leben gebeutelt, sah er älter als neununddreißig Jahre aus, seine Haut war von der Zeit auf See und der ostindischen Sonne gegerbt. Ein Hauch Schwermut lag auf seinen Zügen, der, obwohl Joseph die Klaviatur der Konversation perfekt beherrschte, nicht schwinden mochte.

Schweigend lauschte sie seinen Geschichten, von denen eine fantastischer war als die andere: "Von Javas Ostküste aus begaben wir uns auf eine eintägige Reise und erreichten einen Ort, dessen Bewohner noch nie einem Menschen mit heller Haut begegnet waren", erzählte er. "Sie reagierten verschreckt, als sie uns bemerkten. Einige der Frauen brachten ihre Kinder in Sicherheit, ganz so, als wollten sie ihnen schlechte Träume durch unseren Anblick ersparen. Nach und nach traten Männer vor und wollten wissen, was wir seien. Die Betonung liegt auf dem 'was', denn es erschien ihnen unvorstellbar, dass wir von ihrem Schlage sein könnten. Einige näherten sich mir, es waren die Mutigeren unter ihnen. Sie betasteten mein Haar, manche auch die Haut der Wangen oder Hände. Dann das Hemd, die Hose, nicht minder befremdet über das, was wir am Leibe trugen. Nach einer Weile wurden die Kinder zurückgeholt und in unserer Nähe auf den

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