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Im Schillingshof - Vollständige Ausgabe Liebesroman - Die Geschichte zweier verfeindeten Familien. von Marlitt, Eugenie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.06.2015
  • Verlag: e-artnow
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Im Schillingshof - Vollständige Ausgabe

Dieses eBook: 'Im Schillingshof - Vollständige Ausgabe' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Eugenie Marlitt (1825-1887) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie wird als erste Bestsellerautorin der Welt angesehen und hatte wesentlichen Anteil daran, dass sich zwischen 1865 und der Mitte der 1880er Jahre die Abonnentenzahl der Gartenlaube von 100.000 auf etwa 400.000 steigerte. Aus dem Buch: 'Die Türen blieben offen, und Felix fühlte den lebhaften Wunsch, auch hinauszugehen und das "alte Falkennest", aus dem der klägliche, kümmerliche Sproß da drüben schon jetzt mit seinen Spinnenfingerchen jeden Insassen anderen Namens stieß, auf Nimmerwiederkehr zu verlassen ... Von Neid und Mißgunst war keine Spur in der Seele des jungen Mannes; er hatte im Gegenteil laut aufgejubelt bei der Nachricht, daß ein Wolfram geboren sei; denn ihm war der Gedanke, einst auf dem Mustergut hausen zu müssen, immer ein verhaßtes Schreckgespenst gewesen. Freilich hatte er sich nicht träumen lassen, daß sich mit dem ersten Atemzuge des kleinen, mißgestalteten Burschen eine Wandlung vollziehen würde, die das Leben auf dem Klostergute geradezu unerträglich und ihn damit gewissermaßen heimatlos machte.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 23.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026840343
    Verlag: e-artnow
    Größe: 720kBytes
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Im Schillingshof - Vollständige Ausgabe

2.

Inhaltsverzeichnis

Die Frau Rätin Wolfram war an einem schneestöbernden Aprilmorgen im Familienbegräbnis beigesetzt worden. An jenem Tage hatte Felix Lucian nur auf wenige Stunden in die Heimat eilen können, um der verstorbenen Tante das letzte Geleit zu geben. Heute nun, nach zwei Monaten, wo der Syringenduft der ersten Junitage die Lüfte erfüllte und der abgeschüttelte Schnee der Baumblüte weiß auf dem Rasen lag, kam er wieder auf das Klostergut zu einer mehrtägigen Erholungszeit, wie er seiner Mutter geschrieben hatte.

In dem weiten Hausflur, den er nachmittags betrat, hatte die tote Hausfrau die letzte Rast gehalten. Noch war es ihm, als müsse Weihrauchduft das Deckengebälk bläulich verschleiern, und der Geruch der Buchsbaumgirlanden, zwischen denen die schlankhingestreckte Frau mit dem schlichten Flachshaar an den Schläfen so friedsam gelegen, ihm durchdringend entgegengeschlagen. Aber es waren heute nur wirbelnde Stäubchen, die in einem Lichtreflex an der Decke spielten; aus der offenen Küche quoll der Duft schmorenden Geflügels, und am Milchschanktische stand seine Mutter und zählte Eier in den Korb der Magd, die nach altem Brauch wöchentlich zweimal mit Eiern und frischgeschlagener Butter die Runde bei bevorzugten Stadtkunden machen mußte.

Einen Moment erstrahlten die Augen der Majorin wie unbewacht in nicht verhehltem Mutterstolz, als der schöne, hochgewachsene Jüngling auf sie zuschritt; aber sie hielt in jeder Hand fünf Eier und reichte ihm so behutsam über die Schulter hinweg die Wange zum Kuß. - "Gehe einstweilen hinauf, Felix!" sagte sie hastig, in der Besorgnis, sich zu verzählen, oder ein Ei zu zerbrechen.

Er zog schleunig die Arme zurück, die er um ihre Schultern geschlungen, und stieg die Treppe hinauf. Von der Wohnstube her klang ihm plötzlich Kindergeschrei nach - der neue Erbherr des Klostergutes schrie häßlich und boshaft auf wie eine junge Katze. Dazu krähten die Hähne im Hinterhof, und oben über den Vorsaal schlich der riesige, fette Hauskater. Er kam vom Kornspeicher, von der Mäusejagd und rieb und drückte sich behaglich an der eleganten Fußbekleidung des Heraufsteigenden hin - der junge Mann schleuderte ihn weit von sich und stampfte voll Abscheu mit den attackierten Füßen, als schüttele er Schnee ab.

Im Zimmer der Majorin standen die Fenster offen, und die weiche Frühlingsluft strömte herein; aber nicht sie trug den köstlichen Veilchenduft im Atem, der die ganze Stube erfüllte - er kam aus den offenen Flügeltüren eines Wandschrankes. Wie Silberschein flimmerte es in diesen tiefen Fächern; so glänzend türmte sich das Leinenzeug aufeinander; und zwischen diesen Paketen dorrten Tausende von Veilchenleichen. Nie hatte der kleine Knabe der Majorin ein Veilchensträußchen zu seiner Augenweide in ein Glas Wasser stellen dürfen - es stand ja nur im Wege und konnte umgeschüttet werden - wohl aber mußte er die kleinen Kelche zur Verherrlichung der Leinenschätze von den Stielen zupfen. Die weißen Lagen, mit denen die Mutter immer einen förmlichen Kultus getrieben, waren ihm deshalb stets verhaßt gewesen - er warf auch jetzt einen finsteren Blick nach dem Schranke.

Die Majorin war augenscheinlich beim Revidieren gestört worden; auf dem breitbeinigen Ahorntische im Fensterbogen lag noch das Buch, in das sie ihre Notizen zu machen pflegte. Felix kannte diese Hefte voll der verschiedenartigsten Rubriken sehr gut, aber die aufgeschlagene Blattseite hier war ihm neu in ihrer Bezeichnung. "Mitgabe an Hauswäsche für meinen Sohn Felix" stand obenan ... Sein eigener, künftiger Hausstand! - Er wurde rot wie ein Mädchen bei dieser Vorstellung ... Diese Dutzende von Gedecken, Handtüchern, Bettbezügen reihten sich breit und wichtig aneinander, als seien sie die erste Grundbedingung des künftigen Familienglückes ... Und dieses ernsthafte, langweilige Register sollte in dem übermütigsten, tollsten Lockenkopfe haften, der je auf wei

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