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Im Schillingshof von Marlitt, Eugenie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Im Schillingshof

Eugenie Marlitt (5.12.1825 - 22.6.1887) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie gilt als erste Bestsellerautorin der Welt, allerdings hat die Literaturkritik ihr Werk stets zwiespältig beurteilt. Marlitts Roman "Im Schillingshof" wurde 1880 veröffentlicht. Eugenie Marlitt (5.12.1825 - 22.6.1887) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie gilt als erste Bestsellerautorin der Welt, allerdings hat die Literaturkritik ihr Werk stets zwiespältig beurteilt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 484
    Erscheinungsdatum: 22.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783837084801
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 922kBytes
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Im Schillingshof

1.

Der "Schillingshof" hieß es, das herrliche, alte Haus, nahe der Benediktinerkirche; im Volksmund aber war und blieb es "das Säulenhaus", ob auch die Neuzeit ganze Straßenfronten mit Säulen und Säulchen schmückte und so eigentlich die Auszeichnung aufhob. Ein Benediktinermönch hatte das Haus gebaut.

In jenen Zeiten, wo die Beherbergung von Reisenden noch kein städtisches Gewerbe war, nahmen sich die Klöster und Ritterburgen der durchziehenden Fremden an. Mancher Klosterorden errichtete zu diesem Zweck ein Hospiz auf seinem Grund und Boden - so war das Säulenhaus entstanden. - Das Kloster war ein sehr reiches, und Bruder Ambrosius, der Baumeister und Bildhauer, war schönheitstrunken von Italien heraufgekommen; zudem galt es, ein standeswürdiges Unterkommen zu schaffen für gefürstete Häupter und hochgräfliche Herren, die mit Ehegemahl und Gefolge oft des Weges daherzogen und gern an das Klostertor klopften - dies alles machte, dass sich neben dem plumpen Giebelbau des Bruderhauses jene köstliche Fassade erhob, die auf einem hallenartigen, weitgeschwungenen Säulengang ein Obergeschoß mit halbrundbogigen Fenstern trug, und in jeder Bogenfüllung, auf Konsolen und Friesen, und auf den Pfosten der mächtigen Rundbogentür, innerhalb der offenen Halle, den bewunderungswürdigen Schmus einer ganzen steinernen Vegetation zeigte. Während der Oberbau zu beiden Seiten zurücktrat, lief das Erdgeschoß mit feinem Säulengang um je drei Fenster flügelartig weiter; so stieß nur dieses untere Stockwerk hart an die südliche Klosterwand und bildete, durch Steinbrüstungen gekrönt, zwei luftige Seitenterrassen, auf die verschiedene Türen des Obergeschosses mündeten.

Was dieser Fremdling auf deutschem Boden in jenen versunkenen Zeiten erlebt und gesehen, davon wusste das neunzehnte Jahrhundert nur wenig. Damals hatte das Benediktinerkloster außerhalb der Stadt, im freien Felde gelegen; nur einige Lehmhütten hatten sich wie versprengt am gegenüberliegenden Saum der Heerstraße in das Strauchwerk geduckt und kaum die Holzladen ihrer Fensterlöcher gelüftet, wenn abends Pferdegetrappel und herrische Stimmen vor der gewaltigen, die Klostergebäude umschließenden Mauer laut geworden waren.

Der grell auftauchende Flammenschein der Pechfackeln im Hofraum, der höllische Lärm, den die tobenden Klosterhunde und die Reisigen mit ihren wiehernden und stampfenden Rossen verursachten, erlosch nach kurzem wie ein toller Spuk, und die Hüttenbewohner krochen neidisch in ihre Höhlen zurück; denn so viel wussten sie, dass das Kloster einen herrlichen Wein schenkte und seine Schlote Tag und Nacht dampften ... Drin aber, hinter den teppichverhangenen Fenstern der weiten Säle flimmerte das Licht dicker Wachskerzen von den eisernen Reifen der Deckenleuchter, und die hochgeborenen Herren und Frauen, der beengenden und verhüllenden Reitertracht ledig, sammelten sich um die langen, mit dem fürstlich reichen Silbergeschirr des Abtes beladenen Eichentische. Da kreisten die Becher oft bis weit über Mitternacht, die Würfel klirrten, und die fahrenden Spielleute, denen drüben im Bruderhause zur nächtlichen Rast Stroh auf die Steinfliesen geschüttet morden war, durften kommen und aufspielen, solange die müden Finger und Kehlen aushielten.

Sie kamen oft von verschiedenen Seiten her, die großen und mächtigen Herren, um in dem durch Klosterschutz gefeiten Säulenhause geheime Vereinbarungen zu treffen: manche wichtige Urkunde aus jenen Zeiten bezeichnet das Benediktinerkloster als den Ort ihres Ursprunges. Und die Herren Benediktiner hatten sich nicht schlecht dabei gestanden. Sie waren stets, ohne im Säulenhaus gegenwärtig zu sein, lediglich vermöge ihres Scharfsinnes, ihrer feinen Kombinationsgabe, den geheimen Verhandlungen ihrer Gäste gefolgt, und dieses oft an ein Wunder grenzende Wissen hatte ihnen einen unberechenbaren Einfluss in die Hände gespielt.

Später, zu Ende der Reformation, wanderten die Klost

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