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Im Sommerhaus Roman von Lander, Leena (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2014
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Im Sommerhaus

Finnland, kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs: Auf einem Schiff wird halb erfroren und fast verhungert ein unbekanntes Mädchen gefunden und in ein Heim gebracht. Das Mädchen spricht nicht und ist vollkommen verängstigt. Man gibt ihr den Namen Hanna Aalto. Nach einer Weile fasst sie Zutrauen zu dem Theologen Dr. Bergman und freundet sich mit dessen Tochter Lys an. Doch die Idylle trügt ... Jahrzehnte später versucht Lys, das Schicksal ihrer Jugendfreundin aufzuklären- und stößt dabei nicht nur auf ein dunkles Kapitel in der finnischen Geschichte, sondern auch auf ein düsteres Geheimnis in ihrer Familie. Leena Lander, geboren 1955, ist eine der international bekanntesten und erfolgreichsten Schriftstellerinnen der finnischen Gegenwartsliteratur. Ihre Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt und vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Die Verfilmungen ihrer Romane "Die Insel der schwarzen Schmetterlinge" und "Die Unbeugsame" waren in Finnland große Erfolge. Leena Lander lebt mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Hannu Raittila, im Südwesten von Finnland in der Nähe von Turku.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 08.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641197865
    Verlag: btb
    Größe: 815 kBytes
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Im Sommerhaus

J edenfalls gab es Apfelbäume, aber wie viele? Da neben euerm Herzhäuschen einen Astrachan und weiter unten Klaräpfel und Antonovka, nicht wahr?"

"Und Brennnesseln, und zwar jede Menge..."

"Und weißt du noch, die Fähre?"

Fragen über Fragen, es hagelt Fragen, noch bevor der Kaffee kocht und der Hefezopf aus dem Tiefkühlschrank im Ofen aufgetaut ist.

Die Besucherin hört gar nicht mehr auf zu lächeln, doch in ihren Augen liegt eine scheue Verwunderung. Und die Brauen heben sich, als sie sagt:

"Nein, wie diese Stadt sich verändert hat, man möchte kaum glauben, dass es dieselbe ist, fast hätte ich auf der Karte nachgesehen, ob ich wirklich am richtigen Ort bin."

"Ja, das stimmt, sie hat sich verändert", bestätigt Olavi Harjula verwirrt, dem die Situation irreal erscheint. "Aber zum Guten, zu einer richtigen Oase des Überflusses. Niemand hat leiden müssen. Jedenfalls nicht sehr viele."

Lys Bergman steht auf, um durch das Fenster die leuchtenden Lichter der Stadt zu betrachten.

"Sicher hast du recht", stimmt sie zu, "aber die Fähre vermisse ich."

Ja. Bevor die Brücke kam, gab es die Fähre.

Er sieht sie immer noch vor sich. Den Fährmann, die Maschine, die Rettungsboote an den Seiten. Der Rumpf ist aus Eisen und Holz, eine harmonische Kombination aus den beiden Welten, zwischen denen sie sich bewegt. Hin und her von der Stadt in die Natur, von der Natur in die Stadt. Die Zeit auf dem Festland erhält ihren Rhythmus durch die Stechkarte, die auf der Insel durch den Wind und die Sonne. Manchmal klingt vom Uferpavillon fröhliche Musik herüber, dann wird dort getanzt.

Sie kennt die Anziehungskraft der Insel. Den grünen Schatten der großen, alten Bäume. So grün und heilig, wie es ihn nirgendwo sonst gibt. Einmal im Jahr schwimmen die Elche dorthin, um sich zu paaren. Etliche ertrinken unterwegs, aber das hindert die Nachfolgenden nicht daran, es trotzdem zu versuchen. Man weiß auch von Schiffen, die strandeten, als sie sich der Insel näherten; manchmal finden die kleinen Jungen, die glatte Steine für Butterklatscher suchen, im Ufersand uralte Münzen.

Aber das ist noch nicht alles.

Es gibt auch den Stein, der sich erinnert.

Olavi Harjula verfolgt, leicht beunruhigt, das Tun seiner Besucherin. Der Kaffee, den man seiner Ansicht nach heiß trinken muss, droht kalt zu werden. Mit der Tasse und einem Stück Zopf in der Hand sieht sich die Frau zuerst das Arbeitszimmer, dann das Bücherregal im Wohnzimmer an, lächelt bisweilen wohlwollend oder schaut zweifelnd. "Du sammelst sie wohl nur um des Sammelns willen", behauptet sie. "Ich weiß noch, wie du die Tarzan-Hefte und die Tex Willer gesammelt hast und was es da sonst noch alles gab... Du gibst keine Ruhe, bis du den fehlenden Teil der Serie hast, nicht wahr?"

"Schon möglich", bestätigt der Mann.

"Fünf Töchter? Fünf!"

Lys wirkt ungläubig, als sie die Fotos auf der Kommode betrachtet: "Ich kann mir dich überhaupt nicht als Vater vorstellen. Und lauter Mädchen. Das ist unglaublich. Und du hast sie praktisch allein aufgezogen?"

"Na, das nun doch wieder nicht, Viola, das Nesthäkchen, war schon fast sechs, als Irene..."

"Aber sie sehen dir ähnlich."

"Ja, den stadtbekannten Riechkolben der Harjulas, den haben sie leider alle."

"Das ist doch ein Prachtstück, so eine gerade Nase."

"Aber zu groß."

"Na, jedenfalls nicht ausdruckslos."

&raq

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