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Im Spiegel ferner Tage Roman von Riordan, Kate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.12.2015
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Im Spiegel ferner Tage

London, 1932. Als die 21-jährige Alice ungewollt schwanger wird, schickt ihre Mutter sie auf ein Gut im malerischen Gloucestershire, um den Namen der Familie zu schützen. Fasziniert von dem verwunschenen Anwesen erwacht Alices Neugierde, und sie erfährt von dem tragischen Los der einstigen Gutsherrin Elizabeth. Das Geheimnis um die schöne Frau berührt sie auf eigentümliche Weise, und Alice begibt sich auf Spurensuche. Sie entdeckt eine große Liebesgeschichte - und einen schlimmen Verrat ...

Kate Riordan lebt in Cheltenham. Sie ist freie Journalistin und schreibt unter anderem für den Guardian und Time Out.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 14.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641158576
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Fiercombe Manor
    Größe: 990 kBytes
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Im Spiegel ferner Tage

E lizabeth

1898

Das Wetter war gerade noch rechtzeitig für das Sommerfest schön geworden. Elizabeth hatte geahnt, dass es sich bessern würde. Schon beim Aufwachen hatte sie gewusst, dass der Regen die drückende Luft, die eine ganze Woche lang schwer auf dem Tal gelastet und eine gereizte Atmosphäre verbreitet hatte, reinigen würde. Am Mittag hatte sich die Schwüle aufgelöst, und die Wolken hatten sich verzogen.

Um halb zwölf servierte Edith erleichtert und mit vor Vorfreude geröteten Wangen den Tee im Tagessalon. "Oh, Mylady, sehen Sie nur, es hat aufgehört zu regnen! Wenn es nicht wieder anfängt, trocknet auch noch der Rasen. Wir haben unten dafür gebetet, und wie es scheint, hat der Allmächtige uns erhört."

Elizabeth sah ihre Kammerfrau lächelnd an. Nach wie vor wirkte sie jünger, als sie tatsächlich war. Mit ihren einundzwanzig Jahren war Edith nämlich nur drei Jahre jünger als Elizabeth. "Ja, Edith, was habe ich dir heute Morgen gesagt, als du mir das Frühstück gebracht hast?"

Das Mädchen lächelte schüchtern. "Sie sagten, bis heute Nachmittag hätte das Wetter aufgeklart. Und Sie hatten recht, fast auf die Minute genau hat der Regen aufgehört. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet."

Elizabeths Erleichterung, weil den Festlichkeiten an diesem Abend nun nichts mehr im Wege stand, galt einzig und allein den anderen. Nicht nur den Bediensteten, die schon seit Jahren keine Gelegenheit mehr gehabt hatten, ein großes Fest auszurichten, sondern auch Edward, ihrem Mann, der bereits bei den Vorbereitungen aufgeregt umherlief wie ein Kind. Vor einem Monat hatten sie die Einladungen verschickt. Seitdem stand er jeden Tag mit einer neuen Liste voller Dinge vor ihr, die noch angeschafft oder erledigt werden mussten. Meistens ging es darum, dass etwas gekauft werden sollte, und Elizabeth schauderte, wenn sie daran dachte, was all das kosten würde.

"Wann möchten Sie sich ankleiden, Mylady?", fragte Edith. "Die ersten Gäste kommen nicht vor sieben Uhr, aber Sie wissen ja, Colonel Waters erscheint zu jedem Dinner ein bisschen früh."

"Wie wäre es so gegen sechs?"

Edith schien empört. "Eine Stunde reicht nicht einmal, um Ihnen das Haar zu frisieren, ganz zu schweigen von allem anderen."

"Dann eben um halb sechs. Du brauchst mich ja nicht wie sonst in ein Korsett zu zwängen."

Elizabeth legte vorsichtig den Arm auf ihren riesigen, beinahe komisch anmutenden Leib, der noch umfangreicher war als vor fünf Jahren bei Isabel. In der vergangenen Woche hatte sich das Baby so gedreht, dass es ihr auf die Lungen drückte. Sie geriet außer Atem, sobald sie Treppen steigen musste oder sich zu schnell vorwärtsbewegte. Ein eigenartiges Gefühl, ein wenig beunruhigend, und an diesem Tag war es besonders schlimm.

"Hat er oder sie sich heute schon gerührt?" Edith hatte die Entwicklung des Babys beinahe ebenso aufmerksam verfolgt wie Edward, der davon überzeugt war, dass dort sein künftiger Erbe heranwuchs - den sie dieses Mal nicht verlieren würde.

Elizabeth schüttelte den Kopf. "Nein. Er oder sie weiß, dass ich mir heute nicht auch noch darüber Gedanken machen kann, und hat mich freundlicherweise den ganzen Morgen in Ruhe gelassen."

Nach einem bescheidenen Lunch - um Mrs. Wentworth, der Köchin, nicht noch mehr Arbeit zu machen - ging Elizabeth hinaus in den Park. Eigentlich gab es für sie noch gar nichts zu tun. Sie war erst später gefragt, wenn die Gäste eingetroffen waren. Beim Gedanken daran überkam sie ein Anflug von Besorgnis. Alle sechsundachtzig Einladungen waren angenommen worden. Sie hatten keine einzige Absage erhalten, was zweifellos einmalig war. Seit Isabels Geburt war es das erste große Zusammentreffen sämtlicher Familien der Grafschaft in Stanton House. Elizabeth wusste: Alle waren viel zu neugierig, als dass jemand es hätte verpassen wollen. Natürlich hatte es für die engsten und taktvolls

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