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In den Casematten Magdeburgs (Historischer Roman) Die Geschichte aus den Wirren des Siebenjährigen Krieges von Schücking, Levin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.01.2016
  • Verlag: e-artnow
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In den Casematten Magdeburgs (Historischer Roman)

Dieses eBook: 'In den Casematten Magdeburgs (Historischer Roman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aus dem Buch: 'In den letzten Jahren des siebenjährigen Krieges hatte Magdeburg, die große Elbfestung, das Hauptkriegsbollwerk des preußischen Staates, nach und nach eine Menge österreichischer Kriegsgefangener aufnehmen müssen. In jenen Tagen war das Loos eines Soldaten kein beneidenswerthes; im Gegentheil, es hatte mit dem Schicksale eines geplagten Hundes weit mehr Aehnlichkeit, als mit dem einem der heiligen Taufe mit seinem richtigen Christentitel versehenen anständigen Menschen. War der Soldat namentlich einer von denen, welche man ''unsicher'' nannte, so war die von allen Philosophen jedem menschlichen Individuum eingeräumte bestimmte Sphäre von Rechten für ihn die reine Illusion; die ganze Theorie von den Rechten und Pflichten des Menschen, von denen Cicero so schön geschrieben und Kant so tiefsinnig gedacht und Mirabeau so hinreißend gesprochen hat, - diese ganze Theorie stand in unglaublicher Abkürzung, aber mit sehr deutlicher grober Schrift vom Haselstock auf seinem Rücken geschrieben.'' Levin Schücking (1814-1883) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 260
    Erscheinungsdatum: 11.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026849698
    Verlag: e-artnow
    Größe: 495 kBytes
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In den Casematten Magdeburgs (Historischer Roman)

2.

Inhaltsverzeichnis
Um Mittag kamen die Gefangenen von der Arbeit zurück. Es waren ihrer vielleicht vier- oder fünfhundert. Die große Casematte wurde von dieser Menge von Menschen von einem Ende bis zum andern angefüllt. Eine Weile später wurden große Kübel gebracht, aus denen die Mittagssuppe für die Gefangenen geschöpft wurde. So stürmische Scenen sich früher mitunter bei diesem größten Tages-Ereignisse im Leben der Gefangenen entwickelt hatten, so ruhig und ungestört verlief es jetzt unter der Aufsicht des Lieutenants von Frohn, der, wie Saul unter dem Volke Gottes, um eine Kopfeslänge die Uebrigen überragend, mitten zwischen den Herandrängenden stand, und sie mit seiner gebieterischen Stimme in einem Respect hielt, den die aufmarschirte Wachmannschaft und die austheilenden Feldwebel oder Unterofficiere weit entfernt waren, zu finden.

Halb oder nur zum Viertheil gesättigt, streckten sich dann die Meisten auf ihre Streu hin, oder drängten sich in Gruppen zusammen, in denen entweder irgend ein Spaßmacher, oder auch ein schmutziges Spiel Karten, oder ein von den italienischen, in Süd-Tyrol rekrutirten Leuten eingeführtes Morraspiel den Mittelpunkt der Unterhaltung bildete.

Frohn war eine Weile auf- und abgeschritten, hatte hier und dort dem Gespräche der Leute gelauscht, dann sich auf seine Matratze gesetzt und hier eine Zeit lang den Kopf sinnend auf die Hand gestützt. Plötzlich stand er auf und einem vierschrötigen Obderennser Landeskind, das sich eben in einigen derben Flüchen über die schwüle, drückende Luft in der menschenerfüllten Casematte ergoß, winkend, sagte er: "Wenn Ihm so heiß ist, Artlebacher, so steig' Er dort in's Luftloch hinein, da hat Er die Frische aus der ersten Hand!"

"Möcht' schon," versetzte der Mann, "'s is a Sekatur in dem Qualm hier ... aber die Andern leiden's halt nit, daß i 's ihna versperr'."

"Ich befehl's Ihm!"

"Und weßhalb?"

"Darnach hat Er nicht zu fragen. Mach' Er sich hinein."

Der Mann gehorchte; er legte sich mit seinem ganzen breiten Leibe in das Luftloch und sog sehr befriedigt die frischere, dort einströmende Atmosphäre ein.

Bevor noch die Opposition der nächst Stehenden oder Liegenden gegen diese ordnungwidrige Verkümmmerung des Allen gemeinsamen Licht- und Luftquantums laut wurde, gab Frohn mit flüsternder Stimme weitere Befehle:

"Zehn Mann hierhin, in meine Ecke!" sagte er. "Die vier stärksten heben mir da, neben der Mauer, die Steine aus dem Boden aus. Die sechs andern nehmen die Steine und den Schutt in Empfang und verbergen Alles unter dem Stroh. Kommt eine Runde oder eine Inspektion in die Casematte herein, so treten die übrigen Leute so in der Mitte derselben zusammen, daß Niemand sieht, was hier am Ende vorgeht. Habt Ihr verstanden?"

Die Leute verlangten nichts Besseres, als in einer solchen Arbeit einen kleinen Zeitvertreib zu finden.

"Ihr dürft nicht das leiseste Geräusch machen, damit die Schildwache draußen nichts hört! Dafür, daß sie nicht hereinschauen kann, sorgt der Artlebacher mit seinem breiten Rücken."

"Aber mit den Fingernägeln können wir die Steinplatten nicht aufreißen," sagte einer der Leute, die zur Arbeit herangetreten waren.

"Wie gescheidt der Kerl ist!" versetzte Frohn. "Nein, Sepp, mit den Nägeln geht's freilich nicht! Aber damit, mein' ich, geht's!" Bei diesen Worten zog er aus seiner Matratze die zwei Hälften eines in der Mitte durchgebrochenen eisernen Ladestocks, die beide scharf abgeschliffen waren, dann den einen Schenkel einer schweren Schneiderschere und endlich einen großen rostigen Schiffsnagel, wenigstens so lang wie eine Männerfaust, hervor.

"Da ist ja ein ganzes Zeughaus," flüsterte Sepp, während Frohn die Werkzeuge austheilte.

"Das Wiener mit der alten Türkette ist halt nichts dagegen," lachte ein Anderer.

"Für uns allerdings ist dies wichtiger," fiel der Officier ein - "nun macht

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