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In einem anderen Licht Roman von Burseg, Katrin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2017
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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In einem anderen Licht

"Fragen Sie Dorothea nach Marguerite." Miriam bekommt anonyme Briefe mit nur diesem Satz geschickt. Dorothea Sartorius ist die charismatische Witwe eines Reeders und eine große Mäzenin in Hamburg. Gemeinsam mit ihr bereitet Miriam gerade die Verleihung des Sartorius-Preises für Zivilcourage vor. Dorothea beantwortet Miriams Frage nicht, ermuntert sie aber, nach dem Absender der Briefe zu suchen. In einem Beginenhof an der Schlei findet Miriam eine alte Bewohnerin und Antworten, die ihr Weltbild ins Wanken bringen. Dorothea war in den 70er Jahren Mitglied in einer linksextremen Terrorgruppe. Die frühere Freundin und politische Weggefährtin von Dorothea erhebt schwere Anklage: "Sie hat uns verraten. Sie hat alles verraten, was ihr heilig war." Katrin Burseg erzählt von Liebe und Verrat, von Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Und von der Herausforderung, authentisch zu leben. 'In einm anderen Licht' ist ein lebendiges Porträt einer Frau vor dem historischen Hintergrund des deutschen Herbstes. "Ein ungewöhnlicher und spannender Roman, an dem mir vieles gefallen hat" Rainer Moritz, Literaturhaus Hamburg
Katrin Burseg, geboren 1971 in Hamburg, studierte Kunstgeschichte und Literatur in Kiel und Rom, bevor sie als Journalistin arbeitete. Sie hat mehrere historische Romane veröffentlicht. Für ihren Roman 'Liebe ist ein Haus mit vielen Zimmern' wurde sie 2016 mit dem DELIA-Literaturpreis ausgezeichnet. Die Autorin mag Spaziergänge am Wasser, hört gerne klassische Musik und liebt die überraschenden Abenteuer beim Schreiben. Hamburg ist ihr Sehnsuchtsort, sie lebt mit ihrer Familie im Herzen der Stadt. www.katrinburseg.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 08.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843716260
    Verlag: Ullstein
    Größe: 3192 kBytes
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In einem anderen Licht

EINS

Gregors letztes Bild war heiter. Das Porträt eines jesidischen Mädchens, fremde grüne Augen, Lichtblitze darin, und ein neugieriges Lächeln auf den Lippen. Es spiegelte Hoffnung und den Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Vertreibung, Gewalt und Angst sah man darin nicht. Lediglich Armut, die Not zeigte sich in dem zerschlissenen rostfarbenen Tuch, das dem Mädchen über Haar und Schulter fiel. Der Umhang und das Spiel von Licht und Schatten verliehen ihm die Aura einer Madonna.

Eine heitere Madonna - und ein Bild für die Ewigkeit. Es nutzte sich nicht ab. Zärtlich strich Miriam mit den Fingerspitzen über das Foto. Sie trug es immer bei sich, in ihrem schwarzen Notizbuch, und manchmal wünschte sie sich, mehr über dieses Mädchen erfahren zu können. Antworten zu finden auf all die Fragen, die sie immer noch quälten.

Vielleicht hätte Gregor ihr etwas über dieses Mädchen erzählen können, so wie er es oft nach seinen Reisen getan hatte. Nachts, flüsternd, wenn er sie in seinen Armen hielt und sie seinen warmen Geruch in sich aufsog. Wenn ihr Atem ruhig floss und sie sich im schützenden Kokon seiner Liebe eingesponnen hatte.

Doch Gregor war tot.

Kurz nachdem er die Aufnahme in einem Dorf in der Sindschar-Ebene gemacht hatte, war er ums Leben gekommen. Ein Querschläger, mitten ins Herz. Die Kugel aus der Kalaschnikow eines Dschihad-Kämpfers hatte eigentlich den vorausfahrenden UN -Botschafter treffen sollen. Ein irrwitziger Zufall, das Zusammenspiel erklärbarer und nicht erklärbarer Kräfte, hatte das Geschoss abgelenkt und ihren Mann getroffen. Gregor Raven, zweiundvierzig Jahre alt, Fotojournalist aus Hamburg, kriegserfahren und trotzdem nicht abgebrüht. Kein Hasardeur und auch kein Held. Jede seiner Reisen in die Krisengebiete der Welt war der Suche nach Wahrheit verpflichtet. Er hatte den einen Augenblick gesucht, der Augen öffnen konnte. Dieses eine Mal war er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.

Die Nachricht von seinem Tod hatte Miriam in der Redaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins erreicht, für das sie beide arbeiteten. Wenig später war die Meldung schon online. Der Tod des Geliebten als Aufmacher, ein unbarmherziges Flackern auf den Bildschirmen im Newsroom. Auch heute noch, fast zwei Jahre später, fanden sich die Bilder und Artikel im Netz, sie musste nur Gregors Namen eingeben.

Miriam wischte sich über die Augen. Sie saß an ihrem Schreibtisch in der Redaktion, nun schaute sie auf und blickte aus dem Fenster. Der Märzhimmel war milchig-grau, ein Tiefdrucksumpf, der noch über der Nordsee festhing und Regen bringen würde, kündigte sich an. Fröstelnd kuschelte sie sich in ihren Schal und nahm einen Schluck Tee, dann steckte sie das Foto mit dem Mädchen in ihr Notizbuch zurück.

Es gab keine Antworten mehr.

Nur noch Fragen.

Quälende bohrende Fragen.

Und den Schmerz, der schwarz und schwer wie ein Krähenvogel in ihrer Brust hockte.

Der Rabe ihrer Trauer.

Er war ihr ständiger Begleiter. Mal zurückhaltend und mahnend, mal fordernd und laut.

Miriam konnte ihn spüren, er spreizte sich und trippelte unter ihren Rippenbögen auf und ab. Sie nickte dem Raben zu, bevor ihr Blick die gelben Kisten streifte, die sich in ihrem Büro stapelten. Sie wartete auf die Post, auf etwas, das sie davon abhielt, sich ganz auf die Traurigkeit einzulassen. Und auf die Zweifel.

Früher hatte sie nie an ihrem Beruf gezweifelt. Sie war Journalistin geworden, weil sie über die Welt, so wie sie war, berichten wollte. Das Schreiben war etwas Lebensnotwendiges gewesen, so wie Atmen. Und Lachen.

Doch Gregors Tod hatte alles verändert.

Sie war an ihre Grenzen gelangt - und darüber hinaus. Schock, Betäubung, Zusammenbruch. Dass sie heute wieder arbeiten konnte, verdankte sie nicht nur der Liebe zu Max, ihrem Sohn, sondern auch der Therapie, die sie ein halbes Jahr nach dem Unglück be

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