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In ihrer Erinnerung war Japan eine Mischung aus Rosa und Grün Roman von Buchanan, Rowan Hisayo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.08.2018
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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In ihrer Erinnerung war Japan eine Mischung aus Rosa und Grün

New York, 1968. Die 16-jährige Yuki Oyama ist gefangen zwischen zwei Kulturen. Sie fühlt sich nicht als Japanerin, nicht als Amerikanerin. Als ihre Eltern zurück nach Tokio gehen, überzeugt sie sie schließlich, in New York bleiben zu dürfen. Sie will bleiben, eigenständig sein und ihre Kunst leben.
Berlin, 2016. Galleriebesitzer Jay ist gerade Vater geworden. Dies nimmt er zum Anlass, seine Mutter, seine Vergangenheit, seine Wurzeln zu suchen. Er weiß nichts von ihr, außer dass sie ihn verließ, als er erst zwei Jahre alt war. Und dass ihr Name Yuki Oyama ist.

Rowan Hisayo Buchanan ist eine japanisch-britisch-chinesisch-amerikanische Schriftstellerin. "In ihrer Erinnerung war Japan eine Mischung aus Rosa und Grün" ist ihr Debütroman. Derzeit arbeitet sie an ihrer Doktorarbeit an der University of East Anglia in Norwich, England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 13.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641199708
    Verlag: btb
    Originaltitel: Harmless like you
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In ihrer Erinnerung war Japan eine Mischung aus Rosa und Grün

2.
Connecticut, September 2016

"Wer zur Hölle hat eigentlich Krabben-Wan-Tans erfunden?", fragte ich. Sie kamen aus der Tiefkühltruhe und waren voller Pusteln. Ich löste Zucker, Fett und Käse mit der Zunge von den Backenzähnen. "Wer hätte gedacht, dass die mit Rahmkäse so köstlich sind? Das muss echt ein Scheißgenie gewesen sein." Ich leckte mir die Finger und hielt mir ein fremdes Glas, das nicht geleert worden war, an den Hals. Im Anschluss an die Beerdigung hatten wir Dads besten Champagner geöffnet, zur Feier des Lebens oder so ein Mist. Ich wollte bloß, dass die Bestände ausgetrunken wurden. Ich wollte mir nicht noch jahrelang etwas einverleiben, was seins hätte sein sollen.

Dad war auf dem Weg zu seiner Enkelin einem Reh ausgewichen. Mein Vater hatte sich geopfert, damit so ein verdammtes Bambi seine Mutter nicht verlor. Ich hatte ihn fragen wollen, wie man ein Kind liebt. Es in den Arm nimmt. Was sein Geschrei bedeutet. Und das eigene.

"Aber saure Sahne, ganz im Ernst, seit wann gibt es in China saure Sahne?"

"Keine Ahnung, Jay. Google es", erwiderte Mimi. Sie mochte es nicht, wenn ich trank. Doch es wäre eine Schande gewesen, all die süße Ethanol-Sonne einfach in den Ausguss zu kippen. Wir hatten den Empfang in seinem Haus abgehalten. Jetzt herrschte Chaos. Überall Pappteller und Becher. Sämtliche Stühle am Esstisch waren hervorgezogen. Zu seinen Lebzeiten hatte es so nie ausgesehen. Meistens waren wir zwei allein gewesen.

"Hab klebrige Hände", entgegnete ich. Meine Tante hatte die Wan Tans mitgebracht. Mittlerweile waren alle fort, auch meine Tante. Sie war seine ältere Schwester, mit vom Alter verwitterten Wangen. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder bedauern sollte, dass ich Dad nie als hinfälligen alten Mann erleben würde. Bei dem Gedanken wurde der Champagner in meinem Magen schal.

"Außerdem ist Dad tot, vielleicht könntest du ein bisschen weniger zickig sein?" Als wir ihn beerdigt hatten, hatte an seinem rechten Daumen ein Pflaster geklebt. Ich wusste nicht einmal, woher diese kleine Wunde stammte. Ich schob meinen Daumen in den Mund, fühlte Zahn auf Nagel und Zahn auf Haut und versuchte, diesen kleinen Schmerz zu verstehen. "Mir hat er noch erzählt, dass er sich diesen blöden SUV gekauft hat, weil er ein Auto wollte, das ordentlich was aushält." Das Auto war nicht einmal ein Jahr alt gewesen. Er hatte es an dem Tag gekauft, an dem ich ihm gesagt hatte, dass Mimi schwanger sei. "Ehrlich, ich kann es grade wirklich, wirklich nicht ertragen, wenn du rumzickst."

Mimi fuhr sich mit den Händen durch das Haar. Ihr Pony blähte sich wie ein Pompadourbeutel auf. "Du bekommst keinen Sonderurlaub, damit du das Arschloch spielen kannst", sagte sie. Oben kreischte das Baby. "Aber es tut mir leid, dass dein Dad gestorben ist", fügte sie hinzu. "Das ist Scheiße. Das weiß ich." Das wusste sie wirklich. Mimis Eltern waren gestorben, als sie noch auf dem College gewesen war. Ihr Erbe war in die Anschubfinanzierung für die Galerie geflossen. Sie blieb stehen, die Beine schon in Richtung Treppe, das Gesicht noch mir zugewandt. Etwas flackerte unter ihren Augen. "Ich liebe dich."

Ich griff nach ihrer Hand, doch sie zog sie fort. "Tut mir leid, dass ich gesagt hab, du wärst zickig."

Eliot schrie.

"Schon gut. Na ja, eigentlich nicht, doch ich bin viel zu müde, um darüber nachzudenken." Mimi drehte sich um und ging zur Treppe. "Ich gehe nicht davon aus, dass du dich um deine Tochter kümmern wirst?"

"Wie sollte ich das tun?", erwiderte ich. "Habe ich vielleicht Brüste?" Doch Mimi hatte das Zimmer schon verlassen.

Dad konnte gut mit Kindern umgehen. Er war mit mir gut umgegangen und hätte mir das Vokabular der Vaterschaft oder zumindest die wesentlichen Sätze beibringen können. Reiseführer wissen, dass man die Sprache seines Gastlands nicht versteht, doch sie helfen dem Reisenden, sich durchzuschlagen. Ich

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