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Infanta von Kirchhoff, Bodo (eBook)

  • Erschienen: 01.09.2006
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
eBook (PDF)
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Infanta

'Es ist eine Liebesgeschichte, Du kannst es mir glauben. Sie spielt sich in bemerkenswerter Stille ab, fast unmodern heimlich, und gewiß unter dem Eindruck der Tropen, die ja -wer wüßte es besser als wir- keinen Zauber mehr haben...' So berichtet einer von fünf Missionaren, die zu Wegbereitern einer großen Liebe werden, die unaufhaltsam ihren Ruhestand erschüttert. Da hatte man in der ehemaligen Missionsstation einen Gast aufgenommen, Kurt Lukas, ein gefragtes männliches Fotomodell, ein schöner Fremdling, um die Vierzig, aber immer noch nicht erwachsen. Der sich, beobachtet von den fünf alten Patres, in Mayla verliebt, die ebenso natürlich wie schön ist, und als Haushilfe durch ihren Umgang mit den Alten auch klug: eine vernichtende Kombination.

Bodo Kirchhoff lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee. In der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen u.a. seine Romane 'Infanta', 'Parlando', 'Schundroman', 'Wo das Meer beginnt', 'Die kleine Garbo' und ein Band mit gesammelten Erzählungen 'Der Sommer nach dem Jahrhundertsommer'.

Produktinformationen

    Größe: 500kBytes
    Herausgeber: Frankfurter Verlagsanstalt
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 544
    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783627011383
    Erschienen: 01.09.2006
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Infanta

A n einem heißen Januartag gegen Ende dieses Jahrhunderts drehte der Wind über einer kleinen Küstenstadt; zwei Wolkenmassen trieben aufeinander zu, und bald lag nur noch die Umgebung einer Kirche in der Sonne. Auf den Stufen der Kirche saß ein Priester und schaute über einen sandigen Platz, menschenleer und voller Wahlplakate. In seinen Armen ruhte eine Pekinesenhündin. Hinter seinem Rücken, im Dunkel des Eingangs, flüsterten Kinder. "Der mit dem Hündchen", drang es nach draußen, "der mit dem Hündchen ist Father McEllis."

Ein Taxi fuhr auf den Platz. Es wirbelte Staub hoch und puderte die Gesichter der Kandidaten, wurde langsamer und fuhr wieder an, schrammte eins der Plakate und hielt. Ein Fahrgast mit Gepäck stieg aus. Er streckte die Beine und griff sich ins Kreuz, er klopfte sich sauber – für einen Einheimischen war er zu groß, auch etwas zu ungeniert. Der Priester besaß einen Blick für Menschen und Wolken; dieser Mann hatte etwa seine Größe und käme gleich in einen kurzen, aber sintflutartigen Guß. McEllis setzte die Hündin ab und erhob sich. Eine Schwester aus der fremden Gemeinde half ihm in die Soutane, und er dachte an die Hände, die er gewohnt war. Wie sie ihm Kragen und Faltenwurf richteten, den Stoff über seinen Schultern glattstrichen und verlorene Härchen entfernten, einmal im Monat, zwölfmal im Jahr. Das Taxi fuhr weiter. Die ersten Tropfen platzten in den Sand. Der Mann, der kein Einheimischer war, drehte sich um. Er trug dunkle Kleidung, hatte helle Haut – und ein gutes Gesicht, auch dafür besaß der alte Missionar einen Blick. Dann fiel der Regen wie ein Vorhang, während die Kindergemeinde zu singen begann.

McEllis ging zum Altar. Nachdem er still gebetet hatte, sah er den Reisenden eintreten, durchnäßt wie ein Schiffbrüchiger und ebenso bestaunt. Einige Kinder rückten. Der Mann setzte sich an den Rand einer Bank, schob sein nasses Haar aus der Stirn und sah auf eine Leinwand, die neben der Kanzel von einem Querbalken hing. Alle Strophen des Liedes standen dort angeschrieben, fett wie ein Reklametext und in englischer Sprache. Es waren einfache Worte über die Liebe zu Jesus, es war auch eine einfache Melodie. McEllis hatte einen Moment lang den Eindruck, der Durchnäßte sei von ihren Klängen gerührt. Aber das lag an den Regentropfen, die über seine Wangen liefen.

Das Lied ging zu Ende, der Priester las aus der Bibel. Er kannte die Stelle auswendig und konnte in Ruhe verfolgen, wie der Mann einen Aufkleber von seinem Gepäck zog und unter der Bank verschwinden ließ. Nur die Routine bewahrte McEllis vor einer Entgleisung – ohne auf die Gemeindeschwestern mit ihren Gitarren zu achten, setzte er seine Lesung im richtigen Augenblick fort, ohne an Gott den Schöpfer zu denken, sprach er ein schönes Gebet, ja, er hielt sogar eine Predigt, bei der die Buben und Mädchen immer langsamer mit klappenden Schulheften gegen die Hitze anfächelten. Eine einzige Frage beschäftigte ihn: Hatte dieser Reisende hier ein Ziel, oder war er nichts weiter als ein verirrter Tourist auf einer Insel mit Mord und Totschlag.

Der Regen ließ nach, und er kürzte die Predigt ab, aus Furcht, der Mann könnte die Kirche vor dem letzten Amen schon wieder verlassen. Kaum war das Schlußlied gesungen, erteilte er seinen Segen, und die Schulkinder strömten ins Freie. McEllis behielt den Fremden im Auge. Er hatte sich verschätzt. Ein langer Kerl schlenderte da auf den Platz, größer als er, einer, dem jede Hose stand, sogar eine nasse.

Von der Soutane befreit, die Hündin auf dem Arm, eilte der Priester an den Bänken entlang und zählte. Nach der fünften Bank blieb er s

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