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Interessengebiet von Amis, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.08.2015
  • Verlag: Kein & Aber
eBook (ePUB)
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Interessengebiet

Es ist Liebe auf den ersten Blick, die Golo Thomsen wie ein Blitz trifft, als er Hannah Doll begegnet. Was wie eine oft erzählte Liebesgeschichte beginnt, nimmt einen ungewohnten Verlauf - denn Schauplatz ist Auschwitz, Thomsen ist SS-Offizier, und Hannah ist die Frau des Lagerkommandanten. Thomsen unterwirft sich seiner dreisten Obsession, auch wenn er die Folgen seines Strebens nicht absehen kann. "Interessengebiet" ist mehr als die Geschichte über eine unmögliche Liebe. Der Roman stellt sich der Frage: Was treibt Menschen zu unmenschlichen Taten an?

MARTIN AMIS, geboren 1949 in Oxford, ist einer der bedeutendsten englischen Gegenwartsautoren. Er ist der Verfasser von vierzehn Romanen, zwei Kurzgeschichtensammlungen und sechs Sachbüchern, darunter fünf Essaybände. Für sein Romandebüt "Das Rachel-Tagebuch" (1973) erhielt er den Somerset Maugham Award. Zu seinen bekanntesten Werken zählen weiterhin "Gierig" (1984), "London Fields" (1989), "Pfeil der Zeit" (1991) und "Interessengebiet" (2015). Martin Amis lebt in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 13.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783036993126
    Verlag: Kein & Aber
    Größe: 2892 kBytes
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Interessengebiet

1. Thomsen:

ERSTER BLICK

Der Blitz war mir nicht fremd. Der Donnerschlag war mir nicht fremd. Beneidenswert erfahren in solchen Dingen, war mir der Wolkenbruch nicht fremd - der Wolkenbruch und dann die Sonne und der Regenbogen.

Sie kam gerade mit ihren zwei Töchtern aus der Altstadt zurück, und sie waren schon wieder tief im Interessengebiet. Vor ihnen lag, wartend, eine Allee - fast eine Kolonnade, deren Zweige und gelappte Blätter sich zu einem Gewölbe schlossen. Ein später Nachmittag im Hochsommer, erfüllt von winzigen glitzernden Mücken ... Auf einem Baumstumpf lag offen mein Notizbuch, in dem die Brise neugierig blätterte.

Großgewachsen, breit und füllig, dabei aber leichtfüßig, bewegte sie sich zwischen Inseln flauschiger, hellbrauner löwenartiger Wärme. Sie trug ein weißes knöchellanges Gewand mit gezacktem Saum und einen cremefarbenen Strohhut mit schwarzem Band und schwang in der Hand eine Strohtasche (die Mädchen, ebenfalls in Weiß, trugen die gleichen Strohhüte und Strohtaschen). Sie lachte, den Kopf nach hinten geworfen, mit gestraffter Kehle. Ich folgte ihr parallel zur Allee, in maßgeschneidertem Tweedjackett und Drillichhose, Klemmbrett und Füllfederhalter in der Hand.

Jetzt kreuzten die drei die Auffahrt zur Reitschule. Neckend umkreist von ihren Kindern, passierte sie die dekorative Windmühle, den Maibaum, den dreirädrigen Galgen, den lasch an die eiserne Wasserpumpe gebundenen Karrengaul und schritt weiter.

In das Kat Zet - das Kat Zet I.

Etwas war geschehen. Blitz, Donner, Wolkenbruch, Sonnenschein, Regenbogen - die Meteorologie des ersten Blicks.

Ihr Name war Hannah - Frau Hannah Doll.

Im Offiziersklub, auf einem Rosshaarsofa, inmitten von Pferdeskulpturen und Pferdegemälden, sagte ich bei einer Tasse Ersatzkaffee (Kaffee für Pferde) zu meinem lebenslangen Freund Boris Eltz:

"Für einen Augenblick war ich wieder jung. Es war wie Liebe."

"Liebe?"

"Ich sagte: wie Liebe. Verzieh nicht so das Gesicht. Wie Liebe. Ein Gefühl der Unausweichlichkeit. Du weißt schon. Wie der Beginn einer langen und wunderbaren Romanze. Romantische Liebe."

"Déjà-vu und das ganze übliche Zeug? Fahr fort, hilf meinem Gedächtnis auf die Sprünge."

"Also. Schmerzhafte Bewunderung. Schmerzhaft. Und Gefühle der Demut und Unwürdigkeit. Wie bei dir und Esther."

"Das ist was vollkommen anderes", sagte er und hob einen waagrechten Finger. "Rein väterlich. Das wirst du begreifen, wenn du sie siehst."

"Wie auch immer. Dann ging es vorbei, und ich ... Und ich begann mich zu fragen, wie sie ohne alle ihre Kleider aussehen würde."

"Da haben wir's ja. Ich frage mich nie, wie Esther ohne alle ihre Kleider aussehen würde. Wahrscheinlich wäre ich entsetzt. Ich würde mir die Augen zuhalten."

"Und vor Hannah Doll, würdest du dir vor ihr die Augen zuhalten, Boris?"

"Hm. Wer hätte gedacht, dass der alte Säufer so was Gutes abbekommen würde."

"Ja. Unglaublich."

"Der alte Säufer. Überleg nur mal. Gesoffen hat er bestimmt schon immer. Aber alt war er nicht immer."

Ich sagte: "Die Mädchen, wie alt sind die? Zwölf, dreizehn? Also ist sie in unserem Alter. Oder etwas jünger."

"Und als der alte Säufer sie geschwängert hat, war sie - achtzehn?"

"Als er in unserem Alter war."

"Na schön. Ihn zu heiraten war wohl verzeihlich", sagte Boris achselzuckend. "Achtzehn. Aber dass sie ihn nicht verlassen hat, das lässt sich nicht so leicht abtun."

"Ich weiß. Das ist schwer zu ..."

"Hm. Sie ist mir zu groß. Und genau genommen ist sie auch für den alten Säufer zu groß."

Und wieder fragten wir uns: Wie kommt jemand dazu, Frau und Kinder hierher mitzunehmen? Hierher?

Ich sagte: "Diese Umgebung ist eher was für Männer."

"Ich weiß nicht. Manche Frauen stören s

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