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Islandsommer Roman von Johansson, Kiri (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Islandsommer

Sommerwohnung gesucht. Liebe gefunden? Als Merit von ihrem Freund verlassen wird, muss die chaotische Lebenskünstlerin sich ein neues Zuhause suchen. Da kommt ihr das Angebot, den Sommer über ein Haus samt Kater zu hüten, gerade recht. Die Sache hat nur einen Haken: Das Haus steht in Reykjavík. Kurz entschlossen verlässt sie Berlin, um in Islands quirlige Hauptstadt zu reisen. Von der Liebe will die talentierte Künstlerin vorerst nichts mehr wissen. Kristján will das auch nicht, denn er hat mit einer anhänglichen Ex und den Dämonen seiner Vergangenheit genug zu tun. Doch nun wirbelt die neue Nachbarin aus Deutschland das ruhige Leben des ordnungsliebenden Piloten mit ihren eigenwilligen Ideen ziemlich durcheinander ... Kiri Johansson ist schon seit ihrer Kindheit fasziniert von guten Geschichten, von Island und seinen Pferden. Sie hält sich für eine talentierte Handwerkerin, hat in London Fashion History studiert und liebt die Farben des Nordens. In ihrer Freizeit geht sie gern ins Museum, liest oder tanzt bei Sonnenaufgang in ihrem Garten. Mehr über die Autorin unter: und https://www.facebook.com/KiriJohansson.Author

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641245382
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher 42350
    Größe: 1618 kBytes
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Islandsommer

1.

Die Sonne lauerte bereits an der Wasseroberfläche und zauberte Pastelltöne in die feuchte Meeresluft.

Es war ihr dritter Morgen auf See, und weil sie es nicht länger aushielt, auf ihrer schmalen Pritsche unter Deck in der Neunerkabine dem Atmen fremder Menschen zu lauschen, hatte sie sich auch heute nach ein paar unruhigen Stunden Schlaf aus der Kajüte geschlichen. Ihr Gesicht fühlte sich von der Kälte steif an. Doch hier im Windschatten war es mit der schweren Wolldecke und eingemummelt in eine Steppjacke, die selbst am Nordpol noch gewärmt hätte, auszuhalten.

Mit klammen Fingern machte sie Fotos. Die unglaublichen Farben schwebten direkt durch ihre Seele, und sie hätte viel dafür gegeben, diese Stimmung sofort auf Leinwand zu bannen.

Island. Ich muss verrückt geworden sein. Dieser Gedanke war ihr seit dem Telefonat mit Ísrún Bryndísardóttir mehr als einmal durch den Kopf gegangen.

Doch so kurz vor dem Ziel fühlte sie nun auch eine erwartungsvolle Freude, ein Kribbeln, als wüsste etwas in ihrem Unterbewusstsein mehr als sie selbst und hoffte auf ein grandioses Abenteuer.

Die Mitreisenden schwärmten von Island, als wäre diese karge Insel aus Feuer und Stein eins der letzten Paradiese, ein Ort, an dem Unmögliches noch möglich wurde. Das konnte sie gebrauchen.

Merits Mut, so spontan aufzubrechen, wurde bewundert und gewiss auch belächelt. Doch die Leute waren im Urlaub und bester Laune, deshalb behielten sie ihre Kritik vermutlich für sich und gaben stattdessen gut gemeinte Ratschläge, bis ihr Kopf voll von Geysiren, Pferde- und Elfengeschichten war.

Über Reykjavík erfuhr sie nicht viel. Die meisten der Touristen waren nicht zum ersten Mal in Island und planten eine Campingreise mit dem eigenen Wagen, keinen Stadtaufenthalt. Ein DJ aus Hamburg, der jeden Monat in einem der Clubs auflegte und dieses Mal anschließend das Land erkunden wollte, hatte mit nasaler Stimme gesagt: "Für eine Kleinstadt ist Reykjavík eigentlich ganz in Ordnung", um dann, nach kurzer Pause, hinzuzufügen: "Feiern können die Isis jedenfalls."

Merit steckte ihr Smartphone ein und stand auf, um zur Reling zu gehen, als der Mann wieder auftauchte. Er schien die frühen Morgenstunden auf See zu mögen. Seit der Abfahrt im dänischen Hirtshals war sie ihm mehrmals begegnet. Dabei hatten sie sich zugenickt oder auch mal einen Gruß gemurmelt, wie es hier an Bord üblich war, und jedes Mal hatte sie sich merkwürdig verlegen gefühlt. Unter ihren Freundinnen gehörte Merit zu den weniger kühnen. Sie beobachtete lieber, als im Mittelpunkt zu stehen. Aber schüchtern war sie nicht, und wenn ihr jemand gefiel, sprach sie ihn an, sofern sich eine Gelegenheit dazu ergab. Doch bei ihm hätte sie sogar gezögert, würde sie gerade nicht so sehr von ihren eigenen Problemen in Anspruch genommen. Er wirkte in sich gekehrt, beinahe abweisend.

Für Merit war es offensichtlich, dass ihn irgendetwas beschäftigte. Vielleicht ging dem Mann so viel durch den Kopf, dass er sich selbst genug war. Seine Reaktion auf die Annäherungsversuche einer attraktiven Blondine, die sich vorgestern Abend an der Bar neben ihn gesetzt hatte, ließ dies jedenfalls vermuten. Er hatte nur knapp geantwortet, sein Glas in einem Zug geleert und war gegangen.

Heute Morgen aber stellte er sich eine Armeslänge von ihr entfernt an die Reling, obwohl sie beide zu so früher Stunde die Einzigen hier draußen waren. Allerdings machte er keine Anstalten, sie anzusprechen, sondern blickte genau wie sie gebannt auf den Horizont, wo sich ein Naturspektakel ankündigte.

Dennoch war sich Merit seiner Präsenz bewusst. Nach einer Weile wurde sie kribbelig und wagte einen raschen Seitenblick: Eine Wollmütze betonte sein Adlerprofil. Der Dreitagebart und die dunkle Kleidung verliehen ihm etwas Verwegenes. Ein echter Wikinger.

Bevor er bemerkte, dass sie ihn anstarrte, blickte sie schnell zurück aufs Was

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