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Italienisch für Liebhaber von Walker, Hilary B. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: Verlag Antje Kunstmann
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Italienisch für Liebhaber

Eine Amerikanerin in Mailand: Nur in Italien kann man wirklich leben - davon ist Hilary, Anfang dreißig und aus San Francisco, fest überzeugt. Und nichts hat diese Überzeugung im Kern erschüttert, auch wenn sie sich als Buchhändlerin in Mailands eleganter Innenstadt gerade mal ein Dachkämmerchen zur Untermiete leisten kann, in das auch noch der melancholische Riesenhund Bartleby passen muss. Und Hoeplis Großes Englisch-Italienisches Wörterbuch, unverzichtbar bei der Orientierung im Alltag und als Safe für die spärliche Barschaft. Wollte sie das eigentlich wirklich, soviel urbane Bohème? Sucht man in der geliebten Fremde das ganz Andere - oder einen Ort, den man endlich Zuhause nennen kann? In zehn wunderbar komischen Episoden folgen wir Hilarys unerschrockenen Versuchen, ihre Träume in den Alltag zu retten: wie sie den Dieb des heißgeliebten blauen Fahrrads zur Strecke bringt. Sich als reiche Erbin tarnt, um endlich ihre Traumvilla von innen zu sehen. Wie sie ein Date mit dem berühmten Jung schrift steller in den Sand setzt und die unbegreiflichen Bücherwünsche ihrer exzentrischen Kunden zu erfüllen versucht. Und dabei Seite für Seite dem ganz großen Traum näherkommt: dem Ersten Eigenen Buch, mit ganz persönlichem Strichcode.

Die Love Story einer Amerikanerin mit Italien - ein wunderbar komischer Episodenroman für alle Buch- und Italienliebhaber.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956140204
    Verlag: Verlag Antje Kunstmann
    Größe: 1035 kBytes
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Italienisch für Liebhaber

2

Mein inneres Fffiiu

ICH WEISS WIRKLICH NICHT , was mich veranlasst hat, ausgerechnet letzten Freitag den Briefkasten zu öffnen. Seit ich im Frühjahr in die kleine Mansarde im sechsten Stock gezogen bin – mit ihren Parkettböden, ihrem Ausblick über die Dächer der umstehenden Häuser, der Wendeltreppe, die in den Schlafbereich und zum Oberlicht führt, ganz zu schweigen von dem beängstigenden Mikroklima, das die Bleibe, je nach Jahreszeit, eiskalt oder stickig heiß macht –, seitdem also habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, während ich unten auf den Lift warte, einen Blick durch den Spalt zwischen Plexiglas und Holzimitat zu werfen. Und wenn ich keinen eingeschweißten New Yorker sehe, schließe ich den Briefkasten nicht einmal auf: In diesen Zeiten enthält er selten etwas anderes als schlechte Nachrichten oder unangenehme Überraschungen. Wenn ich abends nach Hause komme und den Briefkasten völlig leer vorfinde, entfährt mir sechs von sieben Mal ein inneres Fffiiu . Ich sage, sechs von sieben Mal, weil ich eine Zeitschrift abonniert habe, die mich, theoretisch, einmal in der Woche erreichen sollte. Seit ich in Italien lebe, verlängert mir meine Mutter jedes Jahr mein Geschenkabonnement des New Yorker , und wir unterhalten uns bisweilen am Telefon über die witzigsten Artikel oder Karikaturen. Mir gefällt der Gedanke, dass sie und ich dieselben Sachen lesen, dass neben unseren jeweiligen Betten – die so weit voneinander entfernt stehen – dieselben Titelbilder und dieselben Texte liegen. Auch wenn ich mir nie das Fernsehen angewöhnt habe – dass ich keinen Fernseher besitze, hat sicher auch eine Rolle gespielt –, kenne ich die Ungeduld sehr gut, mit der viele Menschen auf ihre liebsten Fernsehfilme warten: Dasselbe empfinde ich in Bezug auf meine wöchentliche Prosa-Bibel. Letzthin jedoch stelle ich mit Verwunderung fest, dass mein Briefkasten – letzte Reihe oben links außen – nicht mehr ganz so beruhigend leer ist.

An den New-Yorker -Tagen – die zuerst auf den Montag fielen, sich dann aber ohne ersichtlichen Grund auf den ersten und den letzten Mittwoch des Monats verschoben, an denen jetzt oft drei Ausgaben auf einmal eintreffen – öffne ich den Kasten blitzschnell, ohne den Stapel weißer Couverts im Geschäftsbriefformat anzutasten, der immer höher wird, seit sie im Mai plötzlich aus dem Nichts auftauchten. Diese Briefe sind nicht an mich, sondern an einen gewissen Guido Dragone adressiert. Guido Dragone habe ich nie kennengelernt, aber ich stelle ihn mir als einen Mann mit weißen, etwas spitzen Zähnen vor und mit dunklen, kräftigen Händen: eine männlichere, beängstigendere Version seiner Schwester – die ihrerseits Angela heißt.

Angela Dragone ist die Eigentümerin meiner Wohnung und hat wirklich zu viele Zähne für ihre Mundgröße und ist immer braun gebrannt, was sich gut mit ihrer Vorliebe für auffallende und funkelnde Ringe verträgt. Auch wenn, wohl aus steuerlichen Gründen – natürlich habe ich mich nie danach erkundigt –, der Name Guido Dragone sowohl auf den Couverts als auch auf dem Briefkasten steht (neben den ich mit Tesafilm ein Papierschildchen mit meinen Initialen, einen völlig stillosen Computerausdruck, geklebt habe), ist es seine Schwester Angela, die alle De-facto-Aufgaben eines Eigentümers erledigt. Zum Beispiel die Miete zu kassieren. In bar und eindeutig steuerfrei, wie ich vermute. Diese Frage habe ich natürlich niemals thematisiert.

Im Gegensatz zum New Yorker erscheint Angela Dragone in meinem Leben mit der Pünktlichkeit eines Schweizer Zuges. Am ersten Dienstag jeden Monats gegen M

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