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Italienisches Bilderbuch von Lewald, Fanny (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2016
  • Verlag: Nexx
eBook (ePUB)
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Italienisches Bilderbuch

Fanny Lewald beschreibt hier sehr detailliert ihre Reise durch Italien zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Sie ergänzt diese Beschreibung mit umfangreichen Hintergrundinformationen. Sie besucht u. A. Mailand, Genua, Florenz, Rom, Neapel, Palermo, Capri, Ischia, Bologna und Venedig.

Fanny Lewald (1811-1889) war eine deutsche Schriftstellerin und Vorkämpferin der Frauen-Emanzipation. Sie forderte das uneingeschränkte Recht der Frauen auf Bildung und gewerbliche Arbeit ebenso und setzte sich gegen die Zwangsverheiratung junger Frauen ein.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 05.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958705623
    Verlag: Nexx
    Größe: 770 kBytes
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Italienisches Bilderbuch

Einleitung

 

Übergang über den Simplon und Eintritt in Italien

 

Wenn die goldenen Tore der Märchenwelt sich vor der wunderdürstenden Phantasie des Kindes schließen, wenn die Feenkönigin mit ihrem Zauberstabe sich für immer in das Reich der Träume zurückzieht und der Glaube an ihre Macht verschwindet, so tritt die Wirklichkeit urplötzlich in ihre Rechte ein, und die Jugend sehnt sich nach der Schönheit der Welt, die sie noch nicht kennt, wie das Kind sich gesehnt hat nach den Wundern der Märchenwelt, von denen man ihm erzählte.

 

Alles nimmt nun eine festere Gestalt an, die Nebelbilder konzentrieren sich, man möchte das geträumte Eldorado auf einen bestimmten Punkt der Erde versetzen, und für all die farbigen Blüten, für die goldenen Früchte jenes Fabellandes bietet der kalte, farblose Norden keinen Raum. Da wendet das Auge sich sehnsuchtsvoll nach Süden! - Nach dem Süden, wo im dunkeln Laub die Goldorange glüht, wo ein lauer Wind vom blauen Himmel weht, die Myrte schlank und hoch der Lorbeer steht! Der Süden wird die Sehnsucht des Lebens, Italien das Ziel, nach dem fast jeder Nordländer strebt.

 

Je tiefer Schnee und Eis die Erde bedecken, je fester sich der kristallene Reif um die Fenster des Hauses legt und je wilder der Wind es umbraust, je mehr zieht es die Seele nach Süden. Ich hatte oft in den eisigen Wintertagen meiner ostpreußischen Heimat zu den schneebedeckten Dächern der Nachbarhäuser geblickt, wenn die scheidende Sonne sie glänzend beleuchtete und sie hell hervortraten gegen den blauen, wolkenlosen Winterhimmel, und gedacht, wie ganz anders es doch sein müsse, wenn die Sonne hinter den Alpen zur Ruhe ginge und das wundervolle Alpenglühen die Gletscherröte unter dem Himmel einer südlicheren Gegend. Von ganzem Herzen hatte es mich verlangt, diese fremde Welt zu kennen, aber der Wunsch war in meinen damaligen Verhältnissen anscheinend so unerfüllbar, dass ich ihn kaum mir selbst zu gestehen wagte, weil es mir von jeher töricht schien, das Unerreichbare zu begehren.

 

Und als mein Leben dann eine andere Wendung nahm, als der Horizont sich für mich erweiterte und ein reicheres Dasein begann, da trat die alte, nie geschwundene Sehnsucht mächtig hervor, und der friedliche Römerzug wurde beschlossen.

 

Ich hatte im Juli und August des Jahres 1845 die Schweiz durchreist; ich hatte die schneebedeckten Häupter der Jungfrau und des Montblanc erglühen sehen unter dem Scheidekusse der Sonne und aufflammen bei ihrem Morgengruß; die Sterne hatte ich glänzen sehen in den tiefen, hellen Spiegeln der Schweizerseen, und immer näher trat mir das schöne Italien, das Ziel meiner Wünsche.

 

Wie klopfte mir das Herz, als ich in dem freundlichen Vevey den ersten Spaziergang durch die Stadt machte, vom Hafen die Rue du Lac entlangwanderte und mich bald darauf in der Rue du Simplon befand. So wie in jenem Momente war mir als Kind zumute, wenn der erste Adventssonntag anbrach und mit den ersten buchsbaumumflochtenen, vergoldeten Äpfeln die ganze unbeschreibliche Weihnachtsseligkeit in meinen Gesichtskreis gerückt wurde.

 

Vevey hat schon einen sehr südlichen Charakter. Der Hafen mit seinen Platanenalleen, die rebengekränzten Ufer des blauen Genfer Sees, die Feigen und Trauben und Melonen, die in reichen Massen zum Kaufe feilgeboten werden, auch die Luft und das Licht und die lebhafte Physiognomie der Menschen gehören schon dem Süden an. Es ist die Introduktion der Jubelsymphonie Italien.

 

Oft saß ich da auf der Terrasse meines Hauses am See und sah hinüber zum Dent du midi und Dent du Morcles, wenn ihr purpurn beleuchtetes Schneehaupt sich im See spiegelte oder doch mindestens rote Reflexe wie einzelne Rosen über das stille Wasser warf. Dann träumte ich mich zurück in die Tage meiner ersten Jugend, um mich daran zu erfreuen, dass ich auf dem Punkte stände, je

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