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Jack Engles Leben und Abenteuer Roman von Whitman, Walt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.05.2017
  • Verlag: Manesse
eBook (ePUB)
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Jack Engles Leben und Abenteuer

'Ein unbekannter Roman Walt Whitmans, der ein multikulturelles Amerika preist - eine Weltsensation zur rechten Zeit.' Wieland Freund Humorvoll-lakonisch erzählt Walt Whitman eine klassische Aufstiegsgeschichte in der Tradition des großen Charles Dickens, allerdings in der Neuen Welt, mitten in New York. Er schildert die Schattenseiten der rasant wachsenden Metropole, verschweigt weder das Elend der Notleidenden noch die Korrumpierung derer, die an der Wall Street zu schnellem Geld gekommen sind. Doch vor allem feiert er in seinem 'Jack Engle' uramerikanische und urdemokratische Tugenden: den Glauben an den unveräußerbaren Glücksanspruch des Einzelnen, die Zuversicht und den Pioniergeist der kleinen Leute, ihren Mut zur Improvisation und nicht zuletzt die alles überragende Leitidee der Einwanderernation - sich gemeinsam, ohne Ansehen von Herkunft, Stand oder Religion, aufzumachen in eine bessere Zukunft. 1852 als Fortsetzungsroman im 'Sunday Dispatch' erschienen und erst 165 Jahre später als Schöpfung Walt Whitmans identifiziert - ein kleines Wunder der Weltliteratur! 2017 ist sie erstmals in deutscher Übersetzung zu entdecken, die Lebensgeschichte eines Waisenjungen, der auf den Straßen New Yorks lernt, sich mit Fäusten, flinker Zunge und viel Köpfchen zu behaupten. Keine ganz gefahrlose Sache in diesem brodelnden Eldorado der Überlebenskünstler aus aller Herren Länder ... Walt Whitman (1819-1892) war Schriftsetzer, Lehrer und Wohnungsmakler, ehe er der erste Weltpoet der USA wurde. Seine sprachmächtigen, rhythmisch frei schwingenden Hymnen, mit denen er das Land und die Leute seiner Heimat besang, die unermesslichen Weiten der Meere und die gewaltigen Städte, die Schönheiten der Natur und die Erhabenheit menschlicher Erfindungen, suchen in der modernen Dichtkunst ihresgleichen. Neben seinem lyrischen Hauptwerk 'Leaves of Grass' ('Grasblätter') schrieb er auch Prosa. 'Life and Adventures of Jack Engle' erschien anonym und fand deshalb bis zur Aufdeckung der Autorschaft Whitmans durch Zachary Turpin im Jahr 2016 keine Beachtung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 22.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641221409
    Verlag: Manesse
    Originaltitel: Life and Adventures of Jack Engle
    Größe: 731 kBytes
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Jack Engles Leben und Abenteuer

Kapitel 12

Der Vater, nach dem Leben gezeichnet - Eine Erweckungsversammlung - Eine Verabredung mit Wigglesworth

Die Welt wird ständig mit Porträts religiöser Fanatiker beglückt - mit Darstellungen über Methodisten, Presbyterianer, Katholiken und so weiter, Theaterstücke, Romane und Gedichte nehmen sich ihrer an. Gewöhnlich aber irren sie in einem Punkt - sie sprechen dem Schwärmer die Wahrhaftigkeit ab. Tatsächlich aber ist der religiöse Schwärmer immer aufrichtig. Überdies sind diese Enthusiasten - ob Mann oder Frau - wie alle Exemplare der Gattung Mensch ein Kompositum aus Gut und Böse. Religiöses Schwärmertum ist nicht notwendigerweise schlecht, ganz im Gegenteil. Nur kann es andere wichtige Charakterzüge des Menschen nicht beeinflussen, die bleiben, wie sie sind, und ihm nach wie vor ihren Stempel aufdrücken.

Calvin Peterson war keine Ausnahme von dieser allgemeinen Regel. Die Natur hatte ihm Charakterfestigkeit geschenkt. Er besaß große Entschlossenheit und Stärke; wenn es um seinen Glauben ging, hätte er mit stoischer Geduld alle Schmerzen oder Strafen erduldet. Die kleinen Opfer, die dieser Glaube forderte, waren ihm durchaus willkommen, und kleine Ärgernisse sind schwerer zu ertragen als große. Subtilere Gefühle aber gingen Calvin ab oder waren in ihm verborgen und ließen ihn nach außen hart und streng erscheinen. Er hing an seiner Familie, ihr Seelenheil aber war ihm wichtiger als ihr Wohlergehen hienieden, und immer wieder bekamen die Seinen die Auswirkungen dieser Einseitigkeit zu spüren.

Doch täte man ihm unrecht, wenn man ihm absprechen würde, dass er für die Seinen stets auf den größten und dauerhaftesten Nutzen bedacht war. Es handelte sich einfach um seine Sicht der Dinge. Was die simplen Tugenden der Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit betraf, glich Calvin einem arglosen Kind.

Tom, sein Sohn und mein Freund, liebte seinen Vater im Grunde, aber es war eine Liebe, die nicht durch Zuwendung und gegenseitiges Vertrauen gepflegt und gestärkt worden war. So geht es häufig mit Vater und Sohn. Tom fand seinen Vater zu streng, und jener fand den jungen Mann zu liederlich und sprunghaft. Dann und wann gab es ernstlich Streit, sodass Tom zuweilen fast so etwas wie Widerwillen gegenüber dem Vater empfand.

Als Tom und ich noch Kinder gewesen waren, hatten wir häufig die Methodistenversammlungen besucht, auf denen Calvin Peterson glänzte, und ich habe dank ihm so manches eindrucksvolle Spektakel erlebt, bei dem zweifellos viel echte Frömmigkeit im Spiel war.

Eine New Yorker Erweckungsversammlung! Wie deutlich sehe ich heute eine von ihnen vor mir. Es war ein schöner Herbstabend, weder zu warm noch zu kalt. Die Fenster der Kirche standen ein Stück weit offen, denn innen drängte sich die Menge. Jeder Sitz und Stehplatz, jede Stufe, jeder Winkel war besetzt, belegt, rammelvoll.

Man kommt durch die Tür herein, scharf beäugt von einem Mann, der von innen den Türknauf festhält - man hat beim Öffnen der Türe den Druck gespürt, denn der Mann ließ niemanden so ohne Weiteres ein, sondern erst nach einer ernsten und letztlich zufriedenstellenden Musterung von Kopf bis Fuß. Vielleicht wies er einen durch Gesten zu einer Stelle näher am Altar, wo sich, wenn man sich eng zusammendrängte, ein Sitzplatz finden ließ.

"Komm hernieder, o Herr, o komm in dieser Nacht. Komm zu uns, o Herr."

Die Hände hoch erhoben, den Kopf in den Nacken gelegt, das Gesicht schweißüberströmt, so erblickte ich Calvin Peterson und hörte seine Stimme: "Jetzt, Brüder, lasset uns beten."

Und auch Calvin erhob seine Stimme zum Gebet, einem Gebet, das ein inbrünstiger, pathetischer, leidenschaftlicher Appell an den Schöpfer war, ehrfurchtsvoll und vertraut zugleich, mit der stetig wiederholten Bitte, er möge kommen und unter seinen Gläubigen verweilen. Es fehlte Calvins Gebet auch nicht an Gefühl. Er betete für alle, für seine e

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