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Jeden Tag ein bisschen Meer Roman von Jensen, Katharina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.06.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Jeden Tag ein bisschen Meer

Das Meer heilt alle Wunden
Linda liebt ihren Verlobten Markus, ihre Heimat Rügen, das Meer und ihre kleine Pension 'Nordwind', die sie mit viel Leidenschaft führt. Eigentlich könnte alles perfekt sein und trotzdem spürt Linda, dass irgendetwas fehlt. Als der Schriftsteller Paul, der früher immer mit seiner Frau Paula zusammen in der Pension Urlaub machte, plötzlich alleine auftaucht, ist er völlig verändert. Seit dem Verlust seiner geliebten Frau ist Paul ein gezeichneter Mann. Lindas Helfersyndrom ist geweckt. Dass sie sich in den tieftraurigen Paul verliebt, ist nicht vorgesehen und als es trotzdem passiert, hebt das nicht nur ihre Welt völlig aus den Angeln ...

Katharina Jensen, geboren 1984, verbrachte ihre Kindheit und Jugend an der Ostseeküste in Stralsund und auf der Insel Rügen, bevor sie zum Psychologiestudium und arbeiten nach Berlin zog. An die Ostsee, vor allem auf die Insel Rügen, zieht es sie nach wie vor mehrmals im Jahr: Denn was gibt es schöneres, als dort das leichte Wiegen der Dünen im Wind zu beobachten und den Sand zwischen den Zehen zu spüren?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 11.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641216030
    Verlag: Heyne
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Jeden Tag ein bisschen Meer

Kapitel 1

Ich glaube, mein größtes Talent ist, dass ich den Gästen in meiner Pension "Nordwind" ein Gefühl der Geborgenheit gebe, ohne aufdringlich zu wirken. Wenn zum Beispiel ihre Kaffeetasse leer ist, dann versuche ich, sie so schnell wie möglich aufzufüllen, ohne den Gästen den Eindruck zu vermitteln, ich würde sie die ganze Zeit beobachten oder ihnen hinter dem kleinen Frühstücksbüfett geradezu auflauern.

Auch das richtige Frühstücksbüfett gehört zu den Kunststücken meiner Arbeit: Natürlich ist es ganz entscheidend, was dort angeboten wird. Bei mir gibt es zuallererst einmal Brötchen und Brot, jeden Morgen frisch von meiner Mama gebacken, die gleich nebenan ihre Bäckerei hat und mich auch sonst stets unterstützt. Die Marmeladen dazu koche ich selbst ein, je nach Saison mit Erdbeeren, Pflaumen oder Birnen (Rezepte stammen ebenfalls von meiner Mutti). Das Geschirr mit den zarten blauen Wellen am Rand, auf dem alles serviert wird, hat der Töpfermeister in Middelhagen entworfen und hergestellt. Die Wurst stammt von der Rügener Landschlachterei in Gademow. Und natürlich ist das Obst saisonal und kommt, soweit möglich, aus der Region. Die Verwendung von lokalen Produkten ist mir besonders wichtig, selbst wenn das meist etwas mehr Geld kostet.

Aber wenn wir Rüganer hier auf unserer Insel nicht zusammenhalten, wer denn dann? Immerhin sind wir eine verschworene Gemeinschaft, die im Winter schon mal gemeinsam vom Festland abgeschnitten sein kann, wenn die Straßen nicht schnell genug geräumt werden (der Winter überrascht den Winterdienst ja bekanntermaßen jedes Jahr).

Neben den Lebensmitteln habe ich kleine, selbst bemalte Schilder aufgestellt, auf denen steht, woher sie stammen (meine Kalligrafiefähigkeiten habe ich mir dank Internetvideos angeeignet - und ich bin mächtig stolz darauf!). Ich bin mir sicher, dass meine Gäste das besonders zu schätzen wissen. Immerhin schmeckt doch die Marmelade gleich noch viel besser, wenn man weiß, wer sie eingekocht hat und wenn sie in einem originellen kleinen Krug präsentiert wird. In der Mitte des Büfetts prangt, als i-Tüpfelchen sozusagen, immer ein großer Strauß bunter Feldblumen - da bekommt man morgens gleich gute Laune! Sowohl beim Pflücken als auch beim Angucken.

Es sind diese kleinen aber feinen Details, die mir an meiner Arbeit besonders viel Spaß machen. Vor allem aber liebe ich die Vielseitigkeit. Und dass ich in meiner Pension mein eigener Herr bin. Ich entscheide, was wichtig ist - gemeinsam mit meinen Gästen natürlich. Zwar habe ich vielleicht nicht die gleichen Profite wie die Bettenburgen in Binz oder Göhren, aber eben auch nicht den gleichen Druck, ständig noch mehr und mehr zu verdienen. Zu optimieren und dann noch ein bisschen mehr zu optimieren und alles bis ins letzte Detail auf Effizienz zu trimmen. Ich möchte jeden Tag etwas Besonderes schaffen, um Menschen damit glücklich zu machen. Das mag etwas hochgegriffen klingen ... und damit genau richtig. Denn wenn meine Ziele schon zu klein sind, wie soll denn erst die Realität sein?

Mir fällt auf, dass die Käseplatte etwas Verstärkung gut gebrauchen könnte und laufe darum kurz in die Küche, um noch etwas mehr von unserem Inselkäse, dem Rügener Badejunge, zu holen. Wie so oft hänge ich weiter meinen Gedanken nach. Ja, es stimmt, so richtig viel Gewinn mache ich mit der Pension nicht. Mein Freund Markus meint ja öfter, dass ich wirtschaftlicher denken soll. Aber Markus - so viele positive Eigenschaften er sonst auch haben mag - ist wirklich kein guter Gastgeber. Er ist eher jemand, der die Dinge mit kühler Sachlichkeit auf Kosten und Nutzen abklopft, während ich mit dem Bauch entscheide. Und den Augen und dem Herzen. Ich möchte, dass Dinge schön aussehen und sich gut anfühlen. Deshalb würde ich zum Beispiel lieber einen Pullover kaufen, der besonders hübsch aussieht und meinetwegen etwas teurer ist, als zwei weniger schöne für den gleichen Preis

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