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Jeder Tag ist Muttertag Roman von Mantel, Hilary (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.04.2016
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Jeder Tag ist Muttertag

"Herrlich bitterböse und eine Ode auf das Anderssein." Anne Haeming, BRIGITTE WIR Längst haben es die Nachbarn aufgegeben, mit Evelyn und Muriel Axon Kontakt zu pflegen. Das ist Evelyn, die früher gelegentlich als Medium arbeitete und sich von Geistern verfolgt fühlt, nur recht. Zusammen mit ihrer Tochter verbarrikadiert sie sich in ihrem Haus, das mehr und mehr verfällt. Mit den Sozialarbeitern, die ihre geistig behinderte Tochter fördern wollen, wird sie schnell fertig. Aber wie soll sie mit Muriels Schwangerschaft und dem Kind, wenn es denn mal da ist, umgehen? Isabel Field ist als neue Sozialarbeiterin davon überzeugt, den Widerstand der Axon-Damen zu brechen. Sie ist ähnlich verbissen und starrköpfig wie Evelyn. Und hat ebenso viele Probleme: einen sexuell sehr aktiven Vater, der seine Eroberungen in den Waschsalons der Kleinstadt macht, und einen schwärmerischen, aber angstgetriebenen Liebhaber, Colin Sidney, der Abendklassen besucht, um seiner dominanten Frau zu entkommen. Wäre da noch Muriel. Sie scheint ganz offensichtlich ein eigenes Leben zu haben, von dem weder ihre Mutter noch die Sozialarbeiter etwas ahnen. Und man fragt sich, ob Muriel wirklich so behindert ist, wie alle glauben. Hilary Mantel, geboren 1952 in Glossop, England, war nach dem Jura-Studium in London als Sozialarbeiterin tätig. Für den Roman Wölfe Falken Jeder Tag ist Muttertag Im Vollbesitz des eigenen Wahns

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 20.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832189037
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: Every Day Is Mother's Day
    Größe: 1061 kBytes
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Jeder Tag ist Muttertag

KAPITEL 1

Als Mrs Axon vom Zustand ihrer Tochter erfuhr, war sie eher überrascht, als dass Muriel ihr leidgetan hätte, was nicht hieß, dass es sie nicht sehr betrübte. Muriel ihrerseits schien zufrieden. Sie saß mit gespreizten Beinen da, die Arme um sich geschlungen, als versenkte sie sich ganz in den Moment. Auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck närrischer Seligkeit.

Es war immer schwer zu sagen, was Muriel gefallen würde. Als der alte Mann im Winter auf der Straße gestürzt war und sich die Hüfte gebrochen hatte, da hatte sie sich vor Lachen kaum zu halten gewusst. In gewisser Weise war sie wirklich eine außerordentliche Person. Es kam nicht oft vor, dass sie lauthals lachte.

Klack, klack, klack, sagten die falschen Krokodile, Mrs Sidneys Schuhe. Ohne einen Fehltritt ging sie die Straße entlang und über die boshaft angehobene Kante der Gehwegplatte, die Mr Tillotson im Winter hatte stolpern und sich die Hüfte brechen lassen, woraufhin sie eine Petition ans Rathaus geschickt hatten. Mrs Sidneys gesunde Beine, die Beine einer Fünfundzwanzigjährigen, bewegten sich wie eine Schere den Gehweg hinunter, doch sie sah blass und müde aus, und ihre scharlachroten Lippen zeugten von geheuchelter Heiterkeit. Sie hatte das Rot über die Umrisse ihrer schmalen Lippen hinaus zu einem kurvenreichen Bogen aufgetragen. In einer Zeitschrift hatte sie gelesen, dass man das tun konnte. Von dem, was zwischen den gesunden Beinen und dem eingefallenen Gesicht lag, sprechen wir besser nicht. Mrs Sidney kümmerte sich nicht weiter um ihren Rumpf, sie hatte ihn aufgegeben. Jetzt blieb sie bei dem Haus mit dem Namen "Die Goldregen" stehen, bei der wuchernden, mit weißem Vogeldreck besprenkelten und durch ein amateurhaftes In-Form-Schneiden verwüsteten Ligusterhecke. Tränen vernebelten ihren Blick. Sie trug ihren schwarzen Mantel mit Nerzbesatz.

Arthur war bei ihr gewesen, als sie den Mantel gekauft hatte. Das gute Stück war ins Budget aufgenommen worden, nachdem sie seine Notwendigkeit sorgfältig überdacht hatten. Es war Arthur peinlich gewesen, zwischen all den Kleiderständern zu stehen. Wie Prinz Philip legte er die Hände auf dem Rücken zusammen, den Blick abgewandt, und bemühte sich, den Eindruck eines tief in Gedanken versunkenen Mannes zu erwecken. Sie zerrte ihn nicht lange durch alle möglichen Läden, sie wusste, was sie wollte. "Ein guter Mantel", sagte sie, "ein guter Mantel ist jeden Penny wert, den man für ihn ausgibt."

Zwei probierte sie an, dann den schwarzen. Die Verkäuferin war sechzehn und nicht an ihrem Job interessiert. Einen Arm schlaff über den Kleiderständer gelegt, reckte sie die Hüfte vor und sah zu, wie Mrs Sidney die beladenen Bügel vor- und zurückschob. Das Mädchen hatte keine Ahnung vom Schnitt eines guten Stoffmantels. Mrs Sidney zog die Handschuhe aus und strich genüsslich über den kleinen Nerzkragen. Sie versuchte Arthurs Aufmerksamkeit zu erlangen, aber der sah nicht zu ihr hin, und einen Moment lang wogte Groll in ihr auf. Achtlos warf sie ihren alten Kamelhaarmantel über einen der Ständer. Bis heute Morgen war er noch ihr bestes Stück gewesen, doch jetzt kam er ihr schäbig und unangemessen vor. Vorsichtig öffnete sie die Knöpfe und schob die Arme in das seidige Futter. Als sie sich drehte, um auch den Rücken im Spiegel zu betrachten, lächelte sie die Verkäuferin zaghaft an. "Denken Sie, die Länge ...?"

Das Mädchen hob achselzuckend die mageren Schultern.

Arthur lächelte ihm nachsichtig zu, die Hände immer noch auf dem Rücken.

"Ich nehme ihn", sagte Mrs Sidney und tänzelte auf Arthur zu.

"Sehr schön, Liebes", sagte Arthur. "Bist du sicher, dass es das ist, wonach du gesucht hast?"

Sie nickte lächelnd. Er wäre auch bereit gewesen, das wusste sie, zwanzig Pfund mehr auszugeben, nachdem er der

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