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Jenny von Lewald, Fanny (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.03.2016
  • Verlag: Reese Verlag
eBook (ePUB)
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Jenny

Dieser Roman gilt als einer der bedeutendsten und frühesten 'Frauenromane' des 19. Jahrhunderts in deutscher Sprache, vergleichbar mit den zeitgleich entstandenen Werken der Brontë-Schwestern in England. Das Werk ist sowohl für die Frauen- als auch die Judenemanzipation in Europa bedeutend gewesen, da hier zum ersten Mal eine Frau relativ offen soziale und politische Umwälzungen mittels der Literatur forderte. Außerdem verglich Lewald darin direkt die Frauen- mit der Judenemanzipation. Fanny Lewald (1801-1898) vermittelt ein authentisches Bild vom Leben und von der Liebe einer Jüdin im Kampf gegen die Vorurteile ihrer Zeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 332
    Erscheinungsdatum: 31.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959800532
    Verlag: Reese Verlag
    Größe: 487 kBytes
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Jenny

1

Bei Gerhard, dem ersten Restaurant einer großen deutschen Handelsstadt, hatte sich im Spätherbst des Jahres 1832 nach dem Theater eine Gesellschaft von jungen Leuten in einem besondern Zimmer zusammengefunden, die anfänglich während des Abendessens heiter die Begegnisse des Tages besprach, allmählich zu dem Theater und den Schauspielern zurückkehrte und nun in schäumendem Champagner auf das Wohl einer gefeierten Künstlerin, der Giovanolla, trank, welche an jenem Abende die Bühne betreten hatte.

"Sie soll leben und blühen in ewiger Schönheit!" sagte entzückt der Maler Erlau, "und möge es mir vergönnt sein, die Feueraugen und den Götternacken dieses Mädchens immer vor meinen Augen zu haben, wie sie sich mir bei der gestrigen Sitzung zeigten. Ihr seht sie alle in der falschen, täuschenden Beleuchtung der Bühne und könnt nicht ahnen, wie schön ihre Farben, wie regelmäßig und vollendet ihre Züge und wie üppig ihre Formen sind. Ich sage euch, sie ist der Typus einer italienischen Schönheit."

"Wenn sie nur nicht so verdammt jüdisch aussähe", sagte wegwerfend der junge Horn, der Sohn und Erbe eines reichen Kaufmanns. "Ich sagte es gleich zu meinem Vetter Hughes, den ich Ihnen, lieber Erlau, als einen Mitenthusiasten empfehlen kann und der für nichts Augen hatte als für diese Person, die mir wirklich mit all ihrer gepriesenen italienischen - oder sagten Sie orientalischen? - Schönheit im höchsten Grade mißfallen hat. Wir lieben in unserer Familie diese Art von Schönheit nicht, es ist eine uns angeborene Antipathie, und mir wurde erst wieder in England bei den schlanken, blonden Insulanerinnen recht wohl, nachdem ich mich in Havre ein Jahr lang unter jenen kleinen, brünetten Französinnen in der Frankfurter Judengasse geglaubt hatte."

"Apropos Judengasse, lieber Ferdinand!" fiel der Vetter, ein geborner Engländer und erst seit wenig Tagen in dieser Stadt, dem Sprechenden ins Wort, "wer war wohl das ganz junge Mädchen in der zweiten Loge rechts von der Bühne? Sie ist offenbar eine Jüdin, aber es ist ein sehr interessantes Gesicht."

"Ich kenne die Leute nicht", antwortete der Gefragte.

"Schämen Sie sich", rief im komischen Zorn der Maler, "und verleugnen Sie nicht, wie unser heiliger Apostel Petrus seligen Angedenkens, Ihren Meister und Herrn. Sie sollten den reichen Bankier Meier nicht kennen, bei dessen Vater Ihr Herr Vater die Handlung erlernte und von dem er die Mittel zu seinem Etablissement erhielt, als er sich in Ihre Mutter verliebte? Freilich kam Ihr Herr Papa durch diese Heirat in die schönste Mitte der Kaufmannsaristokratie und mag in der Gesellschaft wohl seine alttestamentarischen Verbindungen vergessen haben."

Horn war halb beleidigt, halb verlegen. "Ach so!" sagte er, "die Meiers hatten die Loge? Es waren die Meiers? Die Tochter soll ein hübsches Mädchen werden, eine sehr reiche Erbin, sie steht noch zu Diensten, lieber Vetter! - Das ist aber auch alles, was ich von ihnen weiß."

"So erlauben Sie mir", nahm der Kandidat Reinhard, ein schöner junger Mann, der bis dahin schweigend der Unterhaltung zugehört hatte, die ihm nicht zu gefallen schien, das Wort, "so erlauben Sie mir, Ihnen, falls es Sie interessiert, nähere Auskunft über die Familie zu geben. Das Meiersche Haus ist eines der gastlichsten in unserer Stadt, die Mutter eine freundliche, wohlwollende Frau, der Vater ein sehr gescheiter und braver Mann, der ein offenes Herz für die Menschen und die Menschheit hat und sich lebhaft für alles interessiert, was es Großes und Schönes gibt. Die Leute haben nur zwei Kinder: einen Sohn, der mein genauer Freund ist, den Doktor Meier, und eben diese Tochter, Jenny Meier, die ich bis vor kurzem unterrichtet habe."

"Und ist niemand da, der die Handlung fortsetzt, wenn der alte Meier, dessen Firma ja sehr bekannt ist, einmal stirbt?" fragte der Vetter.

"Jawohl, ein Neffe, seines Bruders Sohn, der auch Meier h

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