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Jenseits der Erwartungen Roman von Russo, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.05.2020
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Jenseits der Erwartungen

An einem Spätsommertag auf Martha's Vineyard treffen sie sich wieder: Lincoln, Teddy und Mickey. Die drei Männer planen, das Wochenende in einem Ferienhaus auf der Insel zu verbringen - um der alten Zeiten willen. Seit dem Studium zu Vietnamkriegszeiten sind sie miteinander befreundet. Sie sind sehr unterschiedliche Wege gegangen, doch alle waren sie einst in dasselbe Mädchen verliebt: Jacy Calloway. Kurz nach ihrem Abschluss verschwand Jacy spurlos. Aber keiner von ihnen hat die Freundin vergessen - oder die Frage, wen von ihnen Jacy eigentlich liebte. Schließlich beginnt Lincoln, sich erneut mit den Umständen ihres rätselhaften Verschwindens zu beschäftigen. Was ist damals wirklich passiert? Richard Russo erzählt von drei Menschen, die sich fremd geworden sind, und vom Umgang mit der Unsicherheit, ob die eigenen Lebensentscheidungen die richtigen waren. Wie nebenbei ergibt sich daraus das Porträt eines Landes, das sich selbst nicht mehr ganz versteht. Mit Jenseits der Erwartungen Diese gottverdammten Träume Diese alte Sehnsucht Ein grundzufriedener Mann Ein Mann der Tat Immergleiche Wege

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 19.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832184940
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: Chances are ...
    Größe: 1735 kBytes
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Jenseits der Erwartungen

Prolog

Die drei alten Freunde kamen in umgekehrter Reihenfolge auf der Insel an - der, der am weitesten weg wohnte, zuerst, der am nächsten Wohnende zuletzt: Lincoln, ein Immobilienmakler, aus Las Vegas, war also praktisch einmal quer durchs ganze Land gereist; Teddy, ein Kleinverleger, aus Syracuse; Mickey, ein Musiker und Toningenieur, aus dem nahe gelegenen Cape Cod. Alle waren sechsundsechzig und hatten gleichzeitig ein humanistisch ausgerichtetes College in Connecticut besucht, wo sie im Haus der Studentinnenverbindung Theta in der Küche oder im Service gearbeitet hatten. Die anderen Aushilfen, die meisten von ihnen Mitglieder anderer Verbindungen, behaupteten, diesen Job aus freien Stücken auszuüben, weil es nirgendwo sonst so viele heiße Mädchen gebe wie im Theta House. Lincoln, Teddy und Mickey indes schlugen sich mit einem Stipendium durch und mussten aus mehr oder weniger drängenden finanziellen Gründen nebenbei arbeiten. Lincoln, genauso gut aussehend wie die Verbindungsjungs, wurde sofort als »Frontmann« eingesetzt, was hieß, dass er in einer weißen hüftlangen Kellnerjacke die Verbindungsstudentinnen im großen Speisesaal des Theta House bedienen durfte. Teddy, der bereits während seiner letzten Highschool-Jahre in einem Restaurant gejobbt hatte, wurde Kochgehilfe und durfte Salate vorbereiten, Soßen anrühren und die Vorspeisen und Desserts auf Tellern anrichten. Und Mickey? Die, die ihn einstellten, taxierten ihn nur kurz und beförderten ihn dann zur Spüle hinüber, wo sich ein riesiger Berg schmutziger Töpfe neben einem Karton Scheuerspiralen stapelte. So viel zu ihrem ersten Studienjahr. In ihrem vierten Jahr war Lincoln zum Chefkellner avanciert und konnte seinen beiden Freunden einen Job im Speisesaal anbieten. Teddy, der die Nase von der Küche voll hatte, nahm ohne zu zögern an, während Mickey bezweifelte, dass es eine Kellnerjacke gab, in die er hineingepasst hätte. Er wollte lieber Küchensklave bleiben, als draußen im Frontbereich den hübschen Mädchen schöne Augen zu machen, weil er in der »Kombüse«, wie er es nannte, schalten und walten konnte, wie er wollte.

Mittlerweile waren vierzig Jahre vergangen, und alle drei wussten, was sie dem Minerva College zu verdanken hatten: Die Kurse waren klein gewesen, ihre Professoren kompetent und den Studenten zugeneigt. Auf den ersten Blick mochte es wie ein x-beliebiges College der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre wirken. Die Jungs trugen lange Haare, ausgeblichene Jeans und T-Shirts mit psychedelischen Aufdrucken. In den Zimmern rauchte man Gras und überdeckte den Qualm mit Räucherstäbchen, während man den Doors und Buffalo Springfield lauschte. Doch das waren bloß äußerliche Statements. Für die meisten Studenten war der Krieg weit weg, etwas, was in Südostasien geschah und in Berkeley und im Fernsehen diskutiert wurde, aber nichts mit ihrem Leben an der Küste Connecticuts zu tun hatte. Die Verfasser der Leitartikel des Minerva Echo beklagten in schöner Regelmäßigkeit das Fehlen eines wirklichen politischen Engagements. »'Nothin's happenin' here' -, schrieb einer und nahm damit Buffalo Springfields berühmten Song auf die Schippe. 'Why that is ain't exactly clear'.«

An keinem anderen Ort auf dem Campus waren die Studenten weniger aufrührerisch als im Theta House. Ein paar Mädchen rauchten Gras und trugen keinen BH, aber abgesehen davon lebten sie wie auf einer abgeschiedenen Insel. Und doch offenbarte sich den Studenten die Realität hier weitaus mehr als in ihren Kursen. Die Unterschiede zu ihrer eigenen Welt mussten selbst Neunzehnjährigen wie Lincoln und Teddy und Mickey ins Auge fallen. Die Autos auf dem Parkplatz hinter dem Theta House waren nicht nur nobler als die auf dem regulären Studentenparkplatz, sondern auch als jene in dem Bereich, wo die Dozenten parkten. Noch merkwürdiger war, jedenfalls für die jungen Männer, die nicht aus wohlhabenden Fam

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