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Johannes - Versuch einer Ehe zu dritt von Licht, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.10.2013
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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Johannes - Versuch einer Ehe zu dritt

Vor, während und nach den gesellschaftlichen Veränderungen im Osten Deutschlands vollzog sich das ungewöhnliche Leben jenes Medizinstudenten und späteren Arztes, von dem uns Wolfgang Licht erzählt. Der Kern des Geschehens verleiht dem Buch hierzulande das Siegel der Einmaligkeit: Zwischen dem Mann und zwei Frauen entwickelt sich eine eindrucksvolle Beziehung starker seelischer Bindungen und spektakulärer sexueller Dreisamkeit, die als beglückende Erweiterung der Persönlichkeit erlebt wird. Dennoch kann das Unheil nicht ferngehalten werden, was schließlich zu einem tragischen Schicksal der "menage á trois" führt. Das Buch erschien erstmals 2002 im Tauchaer Verlag. LESEPROBE: All diese Reden waren wohl nur ein Mittel, um das, was sie im Augenblick fühlten, auch das Warten auf etwas, zu verdrängen. Nun schwiegen sie wieder. Sehr lange. Im Atelier war es warm, zu warm. Man kann die Heizung nicht abstellen, hatte Judith gesagt. Ab und zu knackte es in den Rohren. Die Flammen der Kerzen brannten ruhig, rauchlos. Die Gesichter der drei waren in einen halbhellen Lichtkreis getaucht. Gelegentlich huschten Schatten darüber, wenn die Flammen der Kerzen durch einen Lufthauch erzitterten. Da sagte Judith, sie habe einen guten Cognac, ägyptischen. - Oh, riefen Mareen und John fast gleichzeitig. Judith holte die Flasche und Gläser. Goss ein. Die warme, dunkle Farbe des Cognacs in den bauchigen Gefäßen. Ein exotisch-würziger Duft mischte sich mit dem Geruch der brennenden Kerzen. - Auf uns, sagte John und räusperte sich. Sie tranken. - Schwer und süßlich, sagte Mareen. Und wieder schwiegen sie. Da meinte John, sie könnten etwas spielen. Zum Beispiel "Lebende Bilder". Eine Art Krippenspiel, John sagte es im burschikosen Ton. Ort und Zeit sind danach. - Wie meinst du das? - Ich denke an die beiden Bilder; das von Mareen, welches Judith damals gemalt hat, und das von Judith. - Von Judith gibt es auch eins? sagte Mareen. - Meine Kollegin hat es gemalt, sagte Judith, und John war so unverschämt, es sehen zu wollen. - Ach, John hat es schon gesehen, sagte Mareen. Mir gefällt es nicht, erwiderte Judith schnell. - Wir brauchen ja diese Bilder nicht, so John. Ihr müsst sie bloß nachstellen. - Und du, was machst du? - Ich verteile Preise, spiele den Paris. - Ein Theater also, meinte Mareen. - Oder ein Spiel, sagte Judith. - Und wieder Mareen: Wo soll es stattfinden und wie? - Wolfgang Licht wurde 1938 in Leipzig geboren. Nach dem Abitur an der Petri-Schule in Leipzig wurde er an der Universität Leipzig für das Fach Biologie immatrikuliert. Später wählte er das Medizinstudium. Promotion zum Dr.med. Er wurde Facharzt für Allgemeinmedizin, danach arbeitete er als Arzt im Fach Frauenheilkunde. Die Lust an der Poesie, schon als Kind erfahren, war niemals erloschen. Die Frage: Schreiben oder nicht, ließ sich nicht länger unterdrücken. Das war für ihn keine Frage der Logik. Er würde für Unbekanntes einen "ehrlichen" Beruf aufs Spiel setzen. Er hatte von Anfang an "den Menschen" erkunden wollen. Dazu hat ihm die medizinische Wissenschaft auch gedient. Er glaubte dort die Grundlagen unseres Denkens und Fühlens zu entdecken, Zugang zum innersten Kreis des Menschen zu haben. Doch als Arzt durfte er die Scham der anderen und seine eigene nicht durch Neugierde verletzen. So war der Zwang entstanden, Poesie zu machen. Schließlich begann er seinen Debüt-Roman zu schreiben, der bei "Aufbau- Berlin und Weimar" veröffentlicht wurde. Weitere Werke folgten. Dem Schriftstellerverband der DDR trat er, trotz Aufforderung, nicht bei. Nach der Wende wurde er Mitglied im VS. Er wurde Gründungsmitglied des "Kulturwerkes deutscher Schriftsteller in Sachsen", in dessen Vorstand er arbeitet. Bibliografie: Bilanz mit Vierunddreißig oder die Ehe der Claudia M., Aufbau-Verlag, Berlin 1983 (1986 in tschechischer Übersetzung in Prag erschienen) Die Geschichte der Gussmanns, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1986 Leibarzt am sächsischen Kö

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 609
    Erscheinungsdatum: 12.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863947644
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 733 kBytes
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Johannes - Versuch einer Ehe zu dritt

All diese Reden waren wohl nur ein Mittel, um das, was sie im Augenblick fühlten, auch das Warten auf etwas, zu verdrängen. Nun schwiegen sie wieder. Sehr lange. Im Atelier war es warm, zu warm. Man kann die Heizung nicht abstellen, hatte Judith gesagt. Ab und zu knackte es in den Rohren. Die Flammen der Kerzen brannten ruhig, rauchlos. Die Gesichter der drei waren in einen halbhellen Lichtkreis getaucht. Gelegentlich huschten Schatten darüber, wenn die Flammen der Kerzen durch einen Lufthauch erzitterten. Da sagte Judith, sie habe einen guten Cognac, ägyptischen. - Oh, riefen Mareen und John fast gleichzeitig. Judith holte die Flasche und Gläser. Goss ein. Die warme, dunkle Farbe des Cognacs in den bauchigen Gefäßen. Ein exotisch-würziger Duft mischte sich mit dem Geruch der brennenden Kerzen. - Auf uns, sagte John und räusperte sich. Sie tranken. - Schwer und süßlich, sagte Mareen. Und wieder schwiegen sie. Da meinte John, sie könnten etwas spielen. Zum Beispiel "Lebende Bilder". Eine Art Krippenspiel, John sagte es im burschikosen Ton. Ort und Zeit sind danach. - Wie meinst du das? - Ich denke an die beiden Bilder; das von Mareen, welches Judith damals gemalt hat, und das von Judith. - Von Judith gibt es auch eins? sagte Mareen. - Meine Kollegin hat es gemalt, sagte Judith, und John war so unverschämt, es sehen zu wollen. - Ach, John hat es schon gesehen, sagte Mareen. Mir gefällt es nicht, erwiderte Judith schnell. - Wir brauchen ja diese Bilder nicht, so John. Ihr müsst sie bloß nachstellen. - Und du, was machst du? - Ich verteile Preise, spiele den Paris. - Ein Theater also, meinte Mareen. - Oder ein Spiel, sagte Judith. - Und wieder Mareen: Wo soll es stattfinden und wie? - Hier, antwortete John rasch, das Atelier ist die Bühne, und ihr seid die Schauspielerinnen, die das Stück aufführen. - Bloß, dass wir kein Stück haben. - Ein Stegreifspiel ist immer am Aufregendsten, meinte John. Ich habe diese Bilder vor Augen, sagte er, ich könnte eure Stellung und Haltung korrigieren, wenn sie falsch wäre. Und zu Judith: Du lagst doch, so weit ich mich erinnere, auf einer Matte. Hast du die noch? - Ja. - Könntest du sie holen? - Judith stand auf, trank aus dem Cognacglas und ging, die Matte zu holen. - Hilfst du mir, rief sie John zu. - Die Matte hing an Schlaufen an der Wand neben den Regalen. John und Judith hoben sie ab und trugen sie in die Mitte des Ateliers. Sie ist breit genug für euch beide, sagte John. Auch Mareen war herangekommen. - Fangt an, forderte John. Judith führte Mareen an der Hand zu der Stelle, wo sie ihre Position einnehmen sollte: diesmal kniend, die Arme hinter dem Nacken verschränkt. Mein Rock ist zu eng, sagte Mareen, das wird nichts. - Das kann ja nichts werden, so John, damals hattet ihr doch nichts an. - Er zwang sich, diese Worte in belanglosem Ton zu sagen. Er ging zum Tisch, nahm ebenfalls einen Schluck Cognac. - Willst du auch einen, er wendete sich an Mareen. - Sie schwieg, sagte dann: So hast du das gemeint. - Sie blieb in der Position, die Judith ihr angewiesen hatte. Sah John an, dann Judith. Ihr Gesicht war von Röte übergossen. Da kniete sich John neben sie, öffnete die Knöpfe ihrer Bluse. Sie ließ es zu, dass er sie entkleidete, als wäre sie ein Kind. Judith stand daneben, reglos. Johns Pulse schlugen bis zum Hals. Eine fiebrige Spannung erfüllte ihn. - Du musst nun auch ... , sagte er und fasste nach Judiths Kleid. Sie hielt seine Hand fest, entkleidete sich dann rasch, legte sich neben Mareen. Bilder mussten nicht mehr nachgestellt werden. Der nackte John, man konnte nun auch sehen, wie es um ihn stand, zwängte sich zwischen die beiden Mädchen. Vor Aufregung einen Augenblick unschlüssig, nach welcher Seite er sich zuerst wenden sollte, fasste er beide an, beugte sich dann über Mareen. Da spürte er, wie Judith ihn leicht an der Schulter berührte, und er umfing Mareen, fühlte die Wärme und Weichheit ihres Körpers. Aus den Augenwinkeln blickte er nach

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