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Johannes Angelos Sein Tagebuch von der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 am Ende des Zeitalters Christi von Waltari, Mika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.08.2015
  • Verlag: Kuebler Verlag
eBook (ePUB)
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Johannes Angelos

Im Dezember 1452, ein halbes Jahr vor dem Fall Konstantinopels und dem Ende des tausendjährigen Byzantinischen Reiches, kommt ein Fremder nach Konstantinopel, ein 'Lateiner', der sich auf Französisch Jean Ange, auf Griechisch Johannes Angelos nennt. Seine Herkunft liegt im Dunkeln; man weiß nur, dass er lange am Hof des Osmanensultans Mehmed geweilt hat. Johannes schließt sich den Verteidigern der Stadt an und wird zum engsten Mitarbeiter des genuesischen Söldnerkommandanten Giovanni Giustiniani, der sich mit seinen Soldaten in den Dienst des byzantinischen Kaisers gestellt hat, denn tagtäglich erwartet man den Angriff des übermächtigen osmanischen Heeres. Johannes verliebt sich in Anna Notaras, die Tochter des Anführers der türkenfreundlichen Partei am byzantinischen Kaiserhof. Ihr enthüllt er schließlich auch das Geheimnis seiner Herkunft ... Der in Tagebuchform verfasste Roman schildert auf packende und eindringliche Weise die letzten Monate des Byzantinischen Reiches und führt die Geschichte des Johannes Peregrinus fort. Unter dem Titel 'Der dunkle Engel' war der Roman auf dem deutschen Buchmarkt bisher nur in einer gekürzten, über mehrere Brückensprachen erfolgten Übertragung erhältlich. Diese Neuübersetzung, die bei Kuebler Verlag erscheint, ist ungekürzt und wurde direkt aus dem finnischen Original ins Deutsche übertragen.

Mika Waltari (1908-1979) gehörte zu den produktivsten finnischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Er ist in seiner finnischen Heimat nach wie vor äußerst populär und hat dort den Status eines modernen Klassikers. Sein Werk umfasst rund hundert Titel, darunter Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Reiseberichte, Drehbücher und Hörspiele. Im Ausland wurde er besonders durch seine historischen Romane bekannt, denen oftmals der Sprung auf die Bestsellerlisten gelang ('Sinuhe der Ägypter', 'Michael der Finne', 'Michael el-Hakim', 'Johannes Angelos', 'Turms der Unsterbliche', 'Minutus der Römer' und andere). Sie zeichnen sich sämtlich durch sorgfältige Recherche aus und schildern auf packende Weise menschliche Schicksale in verschiedenen Epochen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 31.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863462444
    Verlag: Kuebler Verlag
    Größe: 2088 kBytes
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Johannes Angelos

Dezember 1452

12. Dezember 1452

Ich sah dich zum ersten Mal und sprach mit dir.

Es war, als wäre ein Erdbeben über mich hinweggegangen. Alles wankte in mir, die innersten Gruben meines Herzens brachen auf, und ich kannte mich nicht wieder.

Ich war vierzig Jahre alt und glaubte, nun im Herbst des Lebens zu stehen.

Ich war viel umhergewandert, hatte viel erlebt und viele Leben durchlebt.

Gott hatte in mancherlei Gestalt zu mir gesprochen; Engel waren mir erschienen, aber ich hatte ihnen nicht geglaubt.

Als ich dich sah, glaubte ich, da mir nun ein solches Wunder widerfahren war.

Ich sah dich vor der Sophienkirche, bei den Bronzetoren. Sie kamen alle aus der Kirche heraus, in der vorgeschriebenen zeremoniellen Ordnung, nachdem Kardinal Isidor auf Lateinisch und Griechisch die Vereinigung der Kirchen verkündet hatte. Da herrschte eisige Stille in der Kirche. Sodann leitete er eine glanzvolle Messe und las dabei auch das Glaubensbekenntnis. Als er zu dem Zusatz "und vom Sohne" gekommen war, schlugen viele die Hände vor das Gesicht, und auf den Emporen hörte man die Frauen bitterlich schluchzen. Ich stand in dem Gedränge im Seitenschiff neben einer grauen Säule. Als ich sie mit meiner Hand berührte, spürte ich, dass sie feucht war, so als hätte selbst die steinerne Säule kalten Schmerzensschweiß ausgeschwitzt.

So kamen sie alle aus der Kirche heraus, in der seit Jahrhunderten vorgeschriebenen zeremoniellen Reihenfolge, in ihrer Mitte der Basileus, Kaiser Konstantin, ernst und aufrecht, das schon ergraute Haupt unter den goldenen Bügeln seiner Krone. Sie kamen, und der Kleiderstoff jedes Einzelnen von ihnen, samt jeweiliger Farbe und Schmuck, all das war zeremoniell festgelegt, bei den Beamten vom Palast zu Blachernae, den Ministern, Logotheten und Anthypatoi, allen Senatsmitgliedern und den ihnen folgenden Archonten von Konstantinopel, geordnet nach Herkunft und Geschlecht. Keiner hat es gewagt, demonstrativ nicht zu erscheinen. Zur Rechten des Kaisers ging sein Staatssekretär Sphrantzes, der mit seinen kaltblauen Augen das Volk betrachtete. Ihn kannte ich nur allzu gut. Unter den Lateinern erkannte ich auch den Bailo der Venezianer und so manchen anderen wieder.

Megadux Lukas Notaras, den Großherzog und Befehlshaber der kaiserlichen Flotte, hatte ich bisher noch nicht gesehen. Er war einen Kopf größer als die anderen, ein dunkler und hochmütig auftretender Mann. In seinen Augen blitzte Spott auf, gepaart mit Intelligenz, während sich in seinem Antlitz dieselbe sehnsuchtsvolle Melancholie widerspiegelte, die für die Angehörigen der alten griechischen Geschlechter typisch ist. Als er aus der Kirche trat, machte er einen erhitzten und zornigen Eindruck, so als könnte er die furchtbare Schande nicht ertragen, die seine Kirche und sein Volk nun erleiden mussten.

Die Farben der Gewänder, das griechische Blau und Weiß, die mit Gold und Perlen besetzten Zeremonialmäntel und die verschiedenfarbigen Edelsteine blendeten das Volk. Die Sonne schien, und auf dem Platz vor der Kirche stand das Volk dicht gedrängt. In der Menge waren bärtige, bald verzweifelt, bald grimmig dreinblickende Mönche in ihren schwarzen Gewändern und ihren hohen schwarzen Kapuzen, fanatisierte Handwerker und Kaufleute, Seeleute vom Hafen und Fischer. Aber die meisten waren Mönche. Jeder Dritte, der mir auf den Straßen entgegenkam, war ein Mönch. Schon Hunderte von Kirchen gehörten zu Klöstern, sodass der vom Papst anerkannte Patriarch, Gregorios Mamas, welchen das Volk nur den falschen Patriarchen nannte, eigentlich nur noch über sieben Kirchen gebot.

Als die Reitpferde an den Zügeln herangebracht wurden, entstand ein Tumult; aus dem Volk begannen Rufe zu ertönen, darunter auch Flüche über die Lateiner. "Weg mit d

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