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Johannes Peregrinus Der junge Johannes. Historischer Roman. Deutsche Erstveröffentlichung von Waltari, Mika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2014
  • Verlag: Kuebler Verlag
eBook (ePUB)
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Johannes Peregrinus

Zeit: 1436 bis 1452 n. Chr. Der siebzehnjährige, elternlose Johannes lernt auf seinen Wanderungen durch Frankreich und Burgund eine reiche Gönnerin kennen, die ihm eine Stelle als Schreiber auf dem Konzil zu Basel verschafft, wo er Nikolaus Cusanus kennenlernt, einen der wichtigsten Philosophen und Theologen seiner Zeit. Zusammen mit ihm begibt er sich nach Konstantinopel, wo Vorverhandlungen über eine Wiedervereinigung der römischen und der byzantinischen Kirche stattfinden sollen. Johannes erlebt in Konstantinopel seine erste Liebe, bekommt aber auch die Abneigung vieler Byzantiner gegen die verhassten 'Lateiner' zu spüren. Schließlich führt ihn sein Lebensweg über das Unionkonzil in Ferrara zur Teilnahme an der Schlacht bei Warna in Bulgarien, wo das westliche Kreuzzugheer von den Osmanen vernichtend geschlagen wird. Dabei gerät Johannes in Gefangenschaft und wird Sklave am Hof des Sultans, wo er den jungen Sultanssohn Mehmed kennenlernt, den späteren Eroberer Konstantinopels ...

Mika Waltari (1908 -1979) gehörte zu den produktivsten finnischen Auto ren des 20. Jahrhunderts. Er ist in seiner finnischen Heimat nach wie vor äußerst populär und hat dort den Status eines modernen Klassikers. Sein Werk umfasst rund hundert Titel, darunter Romane, Erzählungen, Thea terstücke, Reiseberichte, Drehbücher und Hörspiele. Im Ausland wurde er besonders durch seine historischen Romane bekannt, denen oftmals der Sprung auf die Bestsellerlisten gelang (Sinuhe der Äg ypter, Michael der Finne, Michael Hakim, Johannes Angelos, Turms der Unsterbliche, Minutus der Römer und andere). Sie zeichnen sich sämtlich durch sorgfältige Recherche aus schildern auf packende Weise menschliche Schicksale in verschiedenen Epochen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 1083
    Erscheinungsdatum: 01.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863461836
    Verlag: Kuebler Verlag
    Serie: Mika Waltari Bd.2
    Größe: 2310 kBytes
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Johannes Peregrinus

Kapitel II

Der Herbst und Winter, den ich in Basel verlebte, war das Fegefeuer meines Lebens. Von den Schreibern des Kardinals Cesarini war ich der Ungelernteste und Jüngste, und das bekam ich schmerzlich zu spüren. In der Schreibstube wies man mir den Platz an der Tür zu, und die niedrigsten Aufgaben wurden mir übertragen. Wie Wölfe stellten mir die älteren Schreiber nach, und hatte sich das Auge des Vorgesetzten erst einmal abgewandt, wurden sie frech und vorlaut. Als ich kam, sahen sie in mir einen Nebenbuhler um die Gunst des Kardinals und setzten alles daran, dass ich keine Aufgaben zugewiesen bekam, bei denen ich meine Fähigkeiten hätte beweisen können. Auch verhinderten sie, dass ich dem Kardinal vor die Augen treten und ihm meine Dienste antragen konnte. Ich taugte für sie nur dann, wenn ich, um ihnen gefügig zu sein und ihren Quälereien zu entgehen, ihnen als Laufbursche eine Kanne Wein aus der Schenke holte. Aber auch dann hänselten sie mich, weil ich nicht mittrinken wollte.

Ich hatte eine gute Handschrift und machte beim Kopieren lateinischer Briefe auch keine Fehler. Das konnten sie mir nicht verzeihen, denn einige von ihnen hatten an der Universität studiert. Um ihre eigene Dummheit zu verschleiern, nutzten sie meine Unwissenheit in der Theologie und im kanonischen Recht aus und analysierten untereinander die Beschlüsse und Dekrete des heiligen Konzils, so als wären sie selber von höchster Gelehrsamkeit. Ich fand, dass sie die Zeit mit dummen und nutzlosen Fragen vertaten, so dass sie selber nicht mehr begriffen, was das Konzil eigentlich war und was darauf wirklich vor sich ging.

Denn das Konzil war, wie ich fand, durchaus nicht heilig, auch wenn es von der Voraussetzung ausging, dass der Heilige Geist die Ergebnisse seiner Abstimmungen beeinflusste und es somit die höchste Autorität in der Kirche vertrete, der sich sogar der Papst unterzuordnen habe. Wenn die Stadt Basel sich dadurch bereicherte, dass sie die Kardinäle, Bischöfe und Prälaten, Juristen und Priester des Konzils als ihre Gäste aushielt, so vergrößerte sie meiner Meinung nach ihren Reichtum vor allem durch den unbegreiflichen Weinkonsum und die genauso ungeheure Papierverschwendung. Wollte ich reich werden, so sagte ich mir verbittert, träte ich als Gehilfe in eine Weinhandlung ein, betriebe eine Papiermühle oder würde mich als Türwärter eines Freudenhauses verdingen. Jene Männer, die – gewiss mit guten Absichten und Vorsätzen – zusammengekommen waren, unter der Führung des Heiligen Geistes die heilige Kirche zu reformieren, hatten schon längst den Gedanken aufgegeben, damit zuallererst bei sich selbst anzufangen. Sie waren angesteckt von einer geistigen Pest, der leidenschaftlichen Jagd nach Erfolg, Würden und Ehrenplätzen. Und wenn sie dann außer auf ihren persönlichen Vorteil noch auf etwas anderes bedacht waren, dann war es die Sache des eigenen Volkes, Königs oder Fürsten, die sie vertraten. Unter jenen fünf- bis sechshundert Konzilsvätern gab es so viele Meinungen wie Männer, und die Stimme eines einfachen Priesters oder Laien hatte bei den Abstimmungen das gleiche Gewicht wie die eines Bischofs oder Kardinals. Verstandesschärfe, Gelehrsamkeit, Argumente weiser Männer – das alles kümmerte sie nicht mehr, dagegen errangen am meisten Zustimmung jene, die am lautesten schrien. Mir kam es vor, als wären in den nebeligen Wintertagen Basels Gassen in einen Raureif aus Hass und Schmähungen getaucht.

Aber – so dachte ich – es waren in Basel ja auch die gelehrtesten Männer ihrer Zeit versammelt, Schüler Vergils und Ciceros, die den Nebel der Zeit aufzureißen vermochten,

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