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Johnny Ruin von Dalton, Dan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.11.2017
  • Verlag: Tempo
eBook (ePUB)
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Johnny Ruin

Johnny Ruin ist am Ende, bevor es richtig losgeht, liebeskrank und vollgepumpt mit Ketamin. Er weiß nicht, wohin mit sich und genauso wenig, warum er in Kalifornien zwischen gigantischen Bäumen hockt, wo er doch eben noch in seinem Londoner Studio auf dem Boden lag. Keine Menschenseele weit und breit, nur ein alternder Popstar mit einem Flachmann: Jon Bon Jovi, eigentlich: der Schweinerocker schlechthin - hier aber: Produzent trockener Sprüche. Gemeinsam machen sich die beiden auf eine Reise quer durch die Vereinigten Staaten, von Kalifornien bis nach New York und durch die Seelenlandschaft des verzweifelten Helden, seine Erinnerungen an die eine große Liebe und und reichlich Sex, an Kindheitsträume, Jugendfreunde, grandiose Illusionen und vertane Chancen. Dan Dalton erzählt in seinem ersten Roman die herzzerreißend komische und rasend traurige Geschichte eines jungen Mannes, der sich das Leben zur Hölle macht und doch nicht davon lassen kann, nicht vom Leben und nicht von der Liebe. Ein irrer Roadtrip auf der Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit. Dan Dalton erzählt in seinem ersten Roman die herzzerreißend komische und rasend traurige Geschichte eines jungen Mannes, der sich das Leben zur Hölle macht und doch nicht davon lassen kann, nicht vom Leben und nicht von der Liebe. Ein irrer Roadtrip auf der Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit. Und wer jetzt sagt: "Jon Bon Jovi? Geht ja gar nicht", denkt das nach der Lektüre garantiert nicht mehr.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 17.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455001709
    Verlag: Tempo
    Größe: 715 kBytes
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Johnny Ruin

Eins California/Dreaming

Erst das Wetter. Kühl, windstill, zweiundzwanzig Grad. Weniger das, was man Wetter nennt, eher die Abwesenheit von Wetter. Oben bricht das Blätterdach auf, und eine einzelne Wolke kommt zum Vorschein. Dann eine zweite, die auf die erste zuschwebt. Wenn man nur eine Wolke sehen kann, sieht man nicht genug vom Himmel.

Er ruft zu mir runter, fragt, was ich mache. Ich sage ihm, ich schreibe ein Buch. Ein Lichtstrahl fällt auf sein Gesicht. Er wippt auf seinen Absätzen zurück und blinzelt. Worüber? Ich versuche nicht zu starren, nicht zu nuscheln. Trauer. Wir sitzen schweigend da, umgeben von Mammutbäumen. Die Sonne schimmert durch die Blätter. Die Japaner haben ein Wort dafür. Ich bin kein Japaner. Er auch nicht. Er atmet laut ein, fragt, wer gestorben sei. Ich , sage ich. Er schüttelt den Kopf. Krass , sagt er. Und das meint er auch so.

Das Erste, was man über Jon Bon Jovi erfährt: Er ist verdammt ehrlich.

Ich bin zehn, fahre mit meinem Rad durch die Wälder. Eiche, Kiefer und Weißbirke. Ein Spielplatz, der erklettert werden will. Ich suche mir einen Baum mit tiefhängenden Ästen, schaffe es ganz nach oben. Von da aus kann ich das ganze Tal sehen. Ich bleibe stundenlang, vermesse mein Reich. Als ich nach Hause komme, ist es dunkel. Mum ist wütend, brüllt mich an. Wo bist du gewesen? Ich gebe dem Baum die Schuld.

Mammutbäume gibt es in Kalifornien, und Kalifornien ist weit, weit weg von London. Jon sitzt auf einem umgefallenen Stamm, hoch wie ein Haus. Vielleicht meditiert er. Vielleicht hat er einen Kater. Das ist der Wald des Geistes , sagt er, ohne die Augen zu öffnen. Oh , sage ich. Dann ist ja alles klar.

Als ich sie zum ersten Mal küsse, will ich nie mehr damit aufhören.

Mein erstes Bon-Jovi-Album war Cross Road. 1994 . Irgendwann fing die Kassette an zu leiern. Der Cross-Road -Jon hatte kurze Haare, trug ein Henley-Shirt und diese John-Lennon-Brille. Die Pudeldauerwelle und der bodenlange Ledermantel waren verschwunden. 1994 war Jon Bon Jovi der coolste Typ, den ich je gesehen habe. Den Jon Bon Jovi meine ich. Den, der jetzt von oben runterpinkelt und mich mit seinem Strahl heißer Pisse nur knapp verfehlt. Er ruft: Pass auf da unten. Zu spät.

Das Zweite, was man über Jon Bon Jovi erfährt: Er ist nicht schüchtern.

Ich war schon mal in diesem Wald. Dem mit den ganzen Mammutbäumen. Vor langer Zeit. Aber das ist nicht nur dieser Wald. Eiche, Kiefer, Weißbirke. Alle Wälder, in denen ich je war, sind hier. Alle meine Ichs. Ich bin elf und baue mir ein Baumhaus. Ich bin fünfzehn und kriege an einen Baum gelehnt einen runtergeholt, von einem Mädchen, das ich im Urlaub kennengelernt habe. Ich fürchte mich zu sehr vor Ameisen, um zu kommen. Ich bin siebenundzwanzig und gehe mit meiner künftigen Ex-Frau spazieren. Ich bin zweiunddreißig, sitze in einem Wald, umringt von den flackernden Geistern meiner vergangenen Ichs. Geister sind nur Echos, die man sehen kann. Ich schreibe das auf.

Hab ich dich mit meiner Pisse getroffen? , sagt Jon und wackelt mit den Hüften, sodass sein Schwanz herumwirbelt wie ein Propeller.

Als ich sie zum ersten Mal küsse, will ich nie mehr damit aufhören. Ich weiß, dass sie mir das Herz brechen wird.

Die Szene: Ein Herbstnachmittag in einem Wald in Kalifornien. Ich habe keine Ahnung, wie ich hergekommen bin. Der Wind in den Blättern flüstert ihren Namen. Die Sonne wirft die langen Schatten der Mammutbäume um mich, Stämme mit zehn Metern Durchmesser, die weit hoch in den Himmel ragen. Staub und Schmutz treiben durch die Sonnenstrahlen, flirren wie Glitter, steigen auf bis zum Blätterdach. Der Himmel auf Erden. Nur kann das nicht die Erde sein, und an den Himmel glaube ich nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich tot bin.

Du bi

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