text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Johnny Er geht niemals allein von Panitz, Maren (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
1,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Johnny

Johnny hat es schwer. Helikoptermama Katja Hesselbach umsorgt ihn sein ganzes junges Leben lang mit hypernervöser und zweihundertprozentiger Hilfspädagogik. Spätestens an seinem 'Independence Day No. 18' rebelliert der junge Mann gegen die ständige Bevormundung und bricht aus dem engen Familienkokon aus. Und während Johnny bei seinem Weg in die Selbstständigkeit den exzessiven Aufstand probt, räumt Mutter Katja so manch eine Scherbe zusammen, die bei seinen Jugendabenteuern anfällt. Dabei erinnert sie sich rückblickend wehmütig immer wieder an die früheren Kindheitsjahre ihres Sohnes und die eine oder andere Katastrophe, die die Familie gemeinsam durchzustehen hat. Immer frei nach dem Motto: 'Gejammert wird später'. In nicht immer bierernster Humoreske und gewürzt mit einer guten Portion Ironie und Situationskomik begleitet Katja Hesselbach ihren Sohn ins Erwachsenenleben und zwingt sich dazu, endlich die imaginäre Nabelschnur zu lösen. Mein Name ist Maren Panitz und ich wurde als Kieler Sprotte in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins geboren. Das geschah im Jahr 1965 und erst dreizehn Jahre später verpflanzten mich meine Eltern aus dem kühlen Norden in die Bergischen Höhen, in denen ich meine neue Heimat und meine Leidenschaft für Wörter und Geschichten entdeckte. Seit meiner Studienzeit schreibe ich als freie Journalisten für die Bergische Morgenpost Hückeswagen Glossen und Lokalberichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 471
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783742724816
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 844 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Johnny

Kapitel 1

Endlich Achtzehn

Der Garten ist eine Disco.

Die Bässe aufgedreht bis zum Anschlag, donnert der explosive Rocksong "Hell's Bells" von Altrockband AC/DC aus den mannshohen Musikboxen, die wohl nur zur optischen Tarnung und aus Angst vor eventuellen Regengüssen unter pinkfarbenen Zeltplanen versteckt worden sind.

Die Bässe wummern durch die gesamte Siedlung.

Die Höllenglocken dröhnen auch in meinem Kopf.

Irgendwann im Laufe des Abends fingen die im Takt dazu hämmernden Kopfschmerzen an.

"Warum musstest du dich auch durch jedes knallbunte neumodische Mixgetränk durchprobieren, dass dir das Jungvolk unter die Nase gehalten hat", schimpfe ich genervt mit mir selbst.

Aspirin hilft.

Noch besser, ich spüle die kleine Tablette mit Sekt herunter.

Das entspannt.

Und dann vielleicht einen Moment ausruhen.

Irgendwo an einem kleinen versteckten Eckchen, wo es in unserem Haus noch Ruhe gibt.

Ich bin leider überzeugt, genau diese hier in diesem meinen Haus ausgerechnet heute nacht lange suchen zu müssen.

Denn Johnny feiert seinen achtzehnten Geburtstag. Oder, wie es mein komplett euphorischer Sohn ausdrückt "Dies ist meine Nacht. Mein ganz persönlicher 'Independence Day Number 18'."

Jawoll, mein Nesthäkchen, mein kleiner Welpe, mein süßer braunäugiger blonder Augenstern, mein einziger Sohn, lässt es die gesamte Nachbarschaft und alle seine Freunde lautstark wissen:

"Jetzt bin ich volljährig, bin ein erwachsener Mann, kann endlich tun und lassen, was immer ich will. Die Welt gehört jetzt mir.

Begleitet mich oder lasst es sein,

ab heute bestimme ich meinen Weg allein."

So ganz allein will unser gerade mal flügge werdender Sohn diesen Weg dann doch nicht beschreiten. Alle seine Freunde und Vereinskameraden seiner diversen Freizeitaktivitäten sollen ihn zumindest an seinem Mega-Geburtstagsereignis dann gefälligst doch bitte ordentlich hochleben lassen.

Es ist ganz praktisch, dass zu diesem Anlass seine eingeladenen Mannschaftskameraden auch gleich das Partyequipment mitbringen.

Seit zwei Tagen gleicht unser Haus mit dazugehöriger Doppelgarage und Garten einer improvisierten Kommandozentrale des Technischen Hilfswerks. Kein Anblick, der unsere lärmempfindlichen Nachbarn nachts beruhigt einschlafen lassen könnte.

Schuld daran sind sicher zum Teil auch die vielen knallroten Feuerwehrfahrzeuge und Katastrophenschutzzelte, die sich im Vorgarten und auf dem Bürgersteig häppchenweise und Stück für Stück eingefunden haben.

Und auch das Festzelt mit dem überdimensionalen Schriftzug "DLRG Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft" ermuntert sämtliche Nachbarn in unserer Straße zu den wildesten Spekulationen.

Herr Keppler von gegenüber fing mich beim Ausräumen meiner Einkäufe ab. "Sa'n se ma, is dat wat Ernschtes? Habt ihr womöglisch im Keller eine Zwozentnerbombe us'm letzschten Kriech jefunden?"

Der Rentner machte sich wirklich Sorgen um Wohl und Segen seiner Nachbarschaft und seines liebevoll gehegten Häuschens. "Net, dat us hier die Brocken um die Ohren sausen", beunruhigte es ihn.

"Keine Angst, Herr Keppler", beschwichtigte ich meinen Nachbarn. "Die einzige Bombe die hier platzt, ist die Eisbombe auf dem Geburtstagsbuffet."

"Das muss ja ein gewaltiger Wasserschaden sein, den ihr zu beseitigen habt", bedauerte mich Frau Kusemund gestern nachmittag, als sie mich im Baumarkt an der Kasse traf.

Dabei schweifte ihr Blick über meinen Einkaufswagen, der randvoll mit Schaumstoffrollen, reißfesten Renovierungsfolien, Papierrollen und zehn Paketen Laminat bestückt gewesen ist.

"Kein Wasserschaden, sondern Johnnys Party in die Volljährigkeit", klärte ich sie auf - und ich bin mir sehr sicher, dass ich ihr damit keine beruhigende Erklärung abgeliefert hatte.

Na ja, spätestens seit heute abend 22 Uhr weiß Frau Kusemund endgültig Bescheid.

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen