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Jons und Erdme von Sudermann, Hermann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.01.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Jons und Erdme

Hermann Sudermann (30.9.1857 - 21.11.1928) war ein deutscher Schriftsteller und Bühnenautor. Schon vor seinem Durchbruch als Dramatiker hatte Sudermann sich einen Namen als Erzähler gemacht. Sudermanns Erzählung "Jons und Erdme" erschien 1917.

Hermann Sudermann (30.9.1857 - 21.11.1928) war ein deutscher Schriftsteller und Bühnenautor. Schon vor seinem Durchbruch als Dramatiker hatte Sudermann sich einen Namen als Erzähler gemacht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 135
    Erscheinungsdatum: 18.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739233161
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 575kBytes
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Jons und Erdme

4.

Hausbauen! Leicht gesagt, wenn man für den Winter noch nichts zu essen hat!

Die Tage werden heiß. Erst muss die Kartoffelsaat geschafft sein.

Jons berechnet die Bodenfläche, die im ersten Frühjahr allenfalls in Arbeit genommen werden kann, Erdme leiht sich eine Moorhacke aus, und nachdem die Quergräben gezogen sind, die die weitere Trockenlegung verlangt, kann das Urbarmachen beginnen.

Ein Freitagmorgen ist es zu Ende Mai - wenn man das Morgen nennen kann, denn noch stehen die Sterne am Himmel -, da schultern sie Hacke und Spaten und ziehen hinaus auf das kahle Moor, dorthin, wo die vier Kiefernstangen lang ausgestreckt für ihr künftiges Amt auf Vorrat schlafen.

Rohrhalme, gestern noch eingesteckt, bezeichnen die Grenzen des Ackers, der nun werden soll.

Den beiden ist bang und feierlich zumute. Gemeinsam zu beten getrauen sie sich nicht, weil sie ein schlechtes Gewissen haben, und darum spricht jeder von ihnen sein Vaterunser ganz im geheimen, als ob er wunder was Unrechtes täte.

Und dann geht es los.

Die oberste Schicht des Moores, die aus lebendigen Pflanzenstoffen besteht, muss zerkleinert und heruntergeschält werden - "abplacken" nennt man es -, weil der darunter liegende Boden erst dann, wenn sie mit ihm gemischt ist, die natürliche Fruchtbarkeit erhält, die eine Aussicht auf künftige - wenn auch spärliche - Ernten eröffnet.

Die paar Stunden der Frühe vergehen im Fluge. Dann muss er ja weg, um mit dem Tagelohn Bargeld nach Hause zu bringen.

Denn wo soll all der Stoff zum Hausbau sonst herkommen?

Es ist gar nicht auszudenken, was alles fehlt. Zuerst die Latten oder Schwarten, mittels deren die Eckpfeiler verbunden werden, damit so das Viereck entsteht, das den Grundriss des Hauses bilden soll.

Dann die Sparrbalken - die Sparren selbst - die Ziegel für die Feuerstätte und so noch vieles, was nur zum Teil gemaust werden kann.

Ein jeder sorgt auf seine Art, und keiner will hinter dem andern zurückstehen. Von einem, dessen Tagwerk um drei Uhr früh beginnt und um acht Uhr abends endet, kann niemand auf Erden sagen, er habe es sich zu knapp bemessen.

So kommt der Acker rasch voran.

Eines Vormittags, als Erdme sich aufrichtet, um sich den rieselnden Schweiß aus den Augen zu wischen, sieht sie den Moorvogt hinter sich stehen.

Sie erschrickt sehr, denn die zwölf Mark Pacht, die für das erste Jahr gezahlt werden sollen - später werden es dreißig -, sind noch nicht abgeliefert.

Er sagt: "Es ist spät im Jahr. Werdet ihr mit der Aussaat zurechtkommen?"

Und sie antwortet: "Wie Gott will."

"Gott will, wie der Mensch will", sagt er. "Wenn er erst weiß, dass ihr tüchtig seid, wird er euch nichts in den Weg legen."

Dann prüft er die vier Kiefernstämme, die, schon geschält, wie Silber in der Sonne funkeln.

"Schöne Stangen habt ihr da", sagt er und sieht Erdme dabei mit schiefem Munde halb von der Seite an, als sei ihm nicht einer ihrer nächtlichen Gänge verborgen geblieben.

In ihrer Verlegenheit streicht sie sich mit den Sohlen den schwarzen Schlamm von den Beinen, denn sie wartet, dass er nun nach dem Ursprung fragen werde; aber die Frage bleibt aus.

Auch ein Haufen Schwarten liegt schon da, die Jons sich für billiges Geld unter den Abfällen des Holzplatzes hat aussuchen dürfen.

Der Moorvogt betrachtet sie einzeln, und die untauglichen zeichnet er mit der Spitze seines Hakenstocks.

"Denen sieht man es an, dass sie redlich erworben sind", sagt er und wendet sich ohne Gruß wieder dem Wege zu.

"Da geht er hin wie der liebe Gott", denkt Erdme und ist sehr froh, mit heiler Haut davongekommen zu sein. Vieles an ihm begreift sie nicht, aber beim lieben Gott geht es einem ja ebenso. -

Auf dem Wochenmarkt hat Jons drei Scheffel Saatkartoffeln gekauft, glasblank und dünnschalig, wie sie für den Moorboden gut sind. Die werden in Hälften geschnitten

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