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Juja Roman von Haratischwili, Nino (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.07.2014
  • Verlag: Verbrecher Verlag
eBook (ePUB)
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Juja

Beruhend auf einer wahren Geschichte stellt die erfolgreiche Theaterautorin Nino Haratischwili in ihrem ersten Roman die Frage nach Authentizität. Das Buch 'Die Eiszeit' von Jeanne Saré wird in den Siebziger Jahren ein großer Verkaufserfolg, vor allem in feministischen Kreisen. Das hasserfüllte Buch der jugendlichen Selbstmörderin Saré animiert mehrere Leserinnen zum Suizid. Nun, in der Jetztzeit, machen sich in Paris einige Menschen auf die Suche nach Saré. Was hat der Verleger des Buches, ein grantiger älterer Herr mit Saré zu tun? Warum gibt es keine Zeugnisse? Und wie konnte das Buch derart wirken? Nino Haratischwili beschreibt auf schwindelerregende Weise, welche Bedeutung Geschichten für das Leben haben können. Nino Haratischwili wurde 1983 in Tiflis, Georgien, geboren. Sie leitete von 1998 bis 2003 die freie zweisprachige Theatertruppe 'Fliedertheater ' und zeigte mit dieser mehrere Produktionen an georgischen Theatern sowie Gastspiele in Deutschland. Von 2000 bis 2003 studierte sie Filmregie an der Staatlichen Schule für Film und Theater in Tiflis. Bis 2007 folgte ein Regiestudium an der Theaterakademie Hamburg. Nino Haratischwili schreibt Prosatexte und Stücke in deutscher Sprache. 2009 gewann sie gemeinsam mit Philipp Löhle den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarktes. Sie lebt als freie Regisseurin und Autorin in Hamburg. 2001 erschien die Erzählung 'Der Cousin und Bekina', 2009 erschien 'Georgia / Liv Stein: Nino Haratischwili Zwei Stücke'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 30.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957320643
    Verlag: Verbrecher Verlag
    Größe: 312 kBytes
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Juja

TEIL 1

1. DIE EISZEIT / BUCH 1 (1953)

"Ich war ein EMBRYO und wusste alles. Ich wurde ins Leben gepresst und vergaß mein Wissen. Ich wurde ins Leben gefickt . Man entnahm mir mein Wissen. Ich will Rache.

Ich war viel. Ich kannte die acht Seiten des Mondes. Ich habe im Hades alle Toten umarmt. Ich habe alle Gesichter gehabt.

Ich gehe und gehe und wachse und dies ist mein Mord. Jeder Schritt – eine Tortur, da niemals Frieden, da niemals Stille, da niemals Ich. Ich war ein EMBRYO und wusste alles und dann wurde ich gefressen, durch das blutende Geschlecht und durch viel Geschrei. Ich vergaß mein Wissen.

Alle Bäume entflammten , als ich fortschritt, alle Häuser stürzten ein und alle Augen verfinsterten sich. Mich berührte nichts. Das Nomadenland wurde zu meinem Bett.

Dann ward ich zum Staub und wurde vergewaltigt, auf der Wiese, alles Lebendige unter mich begrabend.

Dann schritt ich durch alle Gewässer der Welt, flog über alle Kirchenspitzen und Altäre, ich schrie dabei. Keiner hörte mich. Ich wurde stumm. Ein stummes Staubkorn.

Die Welt krachte ein und ich wurde unter ihr begraben. Ich will wieder ein EMBRYO sein. Im Blut wachsend und Allwissend.

Ich wollte nach Hause. Doch es gab ein Erdbeben, die Erde machte einen starken Stoß, dann übergab sie sich.

Ich wollte mit Gott reden, der dabei gewesen war, als man mich ins Leben fickte . Aber er kam nicht und so sagte ich – jetzt wird alles einerlei: Ich stifte den Wahnsinn, um danach zu meinem Achill in den Hades zu gehen. Ich entziehe ihn allen Frauen und dann werde ich in seinen toten Armen einschlafen und selbst zu Eis werden.

Und in 13.090.090.300 Jahren taue ich auf. Und mein Glück kommt.

Das beschloss ich und überquerte die Wüste, die aussah wie ein leerer Schädel. Und ich kroch weiter mit meinen Skorpionen, die ich streichelte und die ich nachts, in der Einsamkeit der Nächte, briet und verschlang. Ihr Gift machte mich stark und ich ging weiter. Ich schrieb Achill Briefe in den Sand. Ich bahnte den Weg für uns zwei.

Doch liebte ich, um zu wissen, wie absolut sinnlos die Liebe war.

Und so sprach ich zu meinen Eidechsen und Schlangen: "Ich kann nicht eure Eva sein. Sie starb, da sie die Rippe des Mannes nicht in sich behalten wollte. Sie ging fort und wurde zum Asketen und lebte 999 Jahre im Reich der Stille und ihr Mann vergewaltigte die Bäume und aus seinem Samen entstanden noch mehr Söhne ... Er wurde verrückt und als die Söhne begannen, sich zu bekämpfen, brachte er sich um. Er vermisste seine Eva. So traurig." Und meine Schlangen nickten mir zu und weinten mit mir.

"Und was wurde aus Eva?", fragte die rote Eidechse mit der alten Haut und dem verhurten Leben.

"Tja, sie lebte in der Abgeschiedenheit, weinte nachts, weil sie alleine war, und dann kam sie zurück und sah ihren toten Mann und ihre vielen Söhne, die sie nie geboren hatte und sie alle nahmen sie zur Frau und sie weinte und fragte Gott: Warum wirfst du mir die Sünde vor, wenn du mich zur Einzigen machtest und wusstest, meine Söhne würden mich besteigen? Sie weinte und weinte und schließlich erhängte sie sich am eigenen Haar."

Die Eidechse, die mich zu lieben begann, streichelte meine Stirn und schluchzte leise auf.

Später erz&aum

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