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Julie kehrt heim von Elstad, Anne Karin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.05.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Julie kehrt heim

Sonntag, der 28. April 1940: Am Himmel von Kristiansund erscheinen deutsche Jagdflugzeug, um die norwegische Stadt zu bombardieren. Die Einwohner beobachten bestürzt das schreckliche Schauspiel. Von nun an ist der Krieg nicht mehr etwas, was weit entfernt von ihnen geschieht, sondern etwas, das sie am eigenen Leib zu spüren bekommen: die Lebensmittelknappheit, die Angst vor den Besatzern und die Sorge um die eigenen Söhne. Repressionen machen auch Julies Leben schwer. Ihre Familie ist gespalten zwischen Anhängern und Ablehnen der deutschen Besatzungsmacht. Misstrauen wuchert im Ort Unkraut, Gerücht machen die Runde. Wer steht auch welcher Seite? Wem kann man noch vertrauen? Auch Julie und Jörgen müssen erfahren, dass Familienbeziehungen und engste Freundschaften durch die allgemeine Unsicherheit auf eine harte Probe gestellt werden. Der dritte Band der Familiensaga um die weibliche Hauptfigur Julie schildert den Zweiten Weltkrieg und die darauf folgenden Jahre als eine Zeit der Selbstprüfung und des Aufbruchs. AUTORENPORTRÄT Anne Karin Elstad wurde 1938 in Valsøyfjord in Nordmøre Norwegen geboren. Sie arbeitete als Lehrerin, bis sie 1976 ihren ersten Roman veröffentlichte. Elstad gehört mit Gaarder zu den bekanntesten und erfolgreichsten Schriftstellern Norwegen. Elstad war in ihrem Heimatland so populär, dass sie schon für Schlagzeilen sorgte, wenn sie nur ein Manuskript im Verlag ablieferte. Ihre Bücher sind in Norwegen Bestseller und verkaufen sich über eine Million Mal. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen für ihre Bücher erhalten. 2003 und 2006 hat sie unter anderem den norwegischen Leserpreis erhalten. Elstad starb am 4. april 2012. Insgesamt hat sie fünfzehn Bücher geschrieben. REZENSION 'Elstads Buch liest sich wie der schwedische Erfolgsroman Hannas Röchet von Marianne Fredriksson.' - Ostsee Zeitung 'Anne Karin Elstad ist eine wahre Meisterin im Schildern von Einzelschicksalen.' - Aftenposten 'Anne Karin Elstad ist eine glänzende Erzählerin.' - Aftenposten 'Anne Karin Elstad bietet Lesehungrigen, Menschen, die nach Erzähltem süchtig sind, echten Lesestoff.' - Aftenposten

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 508
    Erscheinungsdatum: 08.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711441121
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 618 kBytes
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Julie kehrt heim

1

An diesem Wochenende ist ungewöhnlich schönes Wetter, es erinnert schon eher an den Sommer als an den Frühling. Der Himmel hoch und blau über dem Ort mit den frisch gepflügten Äckern und dem sprießenden Grün. Das Einzige, was die Ruhe an diesem friedlichen Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe stört, sind zwei deutsche Jagdflugzeuge, die tief über die Häuser streichen, ehe sie den Fjord entlang zum Meer hin verschwinden. Die Flugzeuge kommen aus Værnes, nehmen die Leute an. Denn wie zu erfahren war, haben die Deutschen den Flugplatz von Værnes eingenommen.

Später am Vormittag bildet sich am westlichen Himmel eine Wolkenbank, als wäre ein großes Unwetter im Anzug. Schwarze, unruhige Wolken, die aufsteigen und wieder sinken. Zu diesem Zeitpunkt wissen einige schon Bescheid, da ein paar Telefonverbindungen zur Stadt zustande gekommen sind. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer im Ort. Die Stadt wird bombardiert, Kristiansund brennt.

An diesem Abend finden sich Leute aus der ganzen Umgebung auf dem Kirchberg ein. Die Nächte sind bereits kürzer geworden; bei dem schönen Wetter, das jetzt herrscht, wird es nicht stockdunkel, der Ort ist nur in ein undurchdringliches blaues Licht getaucht. Die Häuser und die Berge ringsum stehen als dunkle Silhouetten am Himmel, auf den Höhen liegt aber noch Schnee. Die Menschengruppe steht schweigsam da, versammelt wie um ein Grab, Kinder, Frauen und Männer. Die Frauen jedoch befinden sich in der Mehrzahl, denn ringsum auf den Höfen sind viele Mütter mit ihren Kindern aus der Stadt einquartiert. Ihre Männer sind nicht hier, sie sind vor Ort geblieben, dort, wo sie jetzt hinschauen und nicht glauben können, was sie sehen. Es ist wie ein spektakulärer Sonnenuntergang weit im Westen. Ein tanzender Sonnenuntergang, der kein Ende zu nehmen scheint. Und über dem roten Flammenmeer Wolken, die dunkler sind als der Nachthimmel. Die Gesichter wie helle Flecke in der blauen Dunkelheit. Bei näherem Hinsehen ist eher Zweifel als Angst in diesen Gesichtern zu erkennen. Ein Zweifel, durch den die ganze letzte Zeit, diese unwirklichen Wochen und Tage geprägt waren. Eheleute, die sich vor anderen bisher niemals berührt haben, stehen Arm in Arm da. Die kleinen Kinder sind im Bett, die größeren und die dem Kindesalter fast schon Entwachsenen suchen Schutz bei ihrer Mutter oder dem Vater. Die Kinder, die sonst solche Momente, wenn sich viele Menschen versammelt haben, für Spaß und Tollerei nutzen, sind still, ganz still.

Einer jedoch steht außerhalb der Menge. Viele von denen gibt es hier nicht, aber er dort ist einer von ihnen, und alle wissen das von ihm, seit langem. Er ist der Bauer von einem der größten und am besten instand gehaltenen Höfe der Gegend. In unzähligen Diskussionen hat er Farbe bekannt, stets ein unerschütterliches Vertrauen zu Hitler zum Ausdruck gebracht und später auch zu Quisling. Niedergemacht haben sie ihn, abfahren lassen haben sie ihn, gelacht über ihn, aber meistens haben sie ihn mit dem, was er in diesen heißen Diskussionen vorgebracht hat, gar nicht ernst genommen. Eher hatten sie wohl das Gefühl, dass er sie zum Narren hielt. Denn er, Hallgrim Ås, war ein allseits respektierter Mann im Ort, und seinen Worten wurde ansonsten Gewicht beigemessen. Früher gehörte er zu den Wenigen, die hier in der Kommune für die Bauernpartei stimmten. Jahrelang saß er in der Gemeindeversammlung, bis er sich nicht mehr zur Wiederwahl stellte und Mitglied in Quislings Partei wurde. Gescheit ist er und ein guter Bauer, er ist eigensinnig und hat einen starken Willen, mit dem es so leicht niemand aufnehmen kann. Jetzt steht er hier mit seinen Leuten außerhalb der Menge und betrachtet dieses düstere Schauspiel in der Ferne, und er bleibt nicht lange. Im Davongehen dreht er sich um.

"Macht, dass ihr nach Hause kommt. Was soll dieser Zirkus hier. Und außerdem wisst ihr ja wohl, es wurde angeordnet, dass Menschenansammlungen dieser Art

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