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Katharina Flucht in die Freiheit von Penner, Beate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.12.2015
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Katharina

Katharina wächst in den turbulenten 1930er Jahren im bolschewistischen Russland auf. Sie erlebt mit, wie ihr Vater als reicher Bauer alles verliert, was er sein Eigen nennt. Sogar das Stimmrecht wird ihm genommen. Einige Jahre später wird ihr Vater, wie unzählige andere Väter auch und auch einer ihrer Brüder vom russischen Geheimdienst geholt und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. 1943 flieht Katharina zusammen mit ihrer Mutter und einigen Geschwistern in eine ungewisse Zukunft, in eine Welt, in der sie Freiheit zu finden hofft. Viele scheinbar unüberwindbare Hindernisse stellen sich ihnen in den Weg: Kälte, Schlamm, Hunger und Angst; und rundherum tobt der 2. Weltkrieg. Unterwegs stirbt noch die geschwächte Mutter und sie können sie nicht einmal begraben... In Deutschland angekommen, lassen sie sich einbürgern. Schon bald darauf wird ihr volljähriger Bruder in den Krieg eingezogen. Diese und viele andere Erlebnisse belasten den guten Glauben und die Hoffnung, endlich frei zu sein. Anmerkung: Dieses Buch basiert auf Tagebucheinträgen meiner Großmutter mütterlicherseits. Ein Tagebuch, das sie während ihrer gesamten Flucht geführt hat. Da die Aufzeichnungen jedoch sehr unvollkommen waren, habe ich weitere Personen und Erlebnisse aus diesem Zeitgeschehen hinzugenommen, um darzustellen, was unsere Vorfahren alles erleben und durchleben mussten. Es ist daher keine Biografie meiner Großmutter.

Beate Friesen de Penner wurde am 27. April 1982 in Paratodo, in der Kolonie Menno, Paraguay, geboren. Ihre Kindheit und Jugendzeit verbrachte sie zusammen mit ihrer Familie in verschiedenen Gegenden in Paraguay und Argentinien. Im Jahre 2003 schloss sie ihre Lehrerausbildung am Institut für Lehrerbildung in Filadelfia ab. Seit 2004 wohnt sie mit ihrem Mann Rendy in der Kolonie Friesland. Sie ist Mutter von einem Pflegesohn und zwei leiblichen Kindern. Acht Jahre lang hat sie am Colegio Friesland Deutsch und Mennonitengeschichte unterrichtet. Seit 2005 ist sie Mitglied im Verein für Geschichte und Kultur der Mennoniten in Paraguay. In der Kolonie Friesland engagiert sie sich in der Kommunikationsabteilung und im geschichtlichen und kulturellen Bereich. Ihr erstes Buch erschien im Jahre 2009 unter dem Titel 'Katharina - Flucht in die Freiheit'. Weitere Titel von ihr sind: 'Auf der Suche nach einem neuen Zuhause' (2012), 'Gemeinsam unterwegs - 75 Jahre Kolonie Friesland' (2012), 'Von Mexiko nach Paraguay' (2014) und 'Sonderbar, aber wunderbar geführt' (2015).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 148
    Erscheinungsdatum: 17.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739280257
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1240kBytes
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Katharina

Erster Teil

1931/1932

I.

"Das ist unmöglich! Das können sie nicht tun! Was wird uns denn in diesem gottverdammten Russland noch alles passieren?!", hätte Katharina am liebsten aus voller Kehle geschrieen. Sie war soeben Zeuge eines Gespräches ihrer Eltern gewesen. Eigentlich sollte sie schon längst im Bett liegen. Ein harter Arbeitstag lag hinter ihnen. Doch sie hatte gegen den Willen ihrer Mama noch einige Zeilen in ihr Tagebuch geschrieben. Zu ihrem siebten Geburtstag hatte sie von ihrem Papa ein wunderschönes Tagebuch mit einem roten Deckel bekommen. Sie hatte noch nicht viel hineingeschrieben, denn sie erlebte nichts Aufregendes und in ein Tagebuch musste doch etwas Spannendes hineingeschrieben werden, so dachte Katharina.

Nachdem sie das Tagebuch an seinen Platz gelegt hatte, war sie noch einmal in die Küche geschlichen und dann, weil sie Stimmen vernommen hatte, vor der Schlafzimmertür ihrer Eltern stehen geblieben. Obwohl der Vater sehr leise gesprochen hatte, hatte sie jedes einzelne Wort verstanden.

Die Worte ihres Vaters hallten in ihrem Innersten nach. Was hatte er soeben gesagt? Er, als einer der größten Bauern im Dorf, sollte entkulakisiert werden. Ein schreckliches Wort! Was es bedeutete, das hatte Katharina mit ihren sieben Jahren schon längst begriffen. Als Kulaken wurden die Bauern bezeichnet, die mehr besaßen als das einfache russische Volk. Und die meisten mennonitischen Bauern hatten es zu etwas gebracht und besaßen Wirtschaften. Dietrich Braun, Katharinas Vater, war da keine Ausnahme.

Schon als junger Mann hatte Dietrich es verstanden, sein Geld zu investieren. Er hatte schwer gearbeitet und sich mit seinem hart verdienten Geld eine Wirtschaft im Dorf Liebenau gekauft. Diese hatte er im Laufe der Zeit auf Vordermann gebracht: Die Wohnhäuser und Ställe waren renoviert, Hof und Garten angelegt worden und seine Maschinen gehörten zu den modernsten im Dorf. Ja, er hatte sich ein gutes Ansehen und einen Namen im Dorf gemacht! - Und das alles in weniger als 20 Jahren! Darauf konnte man stolz sein! Er hatte es bewiesen, dass Mennoniten, die als arbeitsam und strebsam gelten, es mit viel Arbeit zu etwas bringen können. Man muss nur wollen!

Seine Frau und seine Kinder sollten es einmal besser haben! Die Kinder würden die beste Schulbildung bekommen. Sie sollten es zu etwas bringen! Das waren, wenn auch nicht oft seine Worte, so doch immer seine Gedanken gewesen.

"Mein Vater gehört jetzt also auch zu den Kulaken ", dachte Katharina, während sie wie hypnotisiert in ihr Zimmer zurückkehrte. Das bedeutete, dass sie demnächst all ihr Hab und Gut an die russische Regierung würden abgeben müssen. Nichts, aber auch gar nichts würde ihnen mehr gehören! Sogar ihren Hof würden sie verlassen müssen. Und wohin sollten sie gehen? Katharinas Gedanken überstürzten sich. Was würde aus ihnen werden? In den letzten Minuten lief vor ihrem inneren Auge immer und immer wieder eine Szene ab. Sie hatte vor einigen Wochen zugesehen, wie bei ihrer Freundin Susanna der ganze Hof geräumt wurde. Alles wurde mitgenommen. Von den Werkzeugen bis hin zu dem schönen Porzellangeschirr, das Katharina heimlich immer so bewundert hatte. Dabei waren die russischen Beamten so unfreundlich mit den Menschen und Sachen umgegangen, dass Katharina noch jetzt eine Gänsehaut bekam, wenn sie daran dachte. Seit diesem Tag hatte sie Susanna nicht mehr gesehen. Die ganze Familie war irgendwo untergetaucht.

Nachdem sie sich einige Zeit im Bett herumgewälzt und ohne Erfolg zu schlafen versucht hatte, kam ihr der Gedanke, sie sollte Liese, ihre ältere Schwester, wecken. Doch nachdem sie zweimal ihren Namen rief und diese sich nicht rührte, ließ sie es. Der Rest der Familie würde schon früh genug davon erfahren.

Irgendwann fiel auch Katharina in einen unruhigen Schlaf.

Von einem lauten Poltern wurde Katharin

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