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Kenia Valley von Gordon, Kat (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.04.2018
  • Verlag: Atlantik Verlag
eBook (ePUB)
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Kenia Valley

Bewegende Spannung im schillernden Kenia der zwanziger und dreißiger Jahre Der junge Theo kommt mit seiner Familie aus England in das aufregende Kenia. Dort lernt er den deutlich älteren Freddie und dessen wunderschöne Geliebte Sylvie kennen, die ihn vom ersten Moment an faszinieren. Ihre exzentrische Welt wird auch sein Zuhause - ein Leben voller Glamour, Affären, Drogen und Partys. Doch der schöne Schein trügt und am Ende muss sich Theo entscheiden, was der einzig richtige Weg ist. "Ein Stück Kolonialgeschichte verpackt in eine spannende Erzählung." Die Presse Kat Gordon hat lange Ostafrika bereist und ein Jahr in Kenia gelebt. Sie studierte Englische Literatur in Oxford und machte ihren Master in Creative Writing am Londoner Royal Holloway College. Ihr Debüt The Artificial Anatomy of Parks erschien 2015 bei Legend Press und war auf der Shortlist für Not the Booker . Sie lebt in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 24.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455002782
    Verlag: Atlantik Verlag
    Größe: 1109 kBytes
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Kenia Valley

1 . Teil 1925 - 1927

1

Der Bahnhof war groß und überfüllt, es gab weder Bänke noch Verkaufsstände, bloß zwei Schilder, auf denen "Mombasa" und "Erste Klasse und Gepäck" zu lesen war. Ein großer Teil der Station war der sengenden Novembersonne und den Fliegen ausgesetzt.

Nach wenigen Minuten fand ich einen Gepäckträger und brachte ihn zu meiner Familie: Mein Vater wischte sich die Stirn trocken, meine Mutter wippte ungeduldig mit dem Fuß und meine zwölfjährige Schwester Maud zerfloss in der Hitze. Sie lehnte an dem Stapel von Koffern, in denen sich Bücher, Kleider und all die Dinge befanden, die nicht bereits zu unserem neuen Haus am Naivasha-See vorausgeschickt worden waren.

"Da bist du ja, Theo", sagte mein Vater. Er hielt dem Gepäckträger unsere Fahrkarten und zwei Pennys unter die Nase: "Laden Sie unsere Koffer in den Gepäckwagen, guter Mann."

"Ja, Bwana Miller", sagte der Träger. Er hatte einen marineblauen Anzug aus dickem Stoff an. Als er den ersten Koffer hochhob, sah ich dunkle kreisförmige Flecken unter seinen Achseln. Er roch anders als die Afrikaner in Tanganjika, weniger würzig, dafür säuerlicher.

Unser Waggon bestand aus zwei rechteckigen Abteilen mit einer Verbindungstür; an den Fensterrahmen waren Moskitonetze befestigt. Ich setzte mich ans Fenster auf die grün bezogene, gepolsterte Sitzbank, und meine Mutter und Maud nahmen neben mir Platz. Elegant gekleidete Schaffner kontrollierten unsere Fahrkarten und verneigten sich vor meinem Vater, während er die beiden Räume abschritt, hier und da auf Details hinwies. Mein Vater war Ingenieur und mittlerweile Direktor der Eisenbahn, für deren Bau er 1896 nach Afrika gereist war.

Ich lehnte die Stirn an das kühle Glas unseres Abteilfensters. Die letzten beiden Wochen hatten wir in Daressalam verbracht, und wären wir immer noch dort, läge ich jetzt ausgestreckt auf dem Steg, zusammen mit Maud und mit Lucy, der Tochter von Freunden meines Vaters. Ich würde die Wärme des Holzes unter uns in mich aufsaugen und den Rufen der Männer lauschen, die am Hafen Fisch und Gewürze ausluden. Vor uns würden vertäute Dauen in den Wellen sanft nebeneinander schaukeln und orange-blau funkelnde Eisvögel im Sturzflug ins Wasser eintauchen. Der Bucht vorgelagert war Sansibar, wo der Sultan residierte. Eines Nachmittags hatte ich mir das Fernglas meines Vaters ausgeliehen und zur Insel hinübergeblickt - ein blendend weißer Sandstreifen, von Palmen gesprenkelt, an der Spitze der ebenfalls weiße Sultanspalast und das Fort. Zu meiner Linken sah ich einen indischen Banyanbaum, in dem sich Grüne Meerkatzen tummelten, und dahinter die schattigen, verschlungenen Straßen von Stone Town. Kinder schossen in mein Blickfeld hinein und wieder hinaus, rostrote Wellblechdächer reckten sich in den Himmel, und die Bettlaken, die statt Vorhängen vor den Fenstern flatterten, wurden nach draußen geweht. "Das ist der Atem Gottes", sagte Maud, als ich es ihr zeigte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Kenia das übertreffen würde.

Die Zugtüren wurden der Reihe nach zugeschlagen.

"Theo, mach bitte das Fenster auf", sagte meine Mutter.

"Vielleicht sollten wir es besser geschlossen lassen", sagte mein Vater. "Es wird später noch ganz schön staubig."

Mein Mutter runzelte die Stirn, und er bedeutete mir rasch, ihr Folge zu leisten.

Sobald das Fenster geöffnet war, breitete sich im Abteil ein durchdringender Geruch aus. Unser Zuhause - Schottland - hatte frisch gerochen, nach Heide oder nach Salz, wenn der Wind direkt vom Meer herübergeweht war. Und im Frühling und Herbst, wenn der Regen eingesetzt hatte und auf die Erde prasselte, wurde der satte Geruch von Torf freigesetzt. Afrika roch zu stark - fischig, pfeffrig, verfault und rauchig, alles gleichzeitig -, und anfangs hatte ich befürchtet, v

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