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Kerzenscheinphobie Erotischer Roman - Beziehungsthriller von Nössler, Regina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2009
  • Verlag: Konkursbuch
eBook (ePUB)
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Kerzenscheinphobie

Alles ist gut. Berauschend. Die große Liebe, sexuell und emotional. Doch schleichend macht sich der Wunsch nach immer mehr Nähe breit ... Die schüchterne, unsichere Sabine, Anfang zwanzig, träumt von Constanze. Constanze ist bei allen beliebt und nimmt Sabine zunächst nicht wahr. Einige Monate des vergeblichen Schwärmens vergehen und dann, endlich, wird Constanze auf sie aufmerksam. Die beiden jungen Studentinnen verlieben sich ineinander. Doch aus Liebe wird bald Obsession. Immer mehr fühlt sich Sabine bedrängt und kontrolliert. Die Beklemmung wächst, der siebte Himmel verdunkelt sich. Viele Jahre später lasten die Schatten der Vergangenheit auf Sabines aufkeimender Liebe zu Anna. Was geschah damals mit Constanze, kann sich Sabine endgültig von ihr lösen und hat ihre Liebe zu Anna eine Chance? In ihrem neuen Roman verwischt Regina Nössler subtil die Grenzen zwischen romantischer Liebesgeschichte und Beziehungsthriller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 28.02.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783887698607
    Verlag: Konkursbuch
    Größe: 294 kBytes
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Kerzenscheinphobie

3

Ich kann die Rosmarinkartoffeln vor dem Schlimmsten bewahren und auch der Rest des Essens gelingt mir.

Anna kommentiert weder Geschirr und Besteck noch die Weingläser. Wenigstens davon besitze ich zwei gleiche Exemplare. Auch an Servietten habe ich gedacht, doch sie passen farblich überhaupt nicht zum Rest, was kein Wunder ist, da nichts auf meinem Tisch wirklich zusammengehört.

Etwas spät, denke ich, sich mit Anfang vierzig plötzlich darüber zu ärgern, nicht komplett eingerichtet zu sein. Unvollständig und behelfsmäßig, wie eine Studentin. Nein, nicht wie eine Studentin. Es ist eher eine erwachsene Form der Verwahrlosung, des Nicht-auf-sich-Achtens. Als wäre mir Schönheit vollkommen gleichgültig. Meine Wohnung war und ist Stückwerk, nicht schön anzusehen, und genauso verhält es sich vermutlich mit meinem gesamten Leben.

Es mangelt mir nicht am Geld. Ich könnte es mir leisten, meine Wohnung zu verschönern, doch es hat mich nie interessiert. Mehr noch: bei dem bloßen Gedanken daran überkam mich stets großer Widerwille. Ich habe zum gerade noch richtigen Zeitpunkt den Absprung geschafft und nach einem geisteswissenschaftlichen Studium eine Fortbildung zur Applikationsentwicklerin gemacht. Mit dreißig zog ich nach Berlin. Ich musste den Ort wechseln, hätte am alten auf keinen Fall weiterleben können, selbst wenn alles anders gekommen wäre, und eine Frau, die ich damals kennenlernte, spielte bei dem Umzug – oder war es eine Flucht? – auch eine Rolle. Inzwischen habe ich sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen; unsere Beziehung war nicht von langer Dauer. Keine meiner Liebesbeziehungen war von Dauer. Heute arbeite ich in einem Unternehmen, das Software für mittelgroße Betriebe herstellt, und verdiene gut. Wenn ich wollte, müsste ich nur ein paar Tage in entsprechenden Geschäften stöbern, etwas auswählen, etwas zusammenstellen. Doch wahrscheinlich fehlt es mir einfach an Geschmack. An Stil. Ich kann nicht verschönern, will es offenbar auch nicht und sollte mich damit abfinden.

In Wahrheit ist es kein Ärger, sondern vielmehr Scham. Heiß durchströmt sie mich, jetzt, da Anna die farblich nicht passende Serviette zum Mund führt, immer, wenn ich in ihren Blicken kritische Begutachtung zu erkennen glaube. Als würde sie im grellen, schonungslosen Licht meinen nackten, makelbehafteten Körper betrachten. Die Makel anderer Körper habe ich nie als solche empfunden, nur meine eigenen. Es ist noch schlimmer als das – es ist, als wäre meine schmucklose Wohnung meine Seele, in die Anna geradewegs hineinsehen kann, und als gäbe es dort nichts. Gar nichts. Kein sanftes Licht, keine Schönheit, keine Augenweide. Wahrscheinlich ist meine Seele kein Ort, an dem jemand bleiben möchte, und deshalb hat mich seit zwei Jahren niemand mehr geküsst.

Nach dem Essen sitzen wir uns vor leeren Tellern gegenüber.

"Magst du keine Kerzen?", fragt Anna wie nebenbei und schenkt Wein nach.

"Wieso?" Noch während ich es sage, weiß ich, dass eine Gegenfrage mir keinesfalls dauerhafte Ausflucht gewähren wird. Anna wird noch einmal und noch einmal fragen, immer weiter. Ich sehe es ihr an.

Ich will nicht über Kerzenschein reden. Ich habe lange nicht mehr daran gedacht und will es auch jetzt nicht tun. Heruntergelaufenes Wachs, abgebrochene Dochte und Wachsflecken auf dem Tisch gehören seit fast zwanzig Jahren nicht mehr zu meinem Leben. Das alles ist wie eine fremde Sprache, deren Klang ich nicht mag, die ich nicht verstehe und auch nicht erlernen will. Vielleicht vergisst Anna es, wenn ich ihr nur lange genug eine Antwort schuldig bleibe? Sie hat die Ärmel hochgeschoben, bis über die Ellbogen

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