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Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder Roman von Blum, Antonia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2020
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder

Das erste Kinderkrankenhaus Berlins und zwei Schwestern, die sich aufopferungsvoll um ihre kleinen Patienten kümmern

Berlin 1911: Die Schwestern Marlene und Emma Lindow können ihr Glück kaum fassen: Sie dürfen als Lernschwestern in der Kinderklinik Weißensee anfangen. Die forsche Marlene lernt schnell, die schüchterne Emma fühlt sich hingegen bald von ihrer Schwester zurückgesetzt. Denn Marlene hat sich gleich doppelt verliebt: in den vornehmen Assistenzarzt Doktor Maximilian von Weilert und in das noch junge Fachgebiet Kinderheilkunde. Sie ist fest entschlossen, selbst Kinderärztin zu werden. Doch der Weg nach oben ist steinig, der in Maximilians Familie erst recht. Emma geht in ihrer Rolle als Kinderkrankenschwester auf und entfernt sich immer mehr von ihr. Erst als das Leben des kleinen Fritz Schmittke am seidenen Faden hängt, erkennen Emma und Marlene, dass sie zusammenstehen müssen, um ihre wichtigste Aufgabe zu erfüllen: den Kindern zu helfen.



Antonia Blum lebte längere Zeit in Berlin, ohne den Weißen See dort je gesehen zu haben. Erst Jahre später, nachdem sie die Hauptstadt längst verlassen hatte, entdeckte sie durch einen Zufall die Ruine der einstigen Kinderklinik in Weißensee und kommt seitdem von dem Ort und seiner bewegten Geschichte nicht mehr los. Heute fährt Antonia nicht nur zum Spazierengehen immer wieder an den Weißen See, der dem Berliner Stadtteil seinen Namen gab. Sie ist überzeugt, dass dort ein Tor in die Vergangenheit existiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 30.11.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843724012
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2808 kBytes
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Kinderklinik Weißensee - Zeit der Wunder

Prolog

Lübars bei Berlin
3. Juli 1898

Marlene stand an der Tür der kleinen, windschiefen Kate und hielt sich die Hände vors Gesicht. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, und ihre Hände waren feucht vor Aufregung. Sie musste sich anstrengen, nicht doch zum Tisch hinüberzulinsen, von wo ein Rascheln und kleinkindliches Flüstern zu hören waren. Es duftete herrlich süß.

»Und wer im Juli geboren ist, tritt ein, tritt ein, tritt ein«, erklang endlich die zärtliche Stimme ihrer Mutter, untermalt von Emmas Singversuchen, die noch Probleme hatte, sich den Text des Geburtstagsliedes zu merken.

Für Marlene war ihr Geburtstag der schönste Tag im Jahr, noch schöner als Weihnachten, weil sie trotz der Feststimmung nicht in die Kirche mussten. An Geburtstagen konnten ihre Mutter, ihre jüngere Schwester Emma und sie ganz unter sich sein, die kleine Familie Lindow. Anmutig schritt Marlene zum Geburtstagstisch. Der liebevolle Blick ihrer Mutter gab ihr das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, eine Prinzessin mit Krone und Schleier.

»Der macht vor uns einen tiefen Knicks, recht fein, recht fein, recht fein«, sang Elisabeth Lindow weiter, wie sie es an vielen Abenden zuvor schon vor dem Einschlafen für ihre Kinder getan hatte.

Marlene knickste ungelenk wie jedes Jahr, weil sie nur Augen für den Geburtstagskuchen hatte. Sechs Kerzen leuchteten auf dem Streuselkuchen, gelb wie die Sterne am Himmel über Lübars. Sie war so froh darüber, dass ihre Mutter doch noch eine sechste Kerze hatte kaufen können, obwohl zuletzt nicht einmal mehr Geld für die Arztrechnung da gewesen war.

»Mädel, dreh dich, Mädel ...«, sang Elisabeth weiter und tanzte mit, fasste sich dabei aber an den Bauch.

Marlene drehte sich so eifrig, dass ihre dicken Zöpfe aufflogen. Erst als sich ihre Mutter abwandte und ihr die Stimme versagte, hielt auch sie inne. »Mama, was ist mit dir?«, fragte sie, während sich die Wände um sie herum noch zu drehen schienen.

»Es geht schon«, wiegelte Elisabeth ab und lächelte ihre Tochter liebevoll an, sodass diese ihre Sorge auch gleich wieder vergaß. Es war ihr Geburtstag, der Tag ausgelassener Fröhlichkeit, und wie ihre Mutter immer sagte: Traurigkeit ist an diesem Tag nicht erlaubt.

»Mädel, dreh dich, Mädel, dreh dich, hei hopsasasa!«, sang Elisabeth weiter und drehte sich wieder.

Marlene lachte auf. Bei der nächsten Liedzeile drehte auch Emma sich mit und wollte gar nicht mehr aufhören, bis sie taumelnd gegen das Bett stieß.

»Und natürlich gibt es einen Streuselkuchen für dich«, sagte ihre Mutter, nachdem die letzte Zeile des Liedes verklungen war.

»Mit ganz viel Butter?«, fragte Marlene ungeduldig.

»Natürlich, Lene«, antwortete Elisabeth, und Marlene wollte sich schon an den Tisch setzen und nach einem Stück Kuchen greifen, als ihre Mutter sie noch einmal zu sich heranzog und an sich drückte. »Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, meine liebe Lene.« Eine Träne lief Elisabeth über die Wange. »Es ist ein Wunder zu sehen, wie schnell du groß wirst. Jetzt bist du schon sechs Jahre alt.« Schnell wischte Elisabeth sich die Träne fort und lächelte jenes Lächeln, das Marlene so an ihrer Mutter liebte, das ihr das Gefühl gab, bedingungslos geliebt zu werden. Sie umarmte ihre Mutter lang und fest und bemerkte dabei, dass diese stark schwitzte, was sie sonst nicht tat. Letzte Nacht, als sie eng aneinandergeschmiegt geschlafen hatten, war das Nachthemd ihrer Mutter auch schon ganz feucht gewesen. Jetzt stand ihrer Mutter schon wieder der Schweiß auf der Stirn, obwohl es nicht heiß im Haus war.

Emma holte einen kleinen Sommerblumenstrauß mit Kornblumen unter dem Bett hervor: Margariten und eine Distel, die die Blätter schon etwas hängen ließen. »Die habe ich gestern für dich gepflückt.« Sie überreichte Marlene den Blumenstrauß und schmiegte sich an das Bein ihrer Mutter.

»Der Strauß ist wunderschön, Emmalein, danke!« Marlene wuschelte

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