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Kindheit von Tolstoi, Leo N. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2015
  • Verlag: RUTHebooks
eBook (ePUB)
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Kindheit

Lew Nikolajewitsch Tolstoi - Kindheit 'Kindheit' ist ein mit autobiografischen Elementen versehener Roman von Lew Nikolajewitsch Tolstoi. Nikolai Petrowitsch Irtenjew - ein Junge aus einer russischen Adelsfamilie - erzählt hier aus der ICH-Perspektive Erinnerungen seiner Kindheit und Jugendjahre. In diesem Roman lässt Tolstoi seine eigenen Kindheitserlebnisse in autobiografischen Elementen mit einfließen... Für RUTHeBooks Klassiker lassen wir alte oder gar schon vergriffene Werke als eBooks wieder auferstehen. Wir möchten Ihnen diese Bücher nahe bringen, Sie in eine andere Welt entführen. Manchmal geht das einher mit einer für unsere Ohren seltsam klingenden Sprache oder einer anderen Sicht auf die Dinge, so wie das eben zum Zeitpunkt des Verfassens vor 100 oder mehr Jahren "normal" war. Mit einer gehörigen Portion Neugier und einem gewissen Entdeckergeist werden Sie beim Stöbern in unseren RUTHeBooks Klassikern wunderbare Kleinode entdecken. Tauchen Sie mit uns ein in die spannende Welt vergangener Zeiten!

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 15.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959231855
    Verlag: RUTHebooks
    Größe: 307 kBytes
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Kindheit

Kapitel 1 - Unser Lehrer Karl Iwanowitsch

Am 12. August 1836, genau drei Tage nach meinem elften Geburtstag, an dem ich mein zehntes Lebensjahr vollendet und so herrliche Geschenke erhalten hatte, um sieben Uhr morgens, weckte mich Karl Iwanowitsch, indem er mit einer Fliegenklappe aus Packpapier an einem Stock nach einer Fliege schlug. Er tat dies so ungeschickt, daß er mein Heiligenbild an der eichenen Bettlehne berührte und daß die tote Fliege auf mein Kissen fiel. Ich schob den Kopf unter der Decke hervor, hielt das schaukelnde Bild mit der Hand fest, warf mit Abscheu die tote Fliege fort und blickte zwar mit verschlafenen aber bösen Augen Karl Iwanowitsch an, der in seinem bunten, wattierten, durch einen hinten angenähten Gürtel (aus demselben Stoff) zusammengehaltenen Schlafrock, einer roten, gestrickten Zipfelmütze mit Troddel, in weichen Saffianschuhen, die Fliegenklappe in der Hand, weiter die Wände entlang schlich, zielte und schlug.

Wenn ich auch klein bin, dachte ich, welches Recht hat er aber, mich zu stören, zu quälen und mit der Klappe nach dem Bild zu schlagen? Warum klatscht er nicht die Fliegen bei Wolodjas Bett? Da sind so viele! O, er hat Angst vor Wolodja, der könnte sich beklagen, weil er älter ist als ich, bald dreizehn Jahre. Ich bin der Allerjüngste, deswegen quält er mich. Nur daran denkt er sein ganzes Leben lang, wie er mich ärgern kann, flüsterte ich, die Zähne zusammenpressend. Er sieht sehr gut, daß er mich erschreckt hat, tut aber, als ob er nichts merkt, der abscheuliche Mensch ... Sein Schlafrock, die Zipfelmütze und die Troddel, wie widerwärtig das alles ist.

Während ich so in Gedanken meinem Ärger über Karl Iwanowitsch, der mich nicht ausschlafen ließ, Ausdruck verlieh, trat er zu seinem Bett, sah nach der Uhr, die in einem mit Glasperlen gestickten Pantoffel hing, hängte die Fliegenklappe an den Nagel und rief uns, augenscheinlich in bester Stimmung, auf gut deutsch zu: "Auf, Kinder, auf; 's ist Zeit! Die Mutter ist schon im Saal," kam dann zu mir, setzte sich zu meinen Füßen und holte seine Tabaksdose aus der Tasche. Ich tat, als schliefe ich; steckte den Kopf unter die Decke. Karl Iwanowitsch schnupfte, nahm sein gewürfeltes Taschentuch und schneuzte sich mit den tabakbeschmutzten Fingern. Dann schob er die Hand unter meine Bettdecke und kitzelte mich an den Fußsohlen. "Nun, nun, Faulenzer," sagte er dabei und lachte. So große Angst ich auch vor dem Kitzeln hatte, sprang ich doch nicht aus dem Bett, antwortete ihm auch nicht, sondern steckte nur den Kopf wieder unter die Decke, schlug mit den Füßen um mich, kreischte und gab mir krampfhaft Mühe, das Lachen zu verbeißen.

Wie ist er gut und wie hat er uns lieb. Und ich konnte so schlecht von ihm denken!

Jetzt konnte ich mich nicht mehr halten, schob den Kopf unter dem Kissen hervor und rief mit Tränen in den Augen: "Ach, lassen Sie, Karl Iwanowitsch!"

Er ließ verwundert meine Fußsohlen los und fragte mich besorgt, was mit mir wäre. Ob ich etwas Schlimmes geträumt hätte. Sein braves, deutsches Gesicht, die Teilnahme, mit der er sich bemühte, den Grund meiner Tränen zu erraten, verstärkten meine Rührung. Ich schämte mich; begriff nicht, wie ich eine Minute vorher solch' unschöne Gedanken hatte hegen, seinen Schlafrock, die Zipfelmütze und Troddel hatte widerwärtig finden können. Jetzt erschien mir, im Gegenteil, alles sehr lieb, und sogar die Troddel war mir ein klarer Beweis seiner Güte.

Ich sagte Karl Iwanowitsch, ich hätte geträumt, Mama stürbe. Und als er mich freundlich zu trösten und zu beruhigen suchte, kam es mir vor, als hätte ich wirklich diesen schrecklichen Traum gehabt, obgleich ich entschieden nichts mehr wußte und meine Tränen flossen nun schon aus einem anderen Grunde.

Karl Iwanowitsch ging ins Klassenzimmer; ich zog schluchzend meine Strümpfe an und dachte über den schrecklichen, erfundenen Traum nach.

Jetzt trat unse

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