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Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit Historischer Roman von Follett, Ken (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2020
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit

Ein Epos um Gut und Böse, Liebe und Hass - die Vorgeschichte zu Ken Folletts Weltbestseller 'Die Säulen der Erde' England im Jahr 997. Im Morgengrauen wartet der junge Bootsbauer Edgar auf seine Geliebte. Deshalb ist er der Erste, der die Gefahr am Horizont entdeckt: Drachenboote. Jeder weiß: Die Wikinger bringen Tod und Verderben über Land und Leute. Edgar versucht alles, um die Bürger von Combe zu warnen. Doch er kommt zu spät. Die Stadt wird beinahe völlig zerstört. Viele Menschen sterben, auch Edgars Familie bleibt nicht verschont. Die Werft der Bootsbauer brennt nieder. Edgar bleibt nur ein Ausweg: ein verlassener Bauernhof in einem Weiler fern der Küste. Während Edgar ums Überleben kämpft, streiten andere um Reichtum und Macht in England. Unter ihnen: der gleichermaßen ehrgeizige wie skrupellose Bischof Wynstan, der idealistische Mönch Aldred und Ragna, die Tochter eines normannischen Grafen ... Edgar, Ragna, Wynstan, Aldred - ihre Schicksale sind untrennbar miteinander und mit ihrer Zeit verbunden. Ihr Land, das England der Angelsachsen, ist eine Gesellschaft voller Gewalt. Eine Gesellschaft, in der selbst der König es schwer hat, Recht und Gerechtigkeit durchzusetzen. Gemeinsam mit Edgar, Ragna, Wynstan und Aldred erleben wir den Übergang von dunklen Zeiten ins englische Mittelalter - und den Aufstieg eines unbedeutenden Weilers zum Ort Kingsbridge, den wir seit 'Die Säulen der Erde' kennen und lieben.

Ken Follett, geboren 1949 in Cardiff, Wales, gehört zu den erfolgreichsten Autoren der Welt. Berühmt wurde er mit den Romanen Die Säulen der Erde und der Fortsetzung Die Tore der Welt, die auch erfolgreich verfilmt wurden. Nach einigen Thrillern hat er mit Sturz der Titanen, Winter der Welt und Kinder der Freiheit eine groß angelegte Chronik des 20. Jahrhunderts vorgelegt. Zuletzt erschien Das Fundament der Ewigkeit, eine Fortführung der weltbekannten Kingsbridge-Reihe.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 1018
    Erscheinungsdatum: 15.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732594221
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Kingsbridge 4
    Originaltitel: The Evening and the Morning
    Größe: 4733 kBytes
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Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit

 
Donnerstag, 17. Juni 997

Edgar fand es schwierig, die ganze Nacht lang wach zu bleiben, dabei war es die wichtigste Nacht seines Lebens.

Er hatte seinen Umhang über die Binsen auf dem Fußboden gebreitet und lag nun darauf in seinem knielangen Hemd aus brauner Wolle, das er den ganzen Sommer lang trug, Tag und Nacht. Im Winter hüllte er sich in den Umhang und lag in der Nähe der Feuerstelle. Jetzt aber hatten sie warmes Wetter: Bis zum Mittsommertag war nur noch eine Woche.

Edgar hatte sich schon immer mit den Daten ausgekannt. Die meisten Leute mussten Priester fragen, die Kalender führten. Sein älterer Bruder Erman hatte Edgar einmal gefragt: »Wie kommt es, dass du weißt, wann Ostern ist?«, und er hatte geantwortet: »Weil Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond gefeiert wird, der auf den einundzwanzigsten März folgt, ist doch klar.« Es war ein Fehler gewesen, das »ist doch klar« anzufügen, denn Erman hatte ihn für seine Frechheit in den Bauch geboxt. Das war Jahre her, Edgar war noch klein gewesen. Jetzt war er erwachsen. Drei Tage nach Mittsommer war sein Geburtstag; achtzehn Jahre würde er alt. Seine Brüder prügelten ihn längst nicht mehr.

Edgar schüttelte den Kopf. Unzusammenhängende Gedanken drohten ihn in den Schlaf hinabzuziehen. Er versuchte, es sich so unbequem wie möglich zu machen, legte den Kopf auf die geballte Faust, damit er wach blieb.

Wie lange musste er noch warten?

Er drehte den Kopf und sah sich im matten Schein der Glut um. Sein Zuhause glich den meisten anderen Häusern in der kleinen Stadt Combe: Bretterwände aus Eiche, ein Strohdach und ein Boden aus gestampfter Erde, der teilweise mit Binsen bedeckt war, welche am Ufer des nahen Flusses wuchsen. Fenster gab es keine. Mitten in dem einzigen Zimmer bildete ein Viereck aus Steinen den Herd. Über dessen Mitte erhob sich ein eiserner Dreifuß, an den Kochtöpfe gehängt werden konnten. Seine Beine warfen spinnenartige Schatten an die Unterseite des Dachs. In alle Wände waren hölzerne Haken geschlagen, an denen Kleidungsstücke, Kochgeschirr und Werkzeuge zum Bootsbau hingen.

Edgar war sich nicht sicher, wie weit die Nacht schon vorgerückt war, denn er mochte zwischenzeitlich schon mal eingenickt sein, vielleicht sogar mehr als einmal. Vorhin hatte er auf die Geräusche der Stadt gehorcht, die sich zur Ruhe begab: zwei Betrunkene, die ein obszönes Liedchen sangen, ein Ehestreit in einem Nachbarhaus mit bitteren gegenseitigen Beschuldigungen, eine knallende Tür, ein bellender Hund und irgendwo in der Nähe eine schluchzende Frau. Jetzt jedoch drang nichts an seine Ohren als das leise Schlaflied der Wellen, die an den geschützten Strand schlugen. Edgar starrte zur Tür, suchte nach den verräterischen Lichtstreifen an den Rändern und sah nur Dunkelheit. Entweder war der Mond untergegangen, dann war die Nacht schon weit, oder der Himmel hatte sich zugezogen. Die Düsternis verriet ihm nichts.

Der Rest seiner Familie lag im Zimmer verstreut auf dem Boden, dicht an den Wänden, wo der Rauch dünner war. Pa und Ma lagen Rücken an Rücken. Manchmal erwachten sie mitten in der Nacht und umarmten sich, flüsterten und bewegten sich gemeinsam, bis sie sich keuchend voneinander lösten; nun aber schliefen sie fest. Pa schnarchte. Erman, mit zwanzig der älteste der drei Brüder, lag in Edgars Nähe, und Eadbald, der mittlere, in der Ecke. Edgar hörte ihren ruhigen, gleichmäßigen Atem.

Endlich schlug die Glocke.

Am anderen Ende der Stadt stand ein Kloster. Die Mönche wussten das Verstreichen der Nacht zu messen. Sie zogen große, mit Markierungen versehene Kerzen, an denen sie die Stunde ablasen, während sie hinunterbrannten. Eine Stunde vor der Morgendämmerung standen sie auf, läuteten die Kirchenglocke und sangen die Frühmette.

Edgar blieb noch einen Moment reglos liegen. Vielleicht hatte die Glocke Ma geweckt, denn sie hatte einen leichten Schlaf. Er

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