text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Koskas und die Wirren der Liebe Roman von Guez, Olivier (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.02.2020
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)

16,99 €1

4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Koskas und die Wirren der Liebe

'Dem Charme von Jacques Koskas muss einfach jeder erliegen!' Leila Slimani Jacques Koskas hockt in der französischen Provinz, träumt von wilden Liebschaften und einer Karriere als Journalist. Doch der Mittdreißiger wird von den Erwartungen seiner sephardisch-jüdischen Familie gequält. Irgendwann hält es Koskas nicht mehr aus und steigt in den nächsten Zug nach Berlin. Dort lernt er Barbara kennen. Durch Berlins Straßen und Kneipen weht die Aufbruchstimmung der Nullerjahre und Koskas glaubt endlich zu wissen, wo er hingehört. Bestsellerautor Olivier Guez nimmt uns mit auf eine humorvolle, philosophische Reise in seine Vergangenheit. 'Koskas und die Wirren der Liebe' ist sein Debüt, aber vor allem sein persönlichstes Buch! 'Herrlich amüsant!' David Foenkinos, Bestsellerautor 'Kraftvoll, sprühend und unverschämt!' Le Figaro littéraire Olivier Guez, 1974 in Straßburg geboren, ist Autor und Journalist. Er arbeitete unter anderem für Le Monde , die New York Times und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) . Für das Drehbuch von 'Der Staat gegen Fritz Bauer' erhielt er den deutschen Filmpreis. Sein Roman 'Das Verschwinden des Josef Mengele' (Aufbau, 2018) wurde zum internationalen Bestseller und stand in Deutschland viele Wochen auf der Spiegel -Bestseller-Liste. Olivier Guez lebt in Paris.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 18.02.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841219817
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Originaltitel: La Révolutions de Jacques Koskas
    Größe: 2299 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Koskas und die Wirren der Liebe

1

Samstag, 6. Oktober 2003

Sie sah ihn an. Eine üppige nackte Nixe am Ufer. Von ihren mandelförmigen Augen ging ein sanftes, entwaffnendes Leuchten aus, ein Appell an sämtliche Sinne. Sie war den orangefarbenen Fluten entstiegen und kam auf ihn zu. Sie sah ihn an, Jacques fehlten die Worte, seine Hände zitterten, Schweiß perlte ihm von der Stirn, und aus seinen Augen sprudelten Tränen wie aus einem Brunnen. Die Meerjungfrau war strahlend schön, Jacques aber schluchzte.

"Warum weinst du, Jacques?"

"Wer bist du? Woher weißt du, wie ich heiße?", stammelte er.

"Ich bin die Leopardin, deine Leopardin. Du hast nichts zu befürchten, Jacques!"

"Woher kommst du? Welcher Fluch hat dich dem Wasser entrissen?"

"Beruhige dich und vertrau mir. Ich bin die, auf die du schon immer gewartet hast, von der du Nacht für Nacht träumst und die du an jedem Tag, den Gott gemacht, herbeisehnst."

"Wirklich? Ich weiß nicht. Du bist die Leopardin?"

"Ja. Mach dir nur keine Sorgen mehr, und hör auf zu weinen!"

Die Leopardin strich über die langen Locken, die Jacques' Gesicht rahmten, und schloss ihn fest in die Arme, so wie ihn noch nie jemand umschlungen hatte. Er entspannte sich, während der Scirocco seine Tränen trocknete, und hielt dem Kirschmund der Leopardin blaue Weintrauben, saftige Beeren und feuchte Feigen hin. Die Leopardin leckte ihm die Finger, und bald würde er ihre prallen Lippen lecken. Ihre heißen Zungen wanden sich im Takt umeinander, sinusförmige, ausgetrocknete Ellipsen. Nun bebte die Leopardin vor Lust. Ihre herrlichen Brüste schienen Jacques geradezu anzuflehen.

Schon wollte er nach ihnen greifen, als er plötzlich einen heftigen Schmerz in der Rippengegend verspürte. Ein mit unverdauten Pepperoni angereicherter Atem ruinierte den paradiesischen Augenblick.

" Ya rabbi , Jacques! Wach auf, verdammt noch mal! Dein Vater wird gleich die Thora vorlesen. Und du wirst uns wieder mal blamieren!"

Jacques verfluchte seinen Großonkel Ezechiel, der mit seinem Mundgeruch die Leopardin verscheucht hatte. Er streckte seinen langen Körper und rieb sich, geblendet von den Neonröhren der sephardischen Synagoge im guten alten S., gähnend die Augen. Er lockerte seinen Krawattenknoten. Wie jedes Jahr hatte der Küster die Heizung schlecht reguliert, und Jacques langweilte sich an Jom Kippur zu Tode. Raoul Chelly, der Gemeindevorsitzende, hämmerte mit seiner feisten Faust auf das Pult.

" Rabotai , spenden Sie für unsere schöne Synagoge, deren Renovierung auch 5764 noch nicht abgeschlossen sein wird!"

Die Zuhörer machten ihrem Unmut Luft, allerdings ohne den Redner aus dem Konzept zu bringen.

"Das Überleben unserer Gemeinde steht auf dem Spiel. Es geht um die Zukunft unserer Kehillah, unserer lieben Kinder und um unser Schicksal als Juden in diesen dramatischen Zeiten, wo unsere Feinde uns verleumden. Amen !"

Die Versteigerung begann, alle hielten die Luft an. Sämtliche Arme schossen in die Höhe, auf der Empore stießen die Frauen unterdrückte Schreie aus, während die Preise explodierten. Um an Jom Kippur die Haftara lesen zu dürfen, war man bereit, sich gegenseitig abzumurksen. Der Gemeindevorsitzende Chelly, von seinen Untergebenen "das Pummelchen" genannt, rieb sich die Hände: Ihm schwebte eine neue Mikwe für seine Gemeinde vor, renommierte Vortragsgäste aus der ganzen Welt, ein Satz zweifarbiger Tücher für die Pfadfindergruppe Pinhas und vor allem, ja vor allem endlich eine blickdichte Sicherheitsschranke - manche nannten sie Mauer -, die die vereinzelten unreinen Geister in der Zuhörerschaft daran hindern würde, nach einer zarten Fessel oder einem spitzen Schuh auf der Frauenempore zu schielen.

"Fünfzehntausend zum Ersten, fünfzehntausend zum Zweiten, fünfzehntausend zum

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen